Nachrichten 14.05.2021

Wie viel Schlaf ist ideal fürs Herz?

Zu wenig Schlaf kann das Risiko erhöhen, an kardiovaskulären Erkrankungen zu sterben. Aber auch zu viel davon kann dem Herzen schaden, legt eine neue Studie nahe. Jedenfalls sollte man es nicht verschlafen, diesen Risikofaktor zu berücksichtigen.

Neben Ernährung, Bewegung und Rauchstatus scheint auch die Schlafdauer eine entscheidende Rolle für das kardiovaskuläre Risiko zu spielen. Menschen, die zwischen sechs und sieben Stunden pro Nacht schlafen, haben möglicherweise das geringste Risiko, an einem Herzinfarkt oder Schlaganfall zu sterben. Darauf weist eine neue Studie hin, die bei der Jahrestagung des American College of Cardiology vorgestellt wird.

Die Forscher um Dr. Kartik Gupta von der Universität von Alabama in Birmingham nutzten dafür Daten von mehr als 14.000 Personen, die am National Health and Nutrition Examination Survey teilgenommen hatten. Die Probanden wurden median über 7,5 Jahre nachbeobachtet, um festzustellen, ob sie an Herzinfarkten, Schlaganfällen oder Herzinsuffizienz starben. Sie waren durchschnittlich 46 Jahre alt, die Hälfte davon waren Frauen.

Risikoscores und Biomarker ermittelt

Anhand ihrer Angaben zur durchschnittlichen Schlafdauer teilten die Forscher die Probanden in drei Gruppen. Sie erstellten ASCVD-Risikoscores (Atherosclerotic Cardiovascular Disease) für jeden Teilnehmer und ermittelten die Spiegel des mit Herzerkrankungen assoziierten Entzündungsmarkers C-reaktives Protein (CRP). Mithilfe des ASCVD-Scores, der Alter, Geschlecht, Herkunft, Blutdruck und Cholesterinwerte berücksichtigt, lässt sich das Risiko berechnen, innerhalb der nächsten zehn Jahre an kardiovaskulären Erkrankungen zu sterben. Ein Wert unter 5% gilt als geringes Risiko.

Im Schnitt hatten die Teilnehmer einen ASCVD-Risikoscore von 3,5%. Basierend auf der Schlafdauer ergab sich eine U-förmige Kurve, sodass die Teilnehmer, die sechs bis sieben Stunden schliefen, das geringste kardiovaskuläre Mortalitätsrisiko hatten. Das mithilfe des Scores errechnete Zehnjahresrisiko betrug für Personen mit weniger als sechs, sechs bis sieben und mehr als sieben Stunden Schlaf jeweils 4,6%, 3,3% und ebenfalls 3,3%.

Geringstes Risiko bei mittlerer Schlafdauer

„Das kardiovaskuläre Sterberisiko war bei denjenigen, die weniger als sechs oder mehr als sieben Stunden schliefen, höher als bei der Gruppe mit einer Schlafdauer dazwischen. Die Ergebnisse des Risikoscores der Gruppen mit mittlerer und längerer Schlafdauer unterschieden sich jedoch nicht“, stellten die Forscher um Gupta fest. Möglicherweise habe der Score das erhöhte Risiko in der Gruppe der Vielschläfer nicht erfasst oder die Assoziationen könnten in der Kurzschläfergruppe stärker sein.

Die CRP-Spiegel waren bei den Personen mit kürzerer oder längerer Schlafdauer ebenfalls höher als bei denjenigen mit mittlerer Schlafmenge. Der Trend zur U-Kurve blieb auch nach Adjustierung auf Störfaktoren, die das kardiovaskuläre Risiko beeinflussen könnten, bestehen. Die höheren Risikoscores der Teilnehmer, die kürzer oder länger als sechs bis sieben Stunden schliefen, seien wahrscheinlich auf erhöhte Entzündungswerte zurückzuführen, glauben die Studienautoren.

Schlafgewohnheiten als Teil des Arztgesprächs?

„Im Gegensatz zu unveränderbaren kardiovaskulären Risikofaktoren wie Alter oder Genetik lassen sich Schlafgewohnheiten anpassen und sollten bei Arztbesuchen routinemäßig abgefragt werden“, empfehlen Gupta und Kollegen. Dabei sei es wichtig, nicht nur über die Schlafmenge, sondern auch über die Qualität des Schlafes zu sprechen. In der aktuellen Studie war nicht berücksichtigt worden, wie gut die Teilnehmer geschlafen hatten.


Literatur

Gupta K et al. Association Between Baseline Cardiovascular Risk and Sleep Duration in Ambulatory US Adults: Insights from the National Health and Nutrition Examination Survey. Journal of the American College of Cardiology 2021. ACC-Jahrestagung, 15.05.2021.

ACC-Pressemitteilung: Too Much, Too Little Sleep Linked to Elevated Heart Risks in People Free from Disease. 05.05.2021.

Neueste Kongressmeldungen

Postoperatives Vorhofflimmern: Zusatzeingriff senkt Risiko deutlich

Perikardergüsse gelten als potenzielle Ursache für postoperatives Vorhofflimmern. Auf Grundlage dieser Annahme haben Herzchirurgen eine bisher recht unbekannte Methode zur Reduktion des Vorhofflimmern-Risikos getestet – die ziemlich gut funktioniert hat.

Alkohol, Koffein & Co – was nützt es, Vorhofflimmern-Trigger zu vermeiden?

Patienten berichten nicht selten über bestimmte Faktoren in ihrem Alltag, die bei ihnen Vorhofflimmern begünstigen. In einer speziell konzipierten Studie wurde nun nach solchen potenziellen Triggern gezielt gefahndet – gebracht hat das leider wenig.

Totgesagte leben länger: Uni-Forscher entwickeln „ihren“ Lipidsenker

Dass renommierte akademische Forscher, die an das Potenzial eines Lipidsenkers glauben, den die Pharmaindustrie längst abgeschrieben hat, dessen klinische Entwicklung selbst in die Hand nehmen, kommt auch nicht alle Tag vor. Im Fall des Wirkstoffs Obicetrapib ist es passiert.

Neueste Kongresse

AHA-Kongress 2021

Die wichtigsten Ergebnisse der beim amerikanischen Herzkongress AHA präsentierten  Studie lesen Sie in unserem Dossier. Bleiben Sie auf dem Laufenden.

TCT-Kongress 2021

Hier finden Sie die Highlights der diesjährigen Transcatheter Cardiovascular Therapeutics (TCT) Conference, der weltweit größten Fortbildungsveranstaltung für interventionelle Kardiologie. 

ESC-Kongress 2021

Der diesjährige Kongress der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC) findet erneut als digitales Event statt vom 27. bis 30. August 2021. Vier neue Leitlinien werden präsentiert, 19 Hotline-Sessions könnten ebenfalls die Praxis verändern. In diesem Dossier berichten wir über diese und weitere Highlights.

AHA-Kongress 2020 virtuell
TCT-Kongress 2021/© popyconcept / stock.adobe.com
ESC-Kongress (virtuell)/© everythingpossible / stock.adobe.com