Skip to main content
main-content

06.07.2015 | Nachrichten

Bindeglied Entzündung?

Aortenklappenstenose häufiger bei Psoriasis

Autor:
Philipp Grätzel

Patienten mit Psoriasis entwickeln deutlich häufiger eine Aortenstenose als vergleichbare Menschen ohne die Hauterkrankung, wie Daten eines flächendeckenden dänischen Registers belegen.

Kardiologen der Universität Kopenhagen haben die bekannt leistungsfähigen Krankheitsdatenbanken des Landes genutzt um zu ermitteln, wie hoch das Risiko einer Aortenstenose bei Patienten mit Psoriasis bzw. Psoriasisarthritis ist. Ausgewertet wurde die komplette dänische Bevölkerung in den Jahren 1997 bis 2011.

In diesem Zeitraum traten bei gut 5 Millionen Dänen insgesamt gut 49.000 Aortenstenosen neu auf. Basis für diese Zahl waren die flächendeckenden Krankenhausregister in Dänemark. Gleichzeitig wurden 58.747 Patienten mit milder und 11.918 Patienten mit schwerer Psoriasis neu diagnostiziert, was in erster Linie an der Verordnung topischer Vitamin-D-Präparate festgemacht wurde. Von schwerer Psoriasis wurde ausgegangen, wenn Patienten mit der Erstdiagnose Psoriasis oder Psoriasisarthritis in ein Krankenhaus eingewiesen bzw. in einer Fachambulanz vorstellig wurden.

Risiko doppelt so hoch wie in der Referenzbevölkerung

Nachdem alle Datensätze über Bevölkerungsregister miteinander verknüpft wurden, zeigte sich, dass die Inzidenzrate für eine Aortenstenose in der Referenzbevölkerung 8,09 pro 10.000 Personenjahre betrug. Bei milder Psoriasis waren es 16,07 und bei schwerer Psoriasis 20,8.

Ganz so groß blieben die Unterschiede nach Adjustierung für Alter, Geschlecht, Kalenderjahr, Komorbiditäten aller Art, Begleitmedikation und soziökonomischem Status zwar nicht mehr. Aber am Ende gab es immer noch einen statistisch signifikanten Zusammenhang mit einer 22%igen Risikoerhöhung (RR 1,22; 95% CI 1,12–1,33) für die Entwicklung einer Aortenstenose bei milder Psoriasis und einer 61%igen Risikoerhöhung (RR 1,61; 95% CI 1,32–1,96) bei schwerer Psoriasis.

Ansatzpunkte für kausale Verknüpfung

Für eine mögliche kausale Verknüpfung zwischen Psoriasis und Aortenstenose sehen die Autoren im Wesentlichen zwei Ansatzpunkte, nämlich die Atherosklerose und die generalisierte Entzündung. Die schwere Psoriasis und insbesondere die Psoriasisarthritis gelten schon länger als Risikofaktoren für einen früheren Beginn atherosklerotischer Erkrankungen.

Erst vor wenigen Wochen hatte die Europäische Rheumaliga (EULAR) ihre Empfehlungen zum kardiovaskulären Risikoscreening von der rheumatoiden Arthritis auf die Psoriasisarthritis ausgeweitet. Wenn die Aortenstenose als Manifestationsform der Atherosklerose betrachtet wird, wäre der Zusammenhang plausibel.

Aber auch unabhängig von der Entwicklung einer Atherosklerose sei eine Begünstigung von Aortenstenosen durch die generalisierte Th1- und Th17-Zell-vermittelte Entzündung, die für die Psoriasis typisch ist, denkbar. Ob spezifische immunologische Behandlungen bei Psoriasis die Häufigkeit kardiovaskulärer Erkrankungen inklusive Aortenstenose bei Psoriasis verringern, konnte bisher noch nicht gezeigt werden.

Literatur