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17.03.2015 | Nachrichten | Onlineartikel

ACC-Kongress 2015

Bypass-OP: „Fernkonditionierung“ ohne protektive Wirkung

Autor:
Peter Overbeck

Die Hoffnung, durch sogenannte „ischämische Fernkonditionierung“ die Prognose von Patienten mit koronarer Bypass-Operation verbessern zu können, ist in der bislang größten Studie zur Wirksamkeit dieses neuen Therapiekonzepts enttäuscht worden.

Wiederholte kurze Myokardischämien, gefolgt von Reperfusion, scheinen eine gewisse kardioprotektive Wirkung zu haben. Dieses Phänomen wird auch als „ischämische (Prä)Konditionierung“ des Herzens bezeichnet.

Inzwischen weiß man, dass sich kardioprotektive Effekte auch dann einstellen, wenn sich die Minderperfusion nicht im Herzmuskel selbst, sondern in herzfernen Organen oder Körperregionen abgespielt hat. Experten sprechen von „herzferner ischämischer Konditionierung“ (remote ischemic conditioning, RIC) oder „ischämischer Fernkonditionierung“.

Erfolge bei Myokardinfarkt

Dänische Forscher haben das Konzept der „ischämischen Fernkonditionierung“ in einer 2010 im Fachblatt „The Lancet“ publizierten randomisierten kontrollierten Studie bei 333 Patienten mit Verdacht auf akuten Myokardinfarkt getestet. Bereits vor einer perkutanen Koronarintervention wurde bei der Hälfte der Teilnehmer die „Konditionierung“ vorgenommen: In vier Zyklen drosselten die Ärzte je fünf Minuten lang mit einer aufblasbaren Manschette die Blutzufuhr am Arm, gefolgt jeweils von fünfminütiger Reperfusion.

Ergebnis: Bei Patienten mit „ischämischer Fernkonditionierung“ war nach 30 Tagen signifikant weniger Herzgewebe abgestorben als bei Kontrollpatienten.

In einer angeschlossenen Folgestudie konnte die Gruppe auch beobachten, dass diese Maßnahme auch mit einer Reduktion von schwerwiegenden kardialen und zerebrovaskulären Ereignissen assoziiert war (relative Risikoreduktion: 51 Prozent).

Kardioprotektion bei Bypass-Operation?

Eine Forschergruppe am Universitätsklinikum Essen um Professor Gerd Heusch hat in einer Studie (Lancet 2013;382:597). untersucht, ob das Konzept der herzfernen Konditionierung auch bei koronaren Bypass-Operationen von kardioprotektivem Nutzen ist. In die Studie waren 329 für eine elektive Bypass-Operation vorgesehene KHK-Patienten mit koronarer Mehrgefäßerkrankung aufgenommen worden.

Die Bilanz der klinischen Ereignisse nach rund 1,5 Jahren ergab auch in dieser Studie eine signifikant niedrigere Mortalität nach Fernkonditionierung (3 versus 11 Todesfälle, p=0,046). Die Gesamtzahl aller schwerwiegenden kardialen und zerebrovaskulären Ereignisse (Herzinfarkt, Schlaganfall) war ebenfalls niedriger als in der Kontrollgruppe (8 versus 23 Ereignisse, p=0,005).

Gleichwohl kann die „Fernkonditionierung“ auf Basis dieser Single-Center-Studien noch nicht als Routinemaßnahme in der täglichen Praxis empfohlen werden. Zuvor bedarf es einer Bestätigung ihrer positiven Ergebnisse durch größere Multicenter-Studien.

ERICCA soll Wirkungsnachweis erbringen

ERICCA (Effect of Remote Ischemic Preconditioning on Clinical Outcomes in Coronary Artery Bypass Grafting Surgery) ist eine solche Studie. Ihre enttäuschenden Ergebnisse, die Professor Derek Hausenloy aus London beim ACC-Kongress in San Diego vorgestellt hat, belegen einmal mehr, dass gegenüber beeindruckenden Ergebnissen kleiner Studien Misstrauen angebracht ist.

Für die Studie sind in Großbritannien an 29 Zentren 1.612 Patienten rekrutiert, bei denen ein koronare Bypass-Operation (on-pump) mit Blutkardioplegie geplant war. Auch in dieser Studie wurde bei der Hälfte der Teilnehmer präoperativ in vier Zyklen jeweils fünf Minuten lang die Blutzufuhr am Arm gedrosselt, gefolgt von fünfminütiger Reperfusion. Bei den Patienten der Kontrollgruppe wurde diese Maßnahme nur simuliert.

Kein Unterschied bei den Ereignisraten

Ziel war der Nachweis, dass diese „Fernkonditionierung“ die Inzidenz klinischer Ereignisse (Tod, Myokardinfarkt, Schlaganfall, koronare Revaskularisation) im ersten Jahr nach der Operation substanziell verringert. Dieser Versuch schlug fehl: Mit 26,6 Prozent (Fernkonditionierung) und 27,7 Prozent (Kontrollen) waren die entsprechenden Ereignisraten am Ende nicht signifikant unterschiedlich.

Zwar gab es Anzeichen dafür, dass die geprüfte Behandlung die Gewebeschädigung im Myokard verringert hatte, jedoch spiegelte sich diese protektive Wirkung im Gewebe auf klinischer Ebene nicht wider.

Literatur

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