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30.01.2015 | Nachrichten | Onlineartikel

Änderung in der EU

Bisphenol A: Verschärfter Grenzwert freut auch den Kreislauf

Autor:
Philipp Grätzel

Die EU hat den Grenzwert für das als Umwelthormon viel diskutierte Bisphenol A drastisch gesenkt. Grund sind auch mögliche Schäden am Herz-Kreislauf-System.

Bisphenol A ist ein sehr weit verbreitetes Diphenylmethan-Derivat mit schwach östrogener Wirkung. Es wird eingesetzt zur Herstellung diverser polymerer Kunststoffe. Auch in Weichmacher und PVC-Produkten ist es enthalten.

In den menschlichen Körper gelangt es unter anderem über Produkte aus Kunststoffverpackungen inklusive Getränkeflaschen und Getränkedosen. Auch viele alte Wasserrohre gelten als Bisphenol A-Schleudern.

Tolerierbare Aufnahmemenge drastisch reduziert

Die gesundheitliche Relevanz „üblicher“ Dosierungen von Bisphenol A ist umstritten. Trotzdem hat die EU-Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA jetzt den Grenzwert, die so genannte tolerierbare tägliche Aufnahmemenge (TDI), von bisher 50 µg auf nun nur noch 4 µg pro Kilogramm Körpergewicht und Tag heruntergesetzt. Bindend ist das nicht: Für die Festsetzung von Grenzwerten in Verpackung sind die Gesetzgeber zuständig.

Die Behörde betont, dass die höchsten Schätzungen für die von Lebensmitteln und anderen Quellen (Thermopapier, Kosmetika, Staub) ausgehende Exposition um das 3- bis 5-fache unter dem neuen TDI-Wert liegen. Entsprechend betitelt sie ihre Pressemeldung trotz der Absenkung des Grenzwerts auf weniger als ein Zehntel des bisherigen Werts mit „Kein Gesundheitsrisiko durch Bisphenol A-Exposition“. Anderswo sieht man das anders: In Frankreich ist Bisphenol A in Lebensmittelverpackungen seit Anfang des Jahres verboten.

Triebkraft auch für Blutdruckerhöhung

Die EFSA-Empfehlung beruht auf der Auswertung von 450 Studien, unter anderem zu möglichen Schäden an Leber, Niere und Herz-Kreislaufsystem. Erst vor wenigen Wochen hat eine in der Fachzeitschrift „Hypertension“ publizierte, randomisierte Crossover-Studie zu dieser Thematik für Aufmerksamkeit gesorgt (kardiologie.org berichtete).
An der Studie hatten 60 Erwachsene teilgenommen, die jeweils dreimal ins Studienzentrum kamen und identische Getränke (Sojamilch) zu sich nahmen, einmal aus zwei Glasflaschen, einmal aus zwei Getränkedosen und einmal aus einer Glasflasche und einer Getränkedose. Gemessen wurden jeweils Urinkonzentrationen von Bisphenol A sowie Blutdruck und Herzfrequenzvariabilität. 

Erwartungsgemäß waren die Urinkonzentrationen von Bisphenol A im Vergleich „nur Glasflaschen“ mit „nur Getränkedosen“ etwa 16 Mal höher. Dies ging einher mit einem signifikant um 4,5 mmHg höheren Blutdruck. Bei der Herzfrequenzvariabilität gab es keine Unterschiede.

Literatur