Nachrichten 21.09.2018

Wie gefährlich es ist, wenn Herzinfarkt-Patienten sich selbst entlassen

Warum Patienten mit einem akuten Herzinfarkt nicht gegen den Rat ihres Arztes das Krankenhaus verlassen sollten, wird an einer Untersuchung aus den USA deutlich.

Wie riskant es für Herzinfarkt-Patienten sein kann, sich gegen den Rat ihres Arztes selbst aus dem Krankenhaus zu entlassen, zeigt sich an einer großen Kohortenstudie aus den USA.

Von den Patienten, die sich in dieser Studie selbst entlassen hatten, mussten mehr als ein Drittel aufgrund eines Reinfarktes erneut in die Klinik eingewiesen werden. Das Risiko dafür war nach Adjustierung auf andere Einflussfaktoren um mehr als Dreifache höher als für andere Herzinfarkt-Patienten (Odds Ratio, OR: 3,65; p< 0,001).

Die Autoren um Dr. Chun Shing Kwok  schätzen, dass die Selbstentlassungen in dieser Kohorte 1.420 Todesfälle mehr verursacht haben. Insgesamt haben sie in der „Nationwide Readmission Database“ 2.663.019 Patienten ausfindig gemacht, die zwischen 2010 und 2014 in den USA wegen eines Herzinfarktes ins Krankenhaus eingewiesen worden waren. Wenige Patienten –1,5% – hatte sich entschieden, das Krankenhaus gegen Anweisung des Arztes frühzeitig zu verlassen.  Junge Männer, Raucher und Alkoholkranke sowie STEMI-Patienten waren eher gewillt, das zu tun.

Gut jeder zehnte in dieser Kohorte musste innerhalb der nächsten 30 Tage unplanmäßig erneut ins Krankenhaus eingewiesen worden. Eine Selbstentlassung stellte sich als unabhängiger Risikofaktor heraus (Odds Ratio: 2,27).

Die US-Mediziner betonten deshalb, dass man Maßnahmen ergreifen sollte, damit sich solche Hochrisikopatienten nicht selbst entlassen.

Literatur

Kwok CS, Walsh MN, Volgman A, et al. Discharge against medical advice after hospitalization for acute myocardial infarction. Heart. 2018;Epub ahead of print.

Highlights

ESC-Kongress 2020

Für die virtuelle Jahrestagung der European Society of Cardiology (ESC) haben sich mehr als 100.000 Teilnehmer angemeldet. Die wichtigsten Änderungen der neuen Leitlinien und die praxisrelevanten Studien finden Sie in diesem Dossier.

Corona, COVID-19 & Co.

Die Ausbreitung des Coronavirus hat einschneidende Folgen auch für die Herzmedizin. Aktuelle Meldungen zu SARS-CoV-2 bzw. zu der Lungenkrankheit COVID-19 finden Sie in diesem Dossier.

Aktuelles und Neues aus der Kardiologie

Konsensuspapier zu medikamenteninduzierten Rhythmusstörungen

Viele verbreitete Medikamente können Herzrhythmusstörungen verursachen, mit teils lebensbedrohlichen Folgen. Ein neues Konsensuspapier soll Ärzte dafür sensibilisieren und Präventionsmöglichkeiten aufzeigen.

Herzschäden durch COVID-19 – Grund zur Vorsicht, aber kein Grund zur Panik

Selbst bei wenig symptomatischen Patienten finden sich im Kardio-MRT zumindest teilweise Myokardschäden. Doch wie relevant sind diese und wie damit umgehen? Ein Gespräch mit Prof. Eike Nagel, der sich unabhängig von COVID-19 für ein neues Myokarditis-Konzept stark macht. 

Wann der ultradünne Stent die bessere Wahl ist

Der ultradünne Orsiro-Stent läuft dem Xience-Stent langsam den Rang ab. Beim DGK.Online-Kongress diskutieren Experten, ob und wann genau der Orsiro wirklich besser ist.

Aus der Kardiothek

Thorax-CT bei COVID-19-Patient – worauf zeigen die Pfeile?

Natives CT des Thorax bei einem Patienten mit COVID-19-Pneumonie (kleiner Pfeil). Was ist noch zu sehen (große Pfeile)?

Was sehen Sie im Kardio-MRT?

Kardio-MRT (Late Gadolinium Enhancement) mit Darstellung eines Kurzachsenschnitts im mittventrikulären Bereich. Was ist zu sehen?

BNK-Webinar "Von den Toten lernen für das Leben"

Alle verstorbenen COVID-19-Patienten werden in Hamburg obduziert und häufig auch im CT  betrachtet. Rechtsmediziner Prof. Klaus Püschel gewährt einen Einblick in seine Arbeit und erläutert die Todesursachen der Patienten – mit speziellem Fokus auf das Herz.

Bildnachweise
ESC-Kongress (virtuell)/© [M] metamorworks / Getty Images / iStock | ESC
Corona/© Naeblys / Getty images / iStock
Thorax-CT/© S. Achenbach (Friedrich-Alexander-Universität Erlangen)
Kardio-MRT (Late Gadolinium Enhancement)/© Stephan Achenbach, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen
BNK-Webinar/© BNK | Kardiologie.org