Nachrichten 14.12.2017

Herzstiftung fördert ihre erste Stiftungsprofessur für Erwachsene mit angeborenen Herzfehlern

Die Deutsche Herzstiftung hat ihre erste Stiftungsprofessur für Erwachsene mit angeborenem Herzfehler (EMAH) ausgelobt. Berufen wurde die Medizinerin Prof. Tanja Rädle-Hurst, die am Universitätsklinikum des Saarlandes arbeitet. 

Fortschritten in der Kinderkardiologie, Kardiologie, Anästhesiologie, Intensivmedizin und vor allem der Kinderherzchirurgie ist zu verdanken, dass im Vergleich zu früher heute deutlich mehr Kinder mit angeborenen Herzfehlern das Erwachsenenalter erreichen. Damit ist eine neue und immer größer werdende Gruppe von Patienten mit korrigierten, teilkorrigierten oder palliativ behandelten Herzfehlern entstanden, die mit spezifischen Problemen die Medizin vor bislang nicht gekannte Herausforderungen stellt.

Wachsende Gruppe, die spezifische Anforderungen stellt

In Deutschland leben derzeit schätzungsweise 280.000 Erwachsene mit angeborenem Herzfehler (EMAH). Ihre Zahl wächst jährlich mindestens um rund 6000. Entsprechend hoch ist der Bedarf an Kenntnissen zu den spezifischen Anforderungen, die EMAH-Patienten stellen. Trotz zunehmender Erfahrungen in der Diagnostik und Behandlung  besteht hier noch erheblicher Bedarf an wissenschaftlicher Evidenz. Noch immer  basiert ein Großteil der  Empfehlungen auf kleineren Studien, retrospektiven Untersuchungen, Registern und nicht zuletzt auf Expertenkonsensus.

„Ein wichtiger Baustein“

Die vorhandenen Wissenslücken möchte die Deutsche Herzstiftung mit der Stiftungsprofessur für Erwachsene mit angeborenem Herzfehler (EMAH) schließen. „Angesichts der Vielfalt der angeborenen Herzfehler mit ihren individuellen Verlaufs- und Behandlungsformen ist es meist nur Spezialisten möglich, diese Krankheitsbilder sicher zu beurteilen. Neue Erkenntnisse, die zur besseren Versorgung dieser  Patienten beitragen, sind daher enorm wichtig. Die neue EMAH-Stiftungsprofessur ist hierbei ein wichtiger Baustein“, so Prof. Thomas Meinertz, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung, in einer Pressemitteilung zum Sinn und Zweck  der Stiftungsprofessur.

Auf die Professur wurde Prof. Tanja Rädle-Hurst berufen, die seit 2006 am Universitätsklinikum des Saarlandes in der Klinik für Pädiatrische Kardiologie tätig und seit 2009 als EMAH-zertifizierte Kardiologin qualifiziert ist. Die  Stiftungsprofessur hat eine Laufzeit von fünf Jahren.

Rädle-Hurst sieht auf dem EMAH-Gebiet einen dringenden Forschungsbedarf. „Bei angeborenen Herzfehlern sind die Krankheitsmechanismen anders als bei erworbenen Herzerkrankungen. Es ist deshalb wichtig, das Spezialgebiet EMAH universitär zu etablieren und im wissenschaftlichen Sinne zu vertreten. Nur so kann sichergestellt werden, dass für diese besondere Patientengruppe mit ihren speziellen Problemen wissenschaftliche Forschung stattfindet, die die spezifischen Fragestellungen beantwortet und darauf zielt, die medizinische Versorgung von EMAH-Patienten kontinuierlich zu verbessern,“ so die Expertin.

Neue Biomarker sollen untersucht werden

Für EMAH-Patienten ist eine kontinuierliche fachärztliche Betreuung im Erwachsenenalter lebenswichtig,  weil es sonst im Langzeitverlauf zu schwerwiegenden Komplikationen wie Herzinsuffizienz, Lungenhochdruck, Herzinnenhautentzündung oder potenziell lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen kommen kann. Vor allem bei komplexen angeborenen Herzfehlern besteht ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung einer Herzinsuffizienz. Eine eingeschränkte kardiale Pumpleistung frühzeitig zu erkennen und zu behandeln, ist lebenswichtig für die Patienten.

Von wesentlicher Bedeutung sind dabei Biomarker. Da die bisher zur Erkennung und zum Monitoring von Herzinsuffizienz herangezogenen Biomarker bei Patienten mit angeborenem Herzfehler einige Nachteile aufweisen, sollen im Rahmen der Stiftungsprofessur neue Biomarker untersucht werden, die möglicherweise besser zur Therapiesteuerung und Prognoseeinschätzung geeignet sind. Zudem soll der Stellenwert von Micro-RNAs im Blut bei verschiedenen Herzfehlern und Patienten mit und ohne Herzinsuffizienz evaluiert werden.

Literatur

Presseinformation der Universität des Saarlandes und der Deutschen Herzstiftung vom 14. Dezember 2017

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