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10.04.2018 | DGK-Jahrestagung 2018 | Nachrichten

Vorhofflimmern-Therapie in Deutschland

Komplikationen bei Katheterablation deutlich zurückgegangen

Autor:
Veronika Schlimpert

Die Katheterablation von Vorhofflimmern ist in Deutschland wohl mittlerweile ein ziemlich sicherer Eingriff. Jedenfalls war die Komplikationsrate in einer Registerstudie auffallend niedrig. Was sind die Gründe? Allein an der besseren Arbeit der Kardiologen wird es wohl nicht gelegen haben.

In Deutschland ist bei einer Katheterablation von Vorhofflimmern offenbar mit nur wenigen Komplikationen zu rechnen. In einer Registerstudie lag die Komplikationsrate bei gerademal 2,4% bei insgesamt 21.141 Eingriffen, die zwischen 2010 und 2017 an den teilnehmenden Kliniken vorgenommen wurden. Am häufigsten waren mit 1% Gefäßkomplikationen, die ein Eingreifen erforderten, gefolgt von Schlaganfällen oder TIA (0,5%) und Perikardergüssen, die eine Perikardpunktion nötig machten (0,9%). In 0,05% der Fälle kam es zu einem Todesfall.

Nicht überraschend war das Risiko höher bei älteren Menschen und Patienten mit Komorbiditäten wie Herz- oder Niereninsuffizienz. Frauen waren häufiger betroffen als Männer. Die Ergebnisse des als SAFER (HelioS Atrial Fibrillation ablation rEgistRy) benannten Registers wurden von Dr. Laura Ueberham von der Universität Leipzig auf der DGK-Jahrestagung vorgestellt. 

Rückgang wohl zu deutlich um wahr zu sein

„Damit liegt die Gesamtkomplikationsrate deutlich niedriger als in der Literatur beschrieben“, kommentierte Prof. Bernd Lemke vom Klinikum Lüdenscheid die Ergebnisse. 

Der Rückgang ist wohl etwas zu deutlich, um wahr zu sein: So liegt die Komplikationsrate um 62% niedriger als in einer 2013 publizierten Analyse aus den USA von Deshmukh et al.. Der Rückgang bei den einzelnen Komplikationen ist nicht ganz so beachtlich, aber trotz allem deutlich: 33% weniger vaskuläre Komplikationen, 51% weniger Schlaganfälle/TIA und 31% weniger Perikardergüsse. Die Mortalität war um 88% zurückgegangen.

Gefahr eines „Underreporting“

Lemke stellt allerdings kritisch zur Diskussion, ob dieser Rückgang wirklich allein durch eine bessere Performance der Operateure zu erklären ist. Teilgenommen an dem SAFER-Register haben nur Kliniken, die der HELIOS-Gruppe angehören, insgesamt 29 an der Zahl. Die Datenerfassung erfolgt durch Analyse der OPS-Codes.

Lemke zufolge birgt eine solche administrative Datenerfassung, die primär aus Vergütungszwecken erfolgt ist, die Gefahr eines „Underreporting“. Es werden nur Komplikationen erfasst, die in der Klinik auftreten, und auch nur solche, die ein Eingreifen notwendig machten. Späte Perikardergüsse oder Schlaganfälle etwa würden nicht erfasst, so Lemke. Je nachdem was als „Komplikation“ definiert wird, fallen die Raten in der Literatur unterschiedlich aus, weshalb entsprechende Vergleiche schwierig sind. Hinweise zur Prozedurdauer, der verwendeten Ablationstechnik, Medikation usw. fehlten.

Trotzdem glaubt auch Lemke, dass es bei der Katheterablation einen „Trend zu geringeren Komplikationsraten gibt“, was mitunter dem Erfahrungszuwachs der Ärzte und der verbesserten Ablationstechnik zuzuschreiben ist.

Kliniken sollten Mindestmenge erfüllen

Dafür spricht auch, dass die Komplikationsraten in Kliniken mit hohen Fallzahlen am geringsten waren und umgekehrt; die Raten bewegten sich zwischen 0% und 11,8%. Ueberham würde es deshalb befürworten, dass Kliniken, in denen Katheterablationen vorgenommen werden, Mindeststandards bei den Fallzahlen und Ablations-Ergebnissen erfüllen müssen. Eine Reporting der Komplikationsraten müsse generell verpflichtend sein.

Ein verbindliches Mindestmaß an jährlich durchzuführenden Katheterablationen hält auch Lemke für sinnvoll. Einschränkend weist er aber darauf hin, dass an dem SAFER-Register nur vier Kliniken teilgenommen haben, die weniger als 50 solcher Eingriffe pro Jahr vorzuweisen hatten. 

Ein Vergleich der Ergebnisse zwischen den Kliniken im Sinne eines Benchmarking ist seiner Ansicht nach nur nach einer angemessenen Datenvaldierung und nachfolgender Risikoadjustierung aussagekräftig. "Die Kliniken, die schwere Fälle behandeln, und damit verbunden von mehr Komplikationen berichten, dürfen am Ende nicht dafür gebrandmarkt werden“, begründet der Kardiologe seine Bedenken.

Literatur

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