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04.04.2014 | Nachrichten | Onlineartikel

Kardioprotektiver Mitose-Hemmstoff

Colchicin halbiert Rückfallrisiko bei rezidivierender Pericarditis

Autor:
Dr. Dirk Einecke

Der bei Gicht bewährte Mitose-Hemmstoff Colchicin kann bei rezidivierender Pericarditis das Rückfallrisiko halbieren, wenn er zusätzlich zur Standardtherapie mit nicht-steroidalen Antirheumatika eingenommen wird.


Bereits in früheren kontrollierten Studien zeigte Colchicin eine gute Wirksamkeit in der Behandlung der akuten Perikarditis sowie in der Behandlung eines ersten Rezidivs. In einer 2011 in Annals of Internal Medicine publizierten Doppelblindstudie hatte die italienische Arbeitsgruppe um Dr. Massimo Imazio vom Ospedale Maria Vittoria in Turin 120 Patienten mit einem ersten Perikarditis-Rezidiv mit niedrigdosiertem Colchicin (gewichtsabhängig 0,5–1 mg/d) zusätzlich zur NSAR sechs Monate lang behandelt. Dadurch konnte die Rezidivrate nach 18 Monaten im Vergleich zu einer alleinigen NSAR-Therapie von 55 auf 24 Prozent reduziert werden.

Auch akut war Colchicin gut wirksam: Nach drei Tagen waren 77 Prozent der Patienten beschwerdefrei, aber nur 47 Prozent der Patienten unter alleiniger NSAR-Therapie.

Doppelblindstudie mit 240 Patienten

Nun hat die gleiche Autorengruppe erneut eine Doppelblindstudie mit Colchicin publiziert. Dieses Mal wurden 240 Patienten entweder mit NSAR (ASS, Indometacin oder Ibuprofen) allein oder mit NSAR plus Colchicin (1- bis 2-mal 0,5 mg/d je nach Gewicht, unter oder über 70 kg) sechs Monate lang behandelt. Es handelte sich um Patienten, die schon zwei oder mehr Rezidive erlitten hatten.

Nach 18 Monaten zeigte sich: 26 Patienten der Colchicin-Gruppe (21,6 Prozent) sowie 51 Patienten der Kontrollgruppe (42,5 Prozent) hatten erneute Rezidive. Dies entspricht einer Halbierung des Risikos, die NNT beträgt 5. 1,7 versus 10 Prozent der Patienten wurden wegen Pericarditis erneut hospitalisiert.

Akute Wirksamkeit plus Rezidivprophylaxe

Abermals wirkte Colchicin auch akut: Nach 72-stündiger Behandlung persistierte die Symptomatik bei 19 Prozent (Colchicin) versus 44 Prozent (Kontrollen) der Patienten, nach einer Woche waren 83 versus 59 Prozent in Remission.

Nebenwirkungen, vor allem gastrointestinale bei 7,5 Prozent der Patienten, waren in beiden Gruppen gleich häufig.

Studienautor Imazio resümierte, dass Colchicin als Mittel der Wahl bei akuter und rezidivierender Pericarditis angesehen werden sollte, wenn keine Kontraindikationen vorliegen. Tatsächlich empfehlen die ESC-Leitlinien Colchicin bereits bei rezidivierender Pericarditis. In jüngster Zeit hatte das Mitosegift auch in anderen kardiovaskulären Indiktionen Wirksamkeit gezeigt, etwa in der Prophylaxe von Vorhofflimmern nach Herzchirurgie oder in der Behandlung der stabilen KHK.

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