Skip to main content
main-content

23.06.2017 | Akutes Koronarsyndrom | Nachrichten

Erklärungsmodell für Atherosklerose bestätigt

Entzündungshemmer senkt kardiovaskuläres Risiko

Autor:
Veronika Schlimpert

In der Phase-III-Studie CANTOS ließ sich erstmals für einen Entzündungshemmer eine Senkung des kardiovaskulären Risikos nachweisen. Die aktuell vom Hersteller verkündeten Topline-Ergebnisse bestätigen damit das Erklärungsmodell der Atherosklerose durch Entzündungsprozesse.

Ein Durchbruch in der Therapie der Atherosklerose. Durch den Entzündungshemmer Canakinumab (ACZ855) lässt sich das kardiovaskuläre Risiko von Herzinfarktpatienten signifikant senken. Der Hersteller Novartis verkündete am 22. Juni 2017 die positiven Topline-Ergebnisse der Phase-III-Studie CANTOS.

„ACZ855 ist die erste und bisher einzige untersuchte Substanz, für die gezeigt werden konnte, dass das kardiovaskuläre Risiko durch selektive Hemmung von Entzündungsprozessen gesenkt werden kann“, wird Vas Narasimhan, Global Head, Drug Development and Chief Medical Officer von Novartis, in der Pressemitteilung zitiert. 

Bei ACZ855 bzw. Canakinumab handelt es sich um einen hochaffinen monoklonalen Antikörper, der selektiv an Interleukin-1β bindet. Dieses hochwirksame Zytokin ist aktiv an Entzündungsvorgängen beteiligt.

Aktuell ist die Substanz zur Behandlung des sog. CAPS-Syndrom (Cryopyrin-assoziiertes periodisches Syndrom) zugelassen, einer Erbkrankheit, die mit einer Überproduktion von IL-1β einhergeht.

Phase-III-Studie CANTOS

In CANTOS (Canakinumab Anti-inflammatory Thrombosis Outcomes Study) wurde ACZ855 an über 10.000 Patienten mit einem Herzinfarkt in der Vorgeschichte und erhöhten Entzündungsmarker (CRP≥ 2 mg/L) getestet. Die Teilnehmer bekamen verblindet entweder den Antikörper injiziert (50, 150 oder 300 mg) oder Placebo zusätzlich zu Standardtherapie über einen Zeitraum von bis zu sechs Jahren (im Mittel 3,8 Jahre).

Wie der Hersteller nun bekannt gab, hat die Studie den primären Endpunkt erreicht. Dieser  war definiert als die Zeit bis zum ersten Auftreten eines schweren kardiovaskulären Ereignisses (MACE), einer Kombination aus kardiovaskulärem Tod, nicht-tödlichem Herzinfarkt und nicht-tödlichem Schlaganfall. Nach Angaben des Herstellers handelt sich bei CANTOS um eine der größten und längsten klinischen Studien in der Geschichte von Novartis.

Zytokintherapie als Sekundärprävention

Experten sehen in diesen Ergebnissen eine Bestätigung des Entstehungsmodelles der Atherosklerose. Mittlerweile gehen Forscher davon aus, dass bei der Bildung von Plaques Entzündungsprozesse eine zentrale Rolle spielen, allen voran die Rekrutierung von Monozyten und T-Lymphozyten in die vulnerablen Gefäßwände. 

Die Hemmung der Interleukin-vermittelten Entzündung durch Canakinumab scheint nun tatsächlich der Entwicklung der Atherosklerose entgegen zu wirken. Die Zytokintherapie könnte somit in der Sekundärprävention kardiovaskulärer Erkrankungen bald eine wichtige Komponente darstellen.

Die vollständigen Ergebnisse der CANTOS-Studie sollen bald auf einem großen medizinischen Kongress präsentiert werden.

Literatur

Zurzeit meistgelesene Artikel

Highlights

05.12.2018 | DGK Herztage 2018 | Highlights | Video

So führen Sie Sonden-Extraktionen erfolgreich durch

Eine Sonden-Explantation ist nicht einfach, vor allem, weil die Patienten immer älter und kränker werden. Mit welchen Hilfsmitteln Sie die Prozedur trotzdem erfolgreich durchführen können, erklärt Prof. Michael Knaut.

04.12.2018 | DGK Herztage 2018 | Highlights | Video

Knifflige Situationen nach Sonden-Extraktionen

Was tun, wenn bei Anzeichen einer Sonden-Infektion kein Erreger nachweisbar ist. Und was macht man, wenn nach der Explantation Überbleibsel (Ghosts) zu sehen sind?  Dr. Götz Buchwalsky erklärt den richtigen Umgang mit solchen Problemsituationen. 

Aus der Kardiothek

05.12.2018 | DGK Herztage 2018 | Highlights | Video

So führen Sie Sonden-Extraktionen erfolgreich durch

Eine Sonden-Explantation ist nicht einfach, vor allem, weil die Patienten immer älter und kränker werden. Mit welchen Hilfsmitteln Sie die Prozedur trotzdem erfolgreich durchführen können, erklärt Prof. Michael Knaut.

04.12.2018 | DGK Herztage 2018 | Highlights | Video

Knifflige Situationen nach Sonden-Extraktionen

Was tun, wenn bei Anzeichen einer Sonden-Infektion kein Erreger nachweisbar ist. Und was macht man, wenn nach der Explantation Überbleibsel (Ghosts) zu sehen sind?  Dr. Götz Buchwalsky erklärt den richtigen Umgang mit solchen Problemsituationen. 

09.11.2018 | DGK Herztage 2018 | Highlights | Video

Sollte jede nicht-aktive Sonde explantiert werden?

Es kann gefährlich sein, stillgelegte Sonden nicht sofort zu entfernen. Aber nicht bei jedem Patienten ist eine frühe Explantation sinnvoll. Was Prof. Thomas Blum empfiehlt, hören Sie in diesem Vortrag.

Kontroverser Fall: So kann man wiederkehrendes Vorhofflimmern auch behandeln

DGK Herztage 2018 - Interview Prof. Dr. Boris Schmidt

Ein Patient leidet an wiederkehrendem Vorhofflimmern. Das Team um Prof. Boris Schmidt entscheidet sich für eine ungewöhnliche Strategie: die Implantation eines endokardialen Watchmann-Okkluders, um den linken Vorhof zu isolieren. Das genaue Prozedere sehen Sie hier. 

Spezielle Katheterablations-Strategie bei ausgeprägtem Narbengewebe

Vortrag Prof. Dr. Thomas Deneke - Jahrestagung DGK 2018

Die ventrikuläre Tachykardie eines 54-jährigen Patienten mit zurückliegendem Hinterwandinfarkt soll mit einer Katheterablation beseitigt werden. Prof. Thomas Deneke entscheidet sich für eine unkonventionelle Strategie und erläutert wie das CT  in solchen Fällen helfen kann. 

Komplizierte Mehrgefäß-KHK bei einem jungen Patienten

Vortrag Priv.-Doz. Dr. Hans-Jörg Hippe Jahrestagung DGK 2018

Mehrere komplexe Stenosen bei einem 46-jährigen Patienten erfordern ein strategisch sinnvolles Vorgehen. Wofür sich das Team um PD Dr. Hans-Jörg Hippe vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein Klinik entschieden hat, erfahren Sie in diesem Livecase. 

Bildnachweise