Nachrichten 15.10.2019

Interventionelle Therapie von Vorhofflimmern - Status quo und Ausblick

Mittlerweile werden in Deutschland jährlich etwa 100.000 Herzrhythmusablationen durchgeführt. Doch nicht alle der ca. 340 Ablationszentren erfüllen derzeit die Qualitätskriterien für eine Zertifizierung. Zudem stehen neue Devices vor der Markteinführung.

Im Vergleich zum Vorjahr ist hierzulande die Zahl der Ablationen 2018 um 10% angestiegen und der Trend geht weiter in diese Richtung. Von den insgesamt fast 100.000 Eingriffen pro Jahr, entfallen mehr als die Hälfte auf Patienten mit Vorhofflimmern (VHF). Auch die Zentren, an denen diese Eingriffe durchgeführt werden, sind auf etwa 340 angewachsen.

Weil vorliegende Daten zeigen, dass mit zunehmenden Fallzahlen die Komplikationsraten sinken, setzen die Qualitätskriterien der DGK für die Zertifizierung einer entsprechenden Einrichtung ganz klar das Minimum von 75 Ablationen in jeweils zwei aufeinanderfolgenden Jahren voraus. „Wir von der Fachgesellschaft halten dieses Kriterium für zentral, um eine gute Versorgungsqualität sicherzustellen“, erklärte Prof. Philipp Sommer von der Universitätsklinik der Ruhr-Universität Bochum, Herz- und Diabeteszentrum NRW Bad Oeynhausen, der derzeit auch stellvertretender Sprecher der DGK-Arbeitsgruppe Rhythmologie (AG 1) ist.

Innovationen könnten Ablation vereinfachen und beschleunigen

Was die technologische Weiterentwicklung auf dem Gebiet der Ablationsdevices und -verfahren betrifft, werden in den nächsten Monaten einige Neueinführungen erwartet: Dazu gehört die „High Power-Short Duration“ (HPSD)-Methode, die mit zwei Komponenten des Energietransfers arbeitet und dadurch breitere Läsionen setzen kann. Außerdem scheint die Elektroporation wieder in Mode zu kommen, ein bereits seit 20 Jahren bekanntes Verfahren, bei dem die Zellmembran mit einem kurzen Stromstoß perforiert wird.

Bei der Pulsfeldablation (PFA) sorgen dagegen zahlreiche kurze Radiofrequenzimpulse für die Verödung. Des Weiteren befinden sich einige Single-Tip- und Ballondevices im Zulassungsverfahren. Insgesamt versprechen die Innovationen alle eine einfachere Handhabung und eine Beschleunigung des Ablationsprozesses, sowie eine größere anwenderunabhängige Reproduzierbarkeit des Eingriffs. Als Einschränkung bleibt zu ergänzen, dass bisher nur wenige Erfahrungen mit den Neuerungen bei einer kleinen Patientenzahl vorliegen und das Verbesserungspotenzial sich erst beurteilen lassen wird, wenn die ersten 1.000 bis 2.000 Patienten damit behandelt worden sind, ergänzte Sommer.

Literatur

Pressekonferenz Herzrhythmusstörungen bei den DGK Herztagen in Berlin am 11.10.2019; Vortrag von Prof. Dr. Philipp Sommer: „Minimalinvasive Behandlung von Herzrhythmusstörungen: Neue Techniken und Stand der Entwicklung in Deutschland“.

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