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16.03.2016 | Nachrichten | Onlineartikel

Verdacht erhärtet sich

Blutgruppe beeinflusst Thromboserisiko

Autor:
Veronika Schlimpert

Bestimmte Blutgruppenträger sind offenbar besonders gefährdet für Thromboembolien. Dieser Verdacht erhärtet sich nun in der bisher größten Studie zu diesem Zusammenhang.

Bereits die Ergebnisse früherer Studie lassen vermuten, dass Träger der Blutgruppen A, B oder AB – also etwa 60 bis 70% der Gesamtbevölkerung – stärker gefährdet sind, venöse oder kardiale Thromboembolien zu erleiden, als 0-Blutgruppenträger. Über die Ausprägung dieser vermuteten Assoziation war bisher allerdings wenig bekannt. 

Wissenschaftler um Senthil K Vasan vom Karolinska-Institut in Stockholm haben deshalb einen riesigen Datensatz mit über einer Million gesunder Blutspender aus Schweden und Dänemark aus der SCANDAT2-Datenbank ausgewertet und mit entsprechenden Daten von Patientenregistern in Beziehung gesetzt. In einem mittleren Follow-up von 12,5 Jahre ließen sich 9.170 venöse Thromboembolien (VTE) und 24.653 kardiovaskuläre Ereignisse ausfindig machen. 

AB-Träger besonders gefährdet

Für Blutspender mit Blutgruppe A, B oder AB war das relative Risiko für tiefe Venenthrombosen und Lungenembolien um fast das Doppelte erhöht im Vergleich zu 0-Blutgruppenträger (Inzidenzrate-Ratio, IRR: 1,92 und 1,80). Eine etwas geringere relative Risikoerhöhung ergab sich für rezidivierende und provozierte Thrombosen. Am eindeutigsten zeigte sich der Zusammenhang bei schwangerschaftsassoziierten VTE, mit einer IRR von 2,22.

Ein besonders hohes Thromboserisiko im Vergleich zu 0-Blutgruppenträger wiesen Personen mit Blutgruppe AB auf.
Ebenfalls signifikant, aber geringer ausgeprägt war das relative Risiko für Nicht-0-Blutgruppenträger, ein kardiales Ereignis wie Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden (IRR: 1,10 und 1,07).
Das relative Risiko sei zwar vergleichsweise moderat, schreiben die Studienautoren. Übertrage man die Unterschiede der Inzidenzraten aber auf die Gesamtpopulation, könne man etwa 30 bis 40 Prozent der venösen thromboembolischen Ereignisse auf eine Nicht-0-Blutgruppe zurückführen. 

Unabhängiger Risikofaktor

Da sie in ihrer Analyse auf Komorbiditäten wie Diabetes, Operationen am Bein oder Knie usw. adjustiert haben, vermuten die Wissenschaftler, dass das AB0-Blutgruppensystem einen unabhängigen Risikofaktor für VTE und andere vaskuläre Ereignisse darstelle.

Nach Ansicht von Vasan und Kollegen könnte es deshalb sinnvoll sein, die Blutgruppe in Thromboserisiko-Assessments bzw. in Prognose-Scores zu berücksichtigen. Immerhin sei die Blutgruppenbestimmung relativ einfach und werde vermutlich nicht von einer Akut-Phase-Reaktion beeinflusst, argumentieren sie. Für eine solche klinische Anwendung bedarf es aber zunächst weiterer Untersuchungen, die diesen potenziellen Risikofaktor mit anderen Faktoren vergleichen. 

Literatur

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