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21.02.2018 | Angiologie | Nachrichten

Weitere Indikation geprüft

Können Plättchenhemmer auch venöse Thromboembolien verhindern?

Autor:
Veronika Schlimpert

Zur Prophylaxe von venösen Thromboembolien (VTE) werden üblicherweise Antikoagulanzien eingesetzt. Aber auch Plättchenhemmer könnten hier wirksam sein, wie eine aktuelle Studie nahelegt.

Bisher galt das Dogma: Plättchenhemmer werden zur Verhinderung arterieller Thromben und Antikoagulanzien zur Prophylaxe venöser Thrombosen eingesetzt. Diese klassische Sichtweise rührt von der Vorstellung, dass die Thrombusbildung im arteriellen System durch eine Endothelschädigung im Gang gesetzt wird, die eine Aggregation von Thrombozyten und Bildung eines Fibrinnetzes nach sich zieht.  

Venöse Thromben bilden sich dagegen, wenn der Blutfluss derart ins Stocken gerät, dass es zur Aktivierung des Gerinnungssystems kommt. Unangefochtener Goldstandard in der Prophylaxe venöser Thromboembolien (VTE) sind daher Antikoagulanzien, die sich in dieser Indikation auch als am wirksamsten herausgestellt haben.  

Antikoagulanzien bleiben Therapie der Wahl

An dieser Vormachtstellung wird auch das Ergebnis der aktuellen Analyse von Dr. Ilaria Cavallari und Kollegen nichts ändern können. Deutlich wird daran aber, dass der Entstehungsmechanismus der Atherosklerose und die Pathogenese venöser Thromboembolien nicht so strikt voneinander zu trennen sind, wie man es angenommen hatte.

Hinweise für einen gemeinsamen Pathomechanismus lieferten bereits frühere Studien, in denen eine ASS-Monotherapie auch das Risiko von tiefen Beinvenenthrombosen und Lungenembolien zu reduzieren vermochte. Cavallari und Kollegen konnten nun belegen, dass die Hinzunahme eines weiteren Plättchenhemmers eine zusätzliche fast 30%ige Reduktion des VTE-Risikos zur Folge hat.  

Zusätzliche Risikoreduktion durch Vorapaxar und Ticagrelor

Analysiert wurden die Daten der randomisierten TRA2P-TIMI 50- und PEGASUS-TIMI 54-Studien, in denen die Wirksamkeit des PAR 1-Inhibitors Vorapaxar und die des P2Y12-Hemmers Ticagrelor bei Patienten mit symptomatischer Atherosklerose, also nach einem Herzinfarkt, ischämischen Schlaganfall oder einer peripheren arteriellen Gefäßerkrankung, evaluiert worden war.

Die jeweiligen Primäranalysen zielten darauf ab, zu beweisen, dass durch die Hinzunahme dieser Substanzen zur ASS- bzw. Clopidogrel-Therapie eine weitere Reduktion des kardiovaskulären Risikos erreicht werden kann.  

In der Analyse von Cavallari und Kollegen lag der Fokus nun auf dem Potenzial der Plättchenhemmer, venöse Thromboembolien zu verhindern. Der Nachweis gelang tatsächlich: Bei den Patienten, die zusätzlich mit Ticagrelor oder Vorapaxar behandelt worden sind, kam es in 0,64% der Fälle zu einer venösen Thromboembolie, mit der alleinigen antithrombotischen Hintergrundtherapie in 0,93% der Fälle (Hazard Ratio: 0,71). Mit der intensivierten Antiplättchentherapie ließ sich die jährliche VTE-Rate damit auf etwa 0,3% senken.

Das Risiko war umso höher, je fortgeschrittener sich die Atherosklerose zu Beginn manifestiert hatte. War nur ein Gefäßgebiet betroffen, lag die 3-Jahresrate bei 0,76%, bei zwei betroffenen Gefäßabschnitten bei 1,53% und bei dreien betrug diese 2,45%.

Antikoagulanzien bleiben Therapie der Wahl

Diese Daten legen eine Beziehung zwischen der Atherosklerose-Last und dem Risiko für venöse Thromboembolien nahe, schlussfolgern die Studienautoren.

Allerdings weisen sie ausdrücklich darauf hin, dass diese Ergebnisse nicht so interpretiert werden sollten, dass man ab sofort Plättchenhemmer statt Antikoagulanzien zur VTE-Prophylaxe einsetzen sollte. Man könne allenfalls darüber nachdenken, bei Patienten, die ein erhöhtes VTE-Risiko haben, aber keine Antikoagulation erhalten, die Antiplättchentherapie zu intensivieren bzw. eine duale Antiplättchentherapie nicht zugunsten einer Monotherapie abzusetzen.

Einen Einfluss auf die Praxis wird diese Analyse somit nicht haben, und für eine Studie, die den Nutzen einer Antiplättchentherapie in dieser Indikation prüft, wird sich wohl kaum ein Sponsor finden lassen. Somit bleibt den Autoren nichts anderes übrig, als einzige Konsequenz zu fordern, in künftigen Studien zur Wirksamkeit der Antiplättchentherapie in der Sekundärprävention die VTE-Ereignisrate mit aufzunehmen.

Literatur