Onlineartikel 13.06.2016

Antidiabetikum Liraglutid senkt Herztodrisiko

Mit Liraglutid hat erneut ein Antidiabetikum in einer großen klinischen Studie bei Hochrisiko-Patienten mit Typ-2-Diabetes den Nachweis erbracht, nicht allein den Blutzucker, sondern auch das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse signifikant zu reduzieren.

In der aktuell beim amerikanischen Diabetes-Kongress (ADA 2016) vorgestellten LEADER-Studie (Liraglutide Effect and Action in Diabetes: Evaluation of Cardiovascular Outcome Results - A Long Term Evaluation) konnte gezeigt werden, dass die Behandlung mit dem GLP-1-Analogon Liraglutid das relative Risiko für den primären Studienendpunkt signifikant um 13% verringerte.

Konkret bedeutet dies, dass im medianen Studienzeitraum von 3,8 Jahren die Inzidenzrate für die kombinierten Ereignisse kardiovaskulärer Tod, nicht-tödlicher Herzinfarkt und nicht-tödlicher Schlaganfall von 14,9% (Placebo) auf 13,0% reduziert wurde. Damit ist nicht nur die Nicht-Unterlegenheit (p< 0,001), sondern auch die Überlegenheit (p=0,01) von Liraglutid bewiesen worden.

Mortalitätssenkung machte den Unterschied

Als entscheidend für den Unterschied zugunsten von Liraglutid erwies sich die signifikante Abnahme der kardiovaskulären Mortalität, deren Rate von 6,0% (Placebo) auf 4,7% gesenkt wurde (relative Risikoreduktion: 22%, p=0,007). Diese Reduktion spiegelte sich auch in einer signifikanten Abnahme der Gesamtsterberate von 9,6% auf 8,2% wider (relative Risikoreduktion: 15%, p=0,02).

Auch bei den Endpunkten Myokardinfarkt und Schlaganfall ergaben sich konsistente Risikoreduktionen in der gleichen Größenordnung. So verringerte Liraglutid die Herzinfarkt- und Schlaganfallrate jeweils relativ um 14%. Allerdings erwiesen sich die Unterschiede bei diesen beiden Komponenten des primären Studienendpunktes als statistisch nicht signifikant. Dies gilt ebenso für die Rate der Klinikeinweisungen wegen Herzinsuffizienz, die in Relation zu Placebo um 13% niedriger war.

Von der Liraglutid-Therapie schienen insbesondere Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion (eGRF < 60 ml/min) und solche mit manifester kardiovaskulärer Erkrankung profitiert zu haben.

Teilnehmer mit hohem kardiovaskulärem Risiko

In die 2010 gestartete LEADER-Studie waren 9.340 Erwachsene mit Typ-2-Diabetes und erhöhtem kardiovaskulären Risiko aufgenommen worden, die additiv zur Standardtherapie entweder Liraglutid oder Placebo erhielten. Mehr als 80% aller Studienteilnehmer wiesen kardiovaskuläre Erkrankungen und/oder chronische Nierenerkrankungen als Komorbidität auf.

Ihr Ausgangs-HbA1c-Wert lag im Mittel bei 8,7%. Ziel der antidiabetischen Therapie, für die mit Ausnahme von GLP-1-Analoga und DPP-4-Hemmer praktisch alle herkömmlichen Antidiabetika genutzt werden konnte, war eine Senkung auf Werte möglichst unter 7%. Im Studienverlauf war die Blutzuckereinstellung bei einem um 0,4 Prozentpunkte niedrigeren HbA1c-Wert in der Liraglutid-Gruppe etwas besser als unter Placebo.

Auch Nephropathie günstig beeinflusst

Angesichts dieses relativ geringen Unterschieds beim Blutzucker überrascht der deutliche Unterschied zugunsten von Liraglutid speziell mit Blick auf die Nephropathie als mikrovaskulärem Endpunkt. Das Risiko für Nephropathie-Ereignisse (u.a. Makroalbuminurie, Verdopplung des Serumkreatinins, dauerhafte Nierenersatz-Therapie, renal bedingter Tod) wurde durch das GLP-1-Analogon signifikant um 22% verringert. Vor allem die Makroalbuminurie-Entwicklung wurde dabei deutlich gebremst. Ob dies auf direkte protektive Effekte von Liraglutid zurückzuführen ist, muss noch geklärt werden. Die Zahl neu registrierter Retinopathien war unter dieser Therapie numerisch höher, der Unterschied aber nicht signifikant.

Weniger Pankreatitiden

Die Zahl der Therapieabbrüche war in der Liraglutid-Gruppe höher als in der Placebo-Gruppe (9,5% vs. 7,3%), bedingt vor allem durch gastrointestinale Beschwerden. Ein gemischtes Bild ergab sich im Hinblick auf Pankreas-Erkrankungen: Während Pankreas-Karzinome unter Liraglutid häufiger beobachtet wurden, war die Zahl akuter oder chronischer Pankreatitiden niedriger als unter Placebo. Die Unterschiede waren jedoch für beide Erkrankungen nicht signifikant.

Der absolute Nutzen von Liraglutid lässt sich auf Basis der LEADER-Daten wie folgt beziffern: 66 Patienten müssen drei Jahre lang mit dem GLP-1-Analogon behandelt werden, um ein dem primären kombinierten Endpunkt zugeordnetes klinisches Ereignis zu verhindern. Bezogen auf die Verhinderung eines Todesfalls jeglicher Ursache bedarf es einer Behandlung von 98 Patienten.