Nachrichten 12.01.2022

Hinweise auf subklinische Organschäden nach COVID-Infektion

Long Covid und kein Ende? Im Rahmen der Hamburg City Health Studie finden Wissenschaftler Hinweise für mögliche Organschäden auch nach milder Infektion. Die Relevanz ist unklar.

Die Hamburg City Health Study (HCHS) ist eine seit 2016 laufende, große, epidemiologische Kohortenstudie, an der 45.000 Hamburgerinnen und Hamburger zwischen 45 und 74 Jahren teilnehmen werden. Es geht in erster Linie um Risikofaktoren für häufige Erkrankungen wie Myokardinfarkt, Vorhofflimmern, Schlaganfall, Demenz oder Herzinsuffizienz. Nach Beginn der Pandemie wurde als ein Seitenprojekt der Studie ein COVID-Programm initiiert, über dessen erste Ergebnisse das Team um Prof. Dr. Raphael Twerenbold jetzt im European Heart Journal berichtet hat.

Insgesamt wurden 443 Menschen mit überwiegend ambulant behandelter COVID-19-Erkrankung im Median 9,6 Monate nach dem ersten positiven SARS-CoV-2-Test untersucht. Identifiziert wurden die Betreffenden, die zwischen 45 und 74 Jahre alt sein mussten, über das Klinikinformationssystem des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf, außerdem über einen öffentlichen Aufruf. 58% der Patienten hatten eine milde COVID-Erkrankung, 31% eine moderate und 7% eine schwere mit Krankenhauseinweisung ohne Intensivbehandlung. 3% waren symptomfrei.

Dezente Funktionsdefizite in diversen Organen

Die Personen wurden nach Alter Geschlecht und Ausbildungsstand im Verhältnis eins zu drei mit 1.328 Kontrollprobanden aus dem HCHS Kollektiv gematcht. Untersucht wurden Lungen- und Herzfunktion, Gefäßstatus sowie Nieren- und neurologischer Status. 

Insgesamt fanden sich bei diversen Organen Hinweise auf dezente Funktionsdefizite im Vergleich zu den gematchten Kontrollprobanden. In der Bodyplethysmografie war das Lungenvolumen nach SARS-CoV-2-Infektion geringer und der Atemwegswiderstand höher. Am Herzen fand sich in der transthorakalen Echokardiografie leichte, statistisch signifikante Unterschiede in der LVEF und der rechtsventrikulären Funktion, was sich allerdings beides in der Kardio-MRT-Untersuchung nicht reproduzierte. Es gab außerdem signifikante Unterschiede beim hoch sensitiven Troponin I (2,07 vs. 1,90 ng/l, p=0,01) und beim NT-proBNP (87,8 vs. 62,8 ng/l, p<0,001).

Tiefe Venenthrombosen deutlich häufiger

Klar häufiger waren sonografisch detektierte tiefe Venenthrombosen mit einer Häufigkeit von 43 % vs. 22 %, was einer OR von 2,68 (95% CI 1,77-4,05, p<0,001) entsprach. Das spricht für Schäden im Gefäß- und/oder Gerinnungssystem. Die glomeruläre Filtrationsrate war bei den COVID-Patienten ebenfalls etwas geringer. 

All das spiegelte sich im Wesentlichen nicht in klinischen Unterschieden zwischen COVID-Patienten und Kontrollprobanden wider. Die Organbefunde waren subklinisch, und ihre klinische Langzeitrelevanz ist entsprechend unklar. Unterschiede zwischen milden und moderaten COVID-Verläufen gab es kaum.

Literatur

Petersen EL et al. Multi-organ assessment in mainly non-hospitalized individuals after SARS-CoV-2 infection: The Hamburg City Health Study COVID programme. Eur Heart J 2021; DOI: 10.1093/eurheartj/ehab914

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