Nachrichten 08.11.2022

Mit Herzinsuffizienz in der Notaufnahme: Algorithmus unterstützt Entscheidung

Über die weitere Versorgung von Patienten und Patientinnen, die mit akuter Herzinsuffizienz in die Notaufnahme kommen, zu entscheiden, kann herausfordernd sein. Ein Tool zur Risikostratifizierung konnte ihre Prognose verbessern.

Wenn sich Personen mit akuter Herzinsuffizienz in der Notaufnahme vorstellen, müssen Ärzte und Ärztinnen oft anhand klinischer Erfahrung entscheiden, ob die Erkrankten stationär aufgenommen oder wieder entlassen werden sollen. Dabei kann es passieren, dass Hochrisikopatienten und -patientinnen nach Hause geschickt werden und Personen mit niedrigem Risiko im Krankenhaus verbleiben, obwohl sie auch ambulant versorgt werden könnten. Ein Algorithmus, der die Risikostratifizierung unterstützt, ging verglichen mit der Standardversorgung mit einem verringerten Sterberisiko und weniger kardiovaskulär bedingten Klinikaufenthalten der Betroffenen einher.

In die COACH-Studie wurden fast 5.500 Patienten und Patientinnen mit akuter Herzinsuffizienz einbezogen, die sich in der Notaufnahme von einer von zehn kanadischen Kliniken vorstellten. Den Krankenhäusern wurden randomisiert gestaffelte Startdaten zugewiesen, wann sie von der Kontrollphase mit Standardversorgung in die Interventionsphase wechseln sollten. In Letzterer half ein Algorithmus dabei, die Erkrankten anhand ihres Sterberisikos zu klassifizieren. Personen mit niedrigem Risiko wurden dann innerhalb von drei Tagen entlassen und ambulant überwacht, während Teilnehmende mit hohem Risiko hospitalisiert wurden. Die primären Endpunkte waren eine Kombination aus Gesamtmortalität und kardiovaskulär bedingter Hospitalisierung nach 30 Tagen sowie nach 20 Monaten.

12% verringertes Risiko für kombinierten 30-Tage-Endpunkt

Erstautor Prof. Douglas Lee von der Universität Toronto stellte die Ergebnisse beim diesjährigen Kongress der American Heart Association (AHA) in Chicago im Rahmen einer „Late Breaking Science Session“ vor. 2.972 Personen wurden während der Kontrollphase und 2.480 während der Interventionsphase in die Studie aufgenommen. Innerhalb von 30 Tagen kam es bei rund 12% der in der Interventionsphase eingeschlossenen Erkrankten und bei fast 15% der in der Kontrollphase Teilnehmenden zum Tod jeglicher Ursache oder einem Klinikaufenthalt aufgrund kardiovaskulärer Ereignisse. Das Risiko für diesen kombinierten Endpunkt war während der Interventionsphase signifikant um 12% geringer.

Niedrigeres Sterbe- und Hospitalisierungsrisiko nach 20 Monaten

Die kumulative Inzidenz für Tod jeglicher Ursache oder einen kardiovaskulär bedingten Klinikaufenthalt betrug innerhalb von 20 Monaten gut 54% bei während der Interventionsphase aufgenommenen Personen und mehr als 56% bei in der Kontrollphase einbezogenen Patienten und Patientinnen. Das entspricht einem signifikant um 5% niedrigeren Risiko während der Interventionsphase.

„Diesen Ansatz umzusetzen, kann eine Möglichkeit bieten, an Herzinsuffizienz Erkrankte früher aus der Klinik zu entlassen und ihre Prognose zu verbessern“, resümierte Lee. „Die Daten tragen dazu bei, eine große Wissenslücke bei der Risikostratifizierung von Patienten und Patientinnen, die mit Herzinsuffizienz in die Notaufnahme kommen, zu schließen“, ergänzte Prof. Harriette Van Spall von der McMaster University in Hamilton, die die Studie beim AHA-Kongress kommentierte.

Literatur

Lee D. A Patient-Risk Based Health System Intervention for Acute Heart Failure Care: The Comparison of Outcomes and Access to Care for Heart Failure (COACH) Trial. Late Breaking Science 02. AHA Kongress 2022, 5. – 7. November 2022, Chicago 

Lee D et al. Trial of an Intervention to Improve Acute Heart Failure Outcomes. New England Journal of Medicine 2022. https://doi.org/10.1056/NEJMoa2211680

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