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08.12.2014 | Nachrichten | Onlineartikel

Nachtrag zur ACCORD-Studie

Aggressive HbA1c-Senkung: Doch Vorteile fürs Herz?

Autor:
Beate Schumacher

Wegen erhöhter Mortalität war der ACCORD-Studienarm mit aggressiver Blutzuckerkontrolle nach 3,7 Jahren vorzeitig beendet worden. 1,2 Jahre später haben die Studienautoren nochmals die ischämischen Koronarereignisse analysiert.

Um den Nutzen der Blutzuckerkontrolle auf makrovaskuläre Ereignisse zu untersuchen, war in der ACCORD-Studie ein besonders ehrgeiziges Ziel gewählt worden: die Absenkung des HbA1c auf Werte unter 6,0%. Die strenge Einstellung hat bekanntlich unerwartet schlecht abgeschnitten.

Die Gesamtmortalität lag nach 3,7 Jahren um 20 Prozent höher als in der Vergleichsgruppe mit einem HbA1c von 7,0–7,9 Prozent . Der primäre Endpunkt aus Herzinfarkt, Schlaganfall und kardiovaskulärer Mortalität wurde durch die intensive Therapie nicht beeinflusst. Die Ursachen für den Anstieg der (kardiovaskulären) Mortalität sind bis heute nicht geklärt.

Die 5128 aggressiv behandelten Patienten wurden damals für die restliche Laufzeit der Studie, die auch blutdruck- und lipidsenkende Strategien verglich, auf das liberalere HbA1c-Ziel umgestellt.

Rate ischämischer Ereignisse weiterhin niedriger

Die Fünf-Jahres-Daten zu ischämischen Koronarereignissen in Abhängigkeit vom ursprünglichen Blutzuckerregime sind jetzt im „Lancet“ nachzulesen. Danach ist die Rate in der Gruppe mit strenger Therapie weiterhin niedriger geblieben als in der Kontrollgruppe.

Die Ergebnisse im Einzelnen: Patienten mit initial intensiver HbA1c-Senkung erlitten insgesamt 16 Prozent weniger Herzinfarkte (304 vs. 355). Die Rate nicht-tödlicher Infarkte lag um 19 Prozent (287 vs. 344) niedriger, die Quote tödlicher Infarkte dagegen numerisch, aber nicht signifikant höher (24 vs. 14) als in der Vergleichsgruppe. Von einer instabilen Angina pectoris waren bei den streng eingestellten Patienten 19 Prozent weniger betroffen (202 vs. 245). Dementsprechend war auch die Zahl der koronaren Revaskularisationsmaßnahmen reduziert, und zwar um 16 Prozent (565 vs. 658).

„Die Ergebnisse sprechen dafür, dass zuckersenkende Interventionen auch das KHK-Risiko mindern“, schreiben die Studienautoren um Dr. Hertzel C. Gerstein von der McMaster University in Hamilton/Kanada. Sie müssen allerdings einräumen, dass ihre Einschätzung im Widerspruch steht zu der nach drei Jahren intensiver glykämischer Kontrolle beobachteten Mortalitätserhöhung. Zahlen zur Mortalität nach fünf Jahren werden nicht genannt.

Limitierte Aussagekraft

Die Aussagekraft der Fünf-Jahres-Daten ist außerdem dadurch limitiert, dass es sich um eine vorab nicht geplante Analyse handelt. Dennoch sind die Studienautoren zuversichtlich, „ wenn die Beziehung weiter untersucht wird, Personen identifizieren zu können, bei denen der Nutzen einer strengen glykämischen Kontrolle den Schaden überwiegt“.


Literatur

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