Nachrichten 30.03.2020

Ungewöhnliche COVID-19-Komplikation kostete einer Patientin fast das Leben

Der hämodynamische Zustand einer 47-jährigen COVID-19-Patientin verschlechtert sich rapide. Die behandelten Kardiologen stellen eine bis dato noch nie zuvor berichtete lebensbedrohliche Komplikation der SARS-CoV-2-Infektion fest.

Bei älteren Menschen mit SARS-CoV-2-Infektion bereiten neben der Lungenproblematik häufiger vorbestehende, ischämische Kardiomyopathien Probleme, wahrscheinlich als Folge der pneumoniebedingten Hypoxie.

Bei den selteneren, schweren COVID-19-Verläufen jüngerer Erwachsener treten dagegen teilweise Myokarditiden auf, die möglicherweise durch immunologische Reaktionen des Körpers gegen SARS-CoV-2 mitbedingt sind. Auch das Perikard kann entzündlich verändert sein.

47-jährige Patientin mit Luftnot, Brustschmerz und trockenem Husten

Dass eine derartige COVID-19-Perimyokarditis hoch akut verlaufen kann, zeigt nun eine Kasuistik, über die Kardiologen vom King’s College Hospital in London im „European Heart Journal“ berichten.

Die Patientin stellt sich mit Luftnot, Brustschmerzen, trockenem Husten sowie anamnestisch Fieber in der Notaufnahme vor.

Die 47-jährige Frau afrokaribischer Abstammung hatte bereits drei Jahre zuvor im Zusammenhang mit einer Infektion an einer Perimyokarditis gelitten. Eine koronare Herzerkrankung war damals angiografisch ausgeschlossen worden. 

Rapide Verschlechterung des Zustandes

Bei Aufnahme ist die Patientin fieberfrei mit deutlich positivem Schockindex. Das 12-Kanal-EKG zeigt eine Sinustachykardie und inferolaterale ST-Hebungen. Das Troponin T ist mit 225 ng/l bzw. bei Zweitbestimmung mit 253 ng/l erhöht, die echokardiografisch ermittelte Pumpfunktion war normal und es lag ein leichter Perikarderguss vor.

Im nasopharyngealen Abstrich fand sich SARS-CoV-2 in höherer Konzentration, darüber hinaus keine anderen pathogenen Viren.

So wurde die Patientin gerettet

Die behandelten Ärzte geben der Patientin zunächst Flüssigkeit. Ihr Zustand verschlechtert sich allerdings, sodass sie rasch auf die Intensivstation verlegt werden muss, wo eine Katecholamintherapie erfolgt. Die Verlaufsechokardiografie zeigt, dass sich aus dem Perikarderguss eine Perikardtamponade entwickelt hat, mit einer Tiefe von bis zu zwei Zentimetern.

Bei sich weiter rapide verschlechternder Hämodynamik erfolgt eine Perikardpunktion unter echokardiografischer Kontrolle auf der Intensivstation. Dies hat einen unmittelbar positiven Effekt auf die klinische Gesamtsituation der Patientin. Insgesamt 540 ml blutig-eröse Flüssigkeit werden aspiriert. Im Punktat selbst findet sich kein SARS-CoV-2.

Die Autoren empfehlen, Perikardtamponaden bei Patienten mit sich akut verschlechternder COVID-19-Erkrankung differenzialdiagnostisch zu berücksichtigen.

Literatur

Hua A et al. Life-threatening cardiac tamponade complicating myo-pericarditis in COVID-19. Eur Heart J. 30. März 2020. doi: 10.1093/eurheartj/ehaa253

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