Nachrichten 24.05.2019

Warum sterben Frauen häufiger nach einem Herzstillstand als Männer?

Frauen, die außerhalb des Krankenhauses einen Herzstillstand erleiden, werden seltener wiederbelebt und sterben danach häufiger als Männer. Darauf weist eine aktuelle Studie aus den Niederlanden hin. Die Forscher versuchten die Ursachen dafür herausfinden.

Ein Forscherteam analysierte über sechs Jahre alle Wiederbelebungsversuche bei Herzstillstand in einer niederländischen Region, die nicht im Krankenhaus stattfanden. Das Ergebnis: Frauen wurden seltener wiederbelebt und starben häufiger. Ein Grund dafür war, dass die Personen vor Ort nicht gleich erkannten, dass es sich bei der Ursache des Zusammenbruchs um einen Herzstillstand handelte. Dadurch verzögerten sich die Ankunft des Rettungsdienstes und die Wiederbelebung.

Herzrhythmus zu Beginn des Herzstillstands ausschlaggebend

„Wir fanden heraus, dass das schlechtere Ergebnis bei Frauen größtenteils darauf zurückzuführen ist, dass es bei ihnen nur halb so wahrscheinlich ist wie bei Männern, dass sie zu Beginn des Herzstillstandes einen durch Schock beeinflussbaren Anfangsrhythmus haben“, sagte Studienleiter Dr. Hanno Tan von der Universität Amsterdam der European Society of Cardiology (ESC). Dieser anfängliche Herzrhythmus ist oft schnell und unregelmäßig und verhindert einen koordinierten Herzschlag, sodass die Pumpfunktion aussetzt. Dann zirkuliert kein Blut mehr zum Herzen, was zum Herzstillstand führt.

Der Betroffene stirbt innerhalb von Minuten, wenn das Herz nicht durch einen Defibrillator wieder in seinen normalen Rhythmus versetzt wird. Geschieht das nicht, stoppt die elektrische Herzaktivität nach dem unregelmäßigen Anfangsrhythmus. Dann ist es zu spät für eine Defibrillation und man kann nur noch versuchen, durch eine Throraxkompression die Durchblutung wiederherzustellen, um das Herz zu reanimieren. Deshalb ist es entscheidend, einen Herzstillstand innerhalb von Minuten zu erkennen, um Patienten behandeln zu können, während der Anfangsrhythmus auftritt.

Die Überlebenschancen von Frauen waren nur etwa halb so hoch

Die Arbeitsgruppe um Tan analysierte mehr als 5700 Herzstillstände außerhalb des Krankenhauses, 28% davon bei Frauen. Diese wurden seltener durch eine anwesende Person wiederbelebt (68% gegenüber 73%). Die Wahrscheinlichkeit, dass sie bis zur Krankenhauseinweisung überlebten war geringer (34% gegenüber 37%) und auch, dass sie von der Einlieferung bis zur Entlassung überlebten (37% gegenüber 55%). 

Insgesamt waren die Überlebenschancen von Frauen etwa halb so hoch wie die von Männern (12,5% gegenüber 20%). Nach Ansicht der Forscher liegt das vor allem an der niedrigeren Rate des durch Schock beeinflussbaren Anfangsrhythmus (33% gegenüber 52%), aber es gebe noch weitere Gründe.

Zum Beispiel war es weniger wahrscheinlich, dass bei Frauen im Krankenhaus ein akuter Myokardinfarkt diagnostiziert wurde oder eine Koronarangiographie oder perkutane Koronarintervention durchgeführt wurde. Auch die Symptome eines Herzinfarkts, oft Ursache für einen Herzstillstand, werden bei Frauen möglicherweise schlechter erkannt. Sie haben eher Symptome wie Müdigkeit, Ohnmacht, Erbrechen und Nacken- oder Kieferschmerzen, während Männer häufiger typische Beschwerden wie Brustschmerzen haben.

Eine Lösung für das Problem sehen die Studienautoren in öffentlichen Sensibilisierungskampagnen zu Herzinfarkt und Herzstillstand bei Frauen oder tragbaren Geräten, die Herzfrequenz und Kreislauf überwachen und Warnmeldungen versenden können.

Literatur

Tan H et al. Women have lower chances than men to be resuscitated and survive out-of-hospital cardiac arrest. European Heart Journal 2019. doi:10.1093/eurheartj/ehz297

ESC-Pressemitteilung: Women are less likely to be resuscitated and survive a cardiac arrest than men. 22.5.2019.

Highlights

Myokarditis – eine tödliche Gefahr

In der vierten Ausgabe mit Prof. Andreas Zeiher geht es um die Myokarditis. Der Kardiologe spricht über Zusammenhänge mit SARS-CoV-2-Infektionen und COVID-19-Impfungen und darüber, welche Faktoren über die Prognose entscheiden.

Podcast: Plötzlicher Herztod im Sport

In der dritten Ausgabe mit Prof. Martin Halle geht es um den Plötzlichen Herztod im Sport. Warum trifft es ausgerechnet Leistungssportler, warum überwiegend Männer? Und gibt es einen Zusammenhang mit SARS-CoV-2-Infektionen?

Aktuelles und Neues aus der Kardiologie

CRT-Therapie und QRS-Morphologie: Metaanalyse schafft Klarheit

Bezüglich des Nutzens einer kardialen Resynchronisationstherapie (CRT) bei nicht linksschenkelblockartiger QRS-Morphologie (Non-LBBB) herrscht Unsicherheit. Eine Metaanalyse gibt nun genauere Auskunft darüber, welche Patienten mit dieser QRS-Charakteristik von einer CRT profitieren und welche nicht.

Herzinsuffizienz: Landbewohner in den USA scheinen stärker gefährdet

In ländlichen Regionen in den USA haben die Bewohner offenbar ein höheres Risiko, eine Herzinsuffizienz zu entwickeln, als die Stadtbevölkerung, so das Ergebnis einer prospektiven Studie. Dieser Zusammenhang war sogar unabhängig vom sozioökonomischen Status.

50-Jähriger mit wiederholtem Brustschmerz – keine Stenose, sondern?

Ein 50-jähriger Patient wird wegen Brustschmerz und Ohnmachtsanfällen vorstellig. Eine ausgeprägte Stenose können die Kardiologen in der Koronarangiografie allerdings nicht feststellen. Stattdessen finden sie einen auffälligen Zusammenhang mit dem Alkoholkonsum des Mannes.

Aus der Kardiothek

Therapie der akuten Herzinsuffizienz – Wann und womit starten

Nach Dekaden des Stillstandes wurden in der letzten Zeit einige Fortschritte in der Therapie der Herzinsuffizienz gemacht. Welche das sind, und wie diese in der Praxis umgesetzt werden sollten, erläutert Prof. Christine Angermann in diesem Video.

Hypertonie und Dyslipidämie - einfach gemeinsam behandeln

Hypertonie und Hypercholesterinämie treten oft gemeinsam auf. Prof. Ralf Dechend stellt in diesem Video neue Strategien zum Umfang mit diesen kardiovaskulären Risikofaktoren vor.

Systematisches Vorhofflimmern-Screening in Risikopopulation: sinnvoll und machbar

Wearables eröffnen ganz neue Perspektiven für das Vorhofflimmern-Screening. Doch wie sinnvoll ist der Einsatz eines solchen Screenings? Und inwiefern können Patienten davon tatsächlich profitieren? Prof. Ralf Birkemeyer gibt Antworten.

Podcast-Logo/© Springer Medizin Verlag GmbH (M)
Podcast-Logo
kardiologie @ home/© BNK | Kardiologie.org