Skip to main content
main-content

14.12.2017 | Angeborene Herzfehler | Nachrichten

Unterstützung für Forschung im EMAH-Bereich

Herzstiftung fördert ihre erste Stiftungsprofessur für Erwachsene mit angeborenen Herzfehlern

Autor:
Peter Overbeck

Die Deutsche Herzstiftung hat ihre erste Stiftungsprofessur für Erwachsene mit angeborenem Herzfehler (EMAH) ausgelobt. Berufen wurde die Medizinerin Prof. Tanja Rädle-Hurst, die am Universitätsklinikum des Saarlandes arbeitet. 

Fortschritten in der Kinderkardiologie, Kardiologie, Anästhesiologie, Intensivmedizin und vor allem der Kinderherzchirurgie ist zu verdanken, dass im Vergleich zu früher heute deutlich mehr Kinder mit angeborenen Herzfehlern das Erwachsenenalter erreichen. Damit ist eine neue und immer größer werdende Gruppe von Patienten mit korrigierten, teilkorrigierten oder palliativ behandelten Herzfehlern entstanden, die mit spezifischen Problemen die Medizin vor bislang nicht gekannte Herausforderungen stellt.

Wachsende Gruppe, die spezifische Anforderungen stellt

In Deutschland leben derzeit schätzungsweise 280.000 Erwachsene mit angeborenem Herzfehler (EMAH). Ihre Zahl wächst jährlich mindestens um rund 6000. Entsprechend hoch ist der Bedarf an Kenntnissen zu den spezifischen Anforderungen, die EMAH-Patienten stellen. Trotz zunehmender Erfahrungen in der Diagnostik und Behandlung  besteht hier noch erheblicher Bedarf an wissenschaftlicher Evidenz. Noch immer  basiert ein Großteil der  Empfehlungen auf kleineren Studien, retrospektiven Untersuchungen, Registern und nicht zuletzt auf Expertenkonsensus.

„Ein wichtiger Baustein“

Die vorhandenen Wissenslücken möchte die Deutsche Herzstiftung mit der Stiftungsprofessur für Erwachsene mit angeborenem Herzfehler (EMAH) schließen. „Angesichts der Vielfalt der angeborenen Herzfehler mit ihren individuellen Verlaufs- und Behandlungsformen ist es meist nur Spezialisten möglich, diese Krankheitsbilder sicher zu beurteilen. Neue Erkenntnisse, die zur besseren Versorgung dieser  Patienten beitragen, sind daher enorm wichtig. Die neue EMAH-Stiftungsprofessur ist hierbei ein wichtiger Baustein“, so Prof. Thomas Meinertz, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung, in einer Pressemitteilung zum Sinn und Zweck  der Stiftungsprofessur.

Auf die Professur wurde Prof. Tanja Rädle-Hurst berufen, die seit 2006 am Universitätsklinikum des Saarlandes in der Klinik für Pädiatrische Kardiologie tätig und seit 2009 als EMAH-zertifizierte Kardiologin qualifiziert ist. Die  Stiftungsprofessur hat eine Laufzeit von fünf Jahren.

Rädle-Hurst sieht auf dem EMAH-Gebiet einen dringenden Forschungsbedarf. „Bei angeborenen Herzfehlern sind die Krankheitsmechanismen anders als bei erworbenen Herzerkrankungen. Es ist deshalb wichtig, das Spezialgebiet EMAH universitär zu etablieren und im wissenschaftlichen Sinne zu vertreten. Nur so kann sichergestellt werden, dass für diese besondere Patientengruppe mit ihren speziellen Problemen wissenschaftliche Forschung stattfindet, die die spezifischen Fragestellungen beantwortet und darauf zielt, die medizinische Versorgung von EMAH-Patienten kontinuierlich zu verbessern,“ so die Expertin.

Neue Biomarker sollen untersucht werden

Für EMAH-Patienten ist eine kontinuierliche fachärztliche Betreuung im Erwachsenenalter lebenswichtig,  weil es sonst im Langzeitverlauf zu schwerwiegenden Komplikationen wie Herzinsuffizienz, Lungenhochdruck, Herzinnenhautentzündung oder potenziell lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen kommen kann. Vor allem bei komplexen angeborenen Herzfehlern besteht ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung einer Herzinsuffizienz. Eine eingeschränkte kardiale Pumpleistung frühzeitig zu erkennen und zu behandeln, ist lebenswichtig für die Patienten.

Von wesentlicher Bedeutung sind dabei Biomarker. Da die bisher zur Erkennung und zum Monitoring von Herzinsuffizienz herangezogenen Biomarker bei Patienten mit angeborenem Herzfehler einige Nachteile aufweisen, sollen im Rahmen der Stiftungsprofessur neue Biomarker untersucht werden, die möglicherweise besser zur Therapiesteuerung und Prognoseeinschätzung geeignet sind. Zudem soll der Stellenwert von Micro-RNAs im Blut bei verschiedenen Herzfehlern und Patienten mit und ohne Herzinsuffizienz evaluiert werden.

Literatur

Das könnte Sie auch interessieren

29.01.2016 | Nachrichten | Onlineartikel

Angeborene Herzfehler: Immer mehr Säuglinge überleben

29.01.2015 | Nachrichten | Onlineartikel

Große Erfolge bei Kindern mit angeborenen Herzfehlern

Zurzeit meistgelesene Artikel

Highlights

17.10.2018 | Ischämische Herzerkrankungen/Koronare Herzkrankheit, KHK | Nachrichten

Publikation der VEST-Studie: positiv, negativ oder neutral mit Trend?

Welchen Nutzen bietet die tragbare Defibrillatorweste nach akutem Myokardinfarkt?

Die kürzlich publizierte VEST-Studie liefert abhängig von dem statistischen Analyseverfahren unterschiedliche Ergebnisse zur Reduktion plötzlicher Todesfälle durch Einsatz der tragbaren Defibrillatorweste bei Postinfarktpatienten. Die Gesamtmortalität zeigt sich dagegen unabhängig vom Analyseverfahren reduziert. Über die Auslegung der VEST Studie wird unter Experten diskutiert.

Quelle:

kardiologie.org

Autor:
Prof. Dr. med. Dierk Thomas

16.10.2018 | DGK-Jahrestagung 2018 | Highlights | Video

Innovationen in der Kardiologie – was können wir uns leisten?

Neue Therapien können sehr wirksam sein, kosten aber oft sehr viel Geld. Prof. Andreas Zeiher diskutiert, wie dieser Zwiespalt zu lösen ist.

Aus der Kardiothek

16.10.2018 | DGK-Jahrestagung 2018 | Highlights | Video

Innovationen in der Kardiologie – was können wir uns leisten?

Neue Therapien können sehr wirksam sein, kosten aber oft sehr viel Geld. Prof. Andreas Zeiher diskutiert, wie dieser Zwiespalt zu lösen ist.

15.10.2018 | DGK-Jahrestagung 2018 | Expertenvorträge | Video

Mindestmengen zur Qualitätskontrolle – Sinn oder Unsinn?

Prof. Hugo A. Katus diskutiert, ob Mindestmengen zur Sicherstellung der Behandlungsqualität sinnvoll sind.

13.10.2018 | DGK-Jahrestagung 2018 | Expertenvorträge | Video

Kritische Bewertung von Studien am Beispiel von TAVI

Die Transkatheter-Aortenklappen-Implantation (TAVI) boomt in Deutschland. Doch was ist wirklich belegt? Prof. Stefan Blankenberg wirft einen kritischen Blick auf die Studienlage. 

Spezielle Katheterablations-Strategie bei ausgeprägtem Narbengewebe

Vortrag Prof. Dr. Thomas Deneke - Jahrestagung DGK 2018

Die ventrikuläre Tachykardie eines 54-jährigen Patienten mit zurückliegendem Hinterwandinfarkt soll mit einer Katheterablation beseitigt werden. Prof. Thomas Deneke entscheidet sich für eine unkonventionelle Strategie und erläutert wie das CT  in solchen Fällen helfen kann. 

Komplizierte Mehrgefäß-KHK bei einem jungen Patienten

Vortrag Priv.-Doz. Dr. Hans-Jörg Hippe Jahrestagung DGK 2018

Mehrere komplexe Stenosen bei einem 46-jährigen Patienten erfordern ein strategisch sinnvolles Vorgehen. Wofür sich das Team um PD Dr. Hans-Jörg Hippe vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein Klinik entschieden hat, erfahren Sie in diesem Livecase. 

Interventioneller Verschluss eines Atriumseptumdefekts

Vortrag Prof. Dr. Horst Sievert Jahrestagung DGK 2018

Bei einem 56-jährigen Patienten wird zufällig ein Atriumseptumdefekt festgestellt.  Prof. Horst Sievert und sein Team vom St. Katharinen-Krankenhaus in Frankfurt entscheiden sich für einen interventionellen Verschluss. Sie finden dabei ein weiteres Loch. Was ist zu tun? Für welches Device sich das Team entscheidet und wie sie genau vorgehen, erfahren Sie in diesem Video. 

Bildnachweise