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20.04.2016 | Nachrichten | Onlineartikel

Empagliflozin in der Forschung

Antidiabetikum nimmt Kurs auf Indikation Herzinsuffizienz

Autor:
Peter Overbeck

Die EMPA-REG OUTCOME- Studie hat das Antidiabetikum Empagliflozin auch für Kardiologen sehr interessant gemacht. Jetzt gibt es Pläne, die Wirkung des SGLT2-Hemmers gezielt bei Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz zu prüfen – unabhängig davon, ob ein Typ-2-Diabetes besteht oder nicht.

Über entsprechende Pläne haben die beiden Unternehmen Boehringer Ingelheim und Eli Lilly die Öffentlichkeit in einer aktuellen Pressemitteilung informiert. Demnach sollen innerhalb der nächsten zwölf Monate zwei Outcome-Studien auf den Weg gebracht werden, in denen das therapeutische Potenzial der SGLT2-Hemmers Empagliflozin speziell bei Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz ausgelotet werden soll.

Konkrete Angaben zur Ausgestaltung dieser klinischen Studien werden zu diesem frühen Zeitpunkt noch nicht gemacht. Allerdings ist zu erfahren, dass auch Patienten ohne Diabetes-Erkrankung eingeschlossen werden sollen.

Ermutigung durch EMPA-REG OUTCOME-Studie

Ermutigt sieht man sich zu dieser neuen Weichenstellung in der Empagliflozin-Forschung durch die Ergebnisse der EMPA-REG OUTCOME-Studie, an der mehr als 7.000 Patienten mit Typ-2-Diabetes und erhöhtem kardiovaskulärem Risiko beteiligt waren. Sie gilt wegen ihrer praktischen Tragweite als eine der wichtigsten klinischen Studien der Diabetes-Forschung aus jüngster Zeit. Denn erstmals konnte überzeugend belegt werden, dass ein antidiabetisch wirkendes Medikament bei Risikopatienten mit Typ-2-Diabetes die Inzidenz kardiovaskulärer Komplikationen einschließlich tödlicher Ereignisse signifikant verringert.

Primärer Endpunkt der Studie war eine Kombination der Ereignisse Herztod, Herzinfarkt und Schlaganfall. Die Inzidenzrate für diesen kombinierten Endpunkt wurde im medianem Zeitraum von 3,1 Jahren signifikant von 12,1 Prozent unter Placebo auf 10,5 Prozent unter Empagliflozin und damit relativ um 14 Prozent gesenkt.

Ausschlaggebend dafür war die Veränderung beim „härtesten“ der drei Einzelendpunkte: Die Rate für die kardiovaskuläre Mortalität wurde von 5,9 Prozent unter Placebo auf 3,7 Prozent unter Empagliflozin gesenkt (relative Risikoreduktion: 38 Prozent). Auf die Endpunkte Herzinfarkt oder Schlaganfall hatte die Behandlung keinen signifikanten Einfluss.

Aktuelle Daten zum Effekt auf Herzinsuffizienz

Detaillierte Informationen zum Effekt auf den Endpunkt Herzinsuffizienz lieferte jüngst Studienautor Dr. Silvio E Inzucchi aus New Haven beim Kongress der American Heart Association im November 2015 in Orlando. Das relative Risiko für eine Krankenhauseinweisung wegen Herzinsuffizienz war demnach im Empagliflozin-Arm relativ um 35 Prozent, dasjenige für Hospitalisierung oder Tod (jeweils infolge Herzinsuffizienz) um 39 Prozent niedriger als im Placebo-Arm.

Von der Risikoreduktion bezüglich Herzinsuffizienz profitierten die Patienten unabhängig davon, ob bei ihnen zu Studienbeginn eine Herzschwäche vorlag oder nicht. In der deutlich kleineren Subgruppe der Patienten mit schon initial bestehender Herzinsuffizienz (10 Prozent des Studienkollektivs) betrugen die Raten für Klinikeinweisung wegen Herzschwäche und kardiovaskulär bedingte Todesfälle 16,2 Prozent (Empagliflozin) und 20,1 Prozent (Placebo); die mit Empagliflozin assoziierte relative Risikoreduktion um 28 Prozent erwies sich – vermutlich bedingt durch die niedrige Fallzahl – als statistisch nicht signifikant.

In der viel größeren Subgruppe der Patienten ohne Herzinsuffizienz zu Studienbeginn waren die entsprechenden Ereignisraten mit 4,5 Prozent (Empagliflozin) und 7,1 Prozent (Placebo) erwartungsgemäß deutlich niedriger. In diesem Fall entspricht der Unterschied jedoch einer statistisch signifikanten Risikoreduktion um 37 Prozent durch Empagliflozin.

Literatur

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