Onlineartikel 31.12.2015

COPD: Höheres Risiko für den plötzlichen Herztod

US-Kardiologen identifizieren in einer epidemiologischen Kohorte die COPD als einen unabhängigen Risikofaktor für den plötzlichen Herztod. Betablocker könnten das Risiko mindern.

Die wichtigste Todesursache bei Patienten mit COPD sind kardiovaskuläre Ereignisse. Nicht völlig geklärt ist bisher allerdings, ob das ausschließlich auf eine erhöhte Inzidenz der koronaren Herzerkrankung unter COPD-Patienten zurückgeht oder ob möglicherweise KHK-unabhängig auch das Risiko von lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen erhöht ist.

Dass Letzteres der Fall sein könnte, dafür spricht eine epidemiologische Studie aus dem Kontext der Oregon Sudden Unexpected Death Study, die jetzt in der Zeitschrift „JACC: Electrophysiology“ veröffentlicht wurde. Die Oregon-Kohorte umfasst eine Bevölkerung von rund einer Million Menschen.

Für die Analyse wurden 728 Studienteilnehmer, die im Studienzeitraum einen plötzlichen Herztod erlitten hatten, 548 Kontrollprobanden mit koronarer Herzerkrankung (KHK) zugeordnet, die jeweils in derselben geographischen Region leben mussten. Ein weiteres Matching zwischen Indexpatienten und Kontrollprobanden erfolgte nicht.

Risikofaktor jenseits der KHK

Diese Zuordnung erlaubt es, Risikofaktoren zu identifizieren, die über die bei plötzlichem Herztod in aller Regel vorliegende KHK hinausgehen. In der aktuellen Publikation war dies die COPD: 30,8% der Patienten mit plötzlichem Herztod, aber nur 12,8% der KHK-Patienten ohne plötzlichen Herztod hatten eine COPD (p<0,0001).

Für Asthma bronchiale fand sich kein derartiger Unterschied. Patienten mit plötzlichem Herztod nahmen auch signifikant häufiger kurzwirksame, inhalative Betamimetika (22,3% vs. 12,6%; p<0,0001) und geringfügig seltener Betablocker ein (60,6% vs. 66,4%; p=0,03).

In der unter anderem für Medikation, Alter, Diabetes mellitus und Zigarettenkonsum adjustierten, multivariaten Analyse blieb das Risiko für einen plötzlichen Herztod bei Vorliegen einer (KHK mit) COPD mehr als doppelt so hoch wie bei Probanden mit KHK, aber ohne COPD. Nach detaillierterer Auswertung der Medikation zeigte sich, dass kurzwirksame Betaagonisten nur bei jenen COPD-Patienten, die keine Betablocker einnahmen, das Risiko für einen plötzlichen Herztod erhöhten.

Rechtsventrikuläres Remodelling als Mechanismus?

Die Autoren folgern aus ihren Ergebnissen, dass es einen von der KHK unabhängigen Zusammenhang zwischen COPD und plötzlichem Herztod geben müsse, der möglicherweise durch Betablockertherapie abgemildert werden kann. Als Mechanismus komme unter anderem ein durch die COPD induziertes, rechtsventrikuläres Remodelling in Frage. Auch die COPD begleitende Entzündungsprozesse könnten eine Rolle spielen.

Vor dem Hintergrund dieser Daten wird in einem begleitenden Editorial diskutiert, ob es Sinn machen könnte, die COPD bei der Risikostratifizierung für den plötzlichen Herztod zu berücksichtigen, um die Indikationsstellung für einen ICD zu optimieren.

Die Kommentatoren weisen auch darauf hin, dass die Daten Fragen hinsichtlich der kardialen Sicherheit kurzwirksamer Betamimetika aufwerfen. Laufende randomisierte Studien werden hier neuen Diskussionsstoff liefern. Möglicherweise ist der Betablocker gerade KHK-Patienten mit COPD besonders wichtig.