Nachrichten 14.11.2018

Warum nicht? Rhythmusstörungen via Bestrahlung behandeln

Elektrophysiologen bekommen vielleicht bald Konkurrenz von Strahlentherapeuten. Künftig könnten ventrikuläre Tachykardien nämlich auch nichtinvasiv mittels Hochenergie-Bestrahlung behandelt werden. In einer Phase I/II-Studie war dieser Ansatz ziemlich erfolgreich. 

Rhythmusstörungen können vielleicht bald auch nichtinvasiv mittels stereotaktischer Hochenergie-Bestrahlung behandelt werden.  Vorgestellt wurde dieser interessante Ansatz bei der diesjährigen Jahrestagung der American Heart Association (AHA) in Chicago. Die betreffende Phase I/II-Studie wurde von Strahlentherapeuten und Kardiologen gemeinsam durchgeführt.

Eingeschlossen wurden in diese kleine Studie  19 schwerkranke Patienten mit rezidivierenden ventrikulären Tachykardien (VT), zwei davon mit Extrasystolie assoziierter Kardiomyopathie (PVC), bei denen eine antiarrhythmische Therapie erfolglos blieb.

Das arrhythmogene Substrat wurde mittels MRT Narben-Detektion, PET-CT und durch ein nicht-invasives elektrophysiologisches Mapping während kurzer VT-Episoden, welche durch bereits vorhandene ICDs ausgelöst und terminiert wurden, determiniert. In das dadurch identifizierte Areal wurde eine einmalige Strahlendosis von 25 Gy appliziert. Das durchschnittliche bestrahlte Targetvolumen betrug ca. die Hälfte der Größe eines Golfballes.

Ist das Verfahren sicher?

Die primäre Fragestellung fokussierte auf die Sicherheit der Therapie und die sekundäre Frage galt der Reduktion der Rhythmuslast. Insgesamt wurden zwei schwerwiegende Komplikationen beobachtet. Ein Patient erlitt eine mutmaßlich strahlenassoziierte Perikarditis, welche mittels Prednisolon erfolgreich behandelt werden konnte, und ein Patient musste wegen einer Herzinsuffizienz mit Diuretika behandelt werden. Ein Todesfall 17 Tage nach der Bestrahlung wurde nicht mit der Therapie in Zusammenhang gebracht. Minderschwere Nebenwirkungen der Strahlentherapie waren u. a. Müdigkeit, Schwindel, Dyspnoe, Übelkeit und  Strahlenpneumonie.

Demgegenüber standen beachtliche Therapieerfolge: In den letzten sechs Monaten vor der Therapie hatten die 19 eingeschlossenen Patienten insgesamt 1.778 VT-Episoden. In den sechs Monaten danach (minus einer 6-wöchigen Blanking-Periode) erlitten sie nur noch 111 VT-Episoden (p<0,001). Zudem konnten die antiarrhythmisch wirksamen Medikamente reduziert werden und die Lebensqualität nahm zu.

Die gesamte Strahlentherapie dauerte 15 Minuten und konnte immer ambulant durchgeführt werden. Allerdings wurden hierbei nicht die umfangreichen Voruntersuchungen einberechnet.

Beeindruckender Therapieerfolg

Insgesamt ist das sicherlich ein hochinteressanter Therapieansatz mit einem beeindruckenden Therapieerfolg in einer sehr kleinen Studienpopulation. Bedenkt man aber den minimalen therapeutischen Aufwand – bei allerdings doch größerem präprozeduralem Aufwand – ist mit dieser Studie sicherlich die Basis für größere Follow up-Studien geschaffen. 

Natürlich handelt es sich um eine Therapie mit ionisierender Strahlung, die allerdings bei einem schwerkranken Patientenkollektiv eingesetzt wird. Und unter strahlenhygienischen Gesichtspunkten darf man auch nicht die gesparte Strahlendosis für das medizinische Personal vergessen, welches bei invasiven VT-Ablationen akquiriert wird.

Literatur

Phillip S Cuculich: Perspective: Noninvasive Ablation of VT; vorgestellt beim AHA-Kongress, 10. November 2018 in Chicago

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