Nachrichten 03.06.2021

Herzstillstand: Wie kühl sollte der Patient sein?

Komatöse Patienten mit Herzstillstand außerhalb des Krankenhauses profitieren von einer zeitlich begrenzten Hypothermie. Eine moderate Kühlung reicht jedoch, wie eine randomisierte Studie nun deutlich macht. 

Für die CAPITAL CHILL-Studie, die Prof. Michel Le May, Direktor des Herzinstituts der Universität Ottawa, bei der virtuellen ACC-Tagung vorstellte, wurden 389 Patienten randomisiert, die außerhalb des Krankenhauses einen Herzstillstand erlitten hatten (Out-of-hospital catadiac arrest, OHCA). 

Die Randomisierung erfolgte nach erfolgreicher Anlage eines endovaskulären Temperaturmanagements im Katheterlabor. Ein Teil der Patienten hatte bereits vor dem Herzkatheterlabor zur Kühlung Coolpacks erhalten.

31°C versus 34°C

Die Hälfte der Patienten wurde mit Hilfe der endovaskulären Kühlung auf eine Zieltemperatur von 31°C abgekühlt, die über 24 Stunden gehalten wurde. Über weitere 24 Stunden wurde dann schrittweise auf Normothermie erwärmt. In der Vergleichsgruppe betrug die Zieltemperatur°C für 24 Stunden, und die Erwärmung auf Normothermie im Anschluss erfolgte über zwölf Stunden. 

Primärer Endpunkt der CAPITAL CHILL-Studie war ein Komposit aus Tod oder schlechtem neurologischem Outcome, quantifiziert mit der Disability Rating Scale (DRS), innerhalb von 180 Tagen nach OHCA. Sekundär wurden u.a. Sterblichkeit, unterschiedliche neurologische Scores, Lungenentzündung und thrombotische Ereignisse analysiert.

„Kein Anlass, Temperatur so stark zu reduzieren“

In der Gesamtschau gab es weder im primären Endpunkt noch in den sekundären Endpunkten statistisch signifikante Unterschiede zwischen den Gruppen. 

Auch in der Subgruppenanalyse ließ sich keine Patientengruppe identifizieren, die von einer Abkühlung auf 31°C im Vergleich zur Abkühlung auf 34°C profitiert hätte. Diese erste randomisierte Studie mit einer Zieltemperatur von unter 32°C gebe demnach keinen Anlass, die Temperatur bei OHCA-Patienten so stark zu reduzieren, betonte Le May.

Dr. Jeanne Poole von der University of Washington in Seattle, die die CAPITAL CHILL-Studie beim ACC 2021 kommentierte, schloss sich dem an. Sie verwies noch darauf, dass einige sekundäre Endpunkte, insbesondere Schlaganfall und Pneumonie, aber auch schwere Blutungen bei Hypothermie mit Zielwert 31°C im Trend sogar häufiger waren.

Literatur

Le May M. Therapeutic Hypothermia Following Out-Of-Hospital Cardiac Arrest: A Randomized Trial Comparing Mild And Moderate Therapeutic Hypothermia.; Late-Breaking Clinical Trials V; ACC-Jahrestagung 2021

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