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10.11.2018 | AHA-Kongress 2018 | Nachrichten

Flop in Mega-Studie

Nicht sehr VITAL: Vitamin-D-Gabe enttäuscht in der Primärprävention von Krebs- und Herzerkrankungen

Autor:
Peter Overbeck

Die Hoffnung, durch Supplementierung von Vitamin D der Entwicklung von Krebs- und Herz-Kreislauferkrankungen vorbeugen zu können, ist in der Mega-Studie VITAL nicht erfüllt worden. Auch eine gleichzeitig geprüfte Primärprophylaxe mit Omega-3-Fettsäuren enttäuschte.

Die aktuell beim AHA-Kongress von Dr. Joann Manson aus Boston vorgestellten Ergebnisse der VITAL-Studie sind gleich in doppelter Hinsicht eine Enttäuschung. Zum einen ist es nicht gelungen, die primärpräventive Wirkung einer Supplementierung von Vitamin D3 (Cholecalciferol) auf invasive Krebserkrankungen sowie kardiovaskuläre Ereignisse unter Beweis zu stellen.

Zum anderen scheiterte auch  der Versuch, die Supplementierung von Omega-3-Fettsäuren marinen Ursprungs („Fischöl“) als wirksamen Therapieansatz zur Primärprävention kardiovaskulärer Erkrankungen zu etablieren. Auch auf Krebserkrankungen hatte diese Präventionsstrategie nicht den geringsten Einfluss.

An der von den National Institutes of Health (NIH) in den USA unterstützten Studie waren nach einem Screening von mehr als 400.000 Personen am Ende insgesamt  25.871 als gesund erachtete Männer und Frauen im Alter von mindestens 50 Jahren (Männer) und 55 Jahren (Frauen) beteiligt.  Das 2x2-faktorielle Studiendesign  ermöglichte jeweils den Vergleich einer Supplementierung sowohl  von Vitamin D3 (Cholecalciferol, 2000 IE täglich)  als auch von Omega-3-Fettsäuren (1 g täglich) mit Placebo.

Die Ergebnisse der Vitamin-D-Supplementierung

Im Verlauf der Nachbeobachtung  (im Median 5,3 Jahre) erkrankten 1617 Teilnehmer an Krebs, davon 793 in der Vitamin-D-Gruppe und  824 in der Placebo-Gruppe (Hazard Ratio 0,96; 95% Konfidenzintervall 0,88 – 1,06, p=0,47). Auch bei Inzidenz von Mamma-, Prostata- und kolorektalen Karzinomen als sekundärem Endpunkt gab es keine nennenswerten Unterschiede.

Bei der krebsbedingten Sterblichkeit sah das Ergebnis mit einer – allerdings nicht signifikanten – relativen Abnahme  um 17% (154 vs. 187 Todesfälle) in der Vitamin-D-Gruppe etwas besser aus (HR 0,83, 95% CI 0,67 – 1,02). Der leichte Vorteil schien sich mit der Zeit sogar zu vergrößern: Wurden die ersten beiden Jahre der Nachbeobachtung aus der Analyse ausgeklammert, war die durch Krebs verursachte Sterblichkeit unter Vitamin-D-Supplementierung  in der Folgezeit sogar signifikant niedriger (HR 0,75, 95% CI 0,59 – 0,96). Das Ergebnis dieser Analyse ist allerdings bestenfalls „hypothesengenerierend“.

Die Ergebnisse der Supplementierung von Omega-3-Fettsäuren

Ebenso wie bei den Krebserkrankungen war auch bei den im primären Endpunkt kombinierten kardiovaskulären Ereignissen (kardiovaskulärer Tod, Myokardinfarkt, Schlaganfall)  kein relevanter Unterschied zwischen Vitamin-D-Prophylaxe und Placebo auszumachen: Entsprechende Ereignisse traten insgesamt bei 805 Personen auf, von denen  396 der Vitamin-D-Gruppe und 409 der Placebo-Gruppe zugeteilt waren (HR 0,97, 95% CI 0,85-1,12, p=0,67).

Auch die Supplementierung von Omega-3-Fettsäuren bleibt in der VITAL-Studie ohne jede Wirkung auf Krebs- oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen.  Eine invasive Krebserkrankung war nach etwas mehr als fünf Jahren bei 820 Teilnehmern der Gruppe mit „Fischöl“-Einnahme und bei 797 Teilnehmern der Placebo-Gruppe diagnostiziert worden (HR 1,03, 95% CI 0,93 – 1,13).

Mit Blick auf  kardiovaskuläre Erkrankungen sah es ähnlich aus:  Davon insgesamt betroffen waren 383 Personen in der O-3-FS-Gruppe und 419 Personen in der Placebo-Gruppe (HR 0,92, 95% CI 0,80 – 1,06, p=0,24). Einziger  Lichtblick: Die Gesamtzahl  aller tödlichen und nicht tödlichen Herzinfarkte war mit 145 versus 200 Ereignissen unter Omega-3-Fettsäuren-Supplementierung  um 28% niedriger als unter Placebo (HR 0,72, CI 0,59 – 0,90, nomineller p-Wert = 0,003). Am relativ stärksten  war der Rückgang von Herzinfarkten dabei in den beiden Subgruppen der Personen mit relativ geringem Fischverzehr und  der Personen afroamerikanischer Abstammung, berichtete Manson.

Mehr als positive Signale, die für die Planung künftiger Studien wegweisend sein können, sind diese Ergebnisse aber nicht.  Nach Ansicht von Manson sollte in kommenden Studien vor allem die Wirkung von Omega-3-Fettsäuren  auf koronare Ereignisse in den Fokus gestellt werden.

Literatur

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