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07.04.2018 | DGK-Jahrestagung 2018 | Nachrichten

Bewegung für eine bessere Prognose

Was Patienten mit Herzinsuffizienz selbst tun können

Autor:
Dr. Ulrike Fortmüller

Mit körperlichem Training und anderen Lebensstilmaßnahmen können Herzinsuffizienz-Patienten selbst zu einer Verbesserung ihrer Prognose beitragen. Dabei ist ein langfristiges, telemedizinisch unterstütztes Betreuungsprogramm besonders bei Menschen mit niedrigem sozioökonomischem Status effektiv.

Zusätzlich zur medikamentösen Therapie hilft Bewegung, das Herz zu entlasten und Krankenhausaufhalte zur reduzieren. „Was früher streng verboten war, ist heute eine leitlinienkonforme 1A-Empfehlung der ESC“, erläuterte Prof. Rainer Hambrecht aus Bremen erläuterte bei einer Pressekonferenz im Rahmen der 84. Jahrestagung der DGK in Mannheim.  

Ein regelmäßiges aerobes Training verbessere die Leistungsfähigkeit und Symptomatik bei Patienten mit Herzinsuffizienz und helfe bei stabilen Patienten mit reduzierter Ejektionsfraktion (HFrEF) die Herzinsuffizenz-bedingten Hospitalisierungen zu reduzieren.

Diagnostik vor Trainingsbeginn

Dabei spielt es keine Rolle, ob die Patienten hochintensives Intervalltraining oder moderates Ausdauertraining betreiben, wobei letzteres eher alltagstauglich ist. Wichtig sei allerdings, dass  vor Trainingsbeginn eine Echokardiografie und ein Belastungstest vorgenommen und das Trainingsprogramm individuell angepasst wird. Begonnen werden kann z.B. mit 5- bis 10-minütigen Einheiten bei 50 % der maximalen Sauerstoffaufnahmekapazität (VO2max). Trainingsdauer und -häufigkeit können dann langsam bis zu einer Intensität von einer VO2max bis 70 % gesteigert werden. Gut geeignet für ein ärztlich überwachtes Training sind Herzsportgruppen oder entsprechend zertifizierte Sportstudios.

Sinnvolle Lebensstilmaßnahmen

Unterstützend solle ein Gewichtsprotokoll geführt, Alkohol reduziert, die tägliche Salzzufuhr auf maximal 6 Gramm reduziert, auf eine mit dem Arzt abgestimmte kontrollierte Flüssigkeitszufuhr geachtet und eine mediterrane Ernährung bevorzugt werden, betonte Hambrecht.

In der randomisierten IPP(Intensives Prävention-Programm)-Studie hat sich herausgestellt, dass ein geeignetes Betreuungsprogramm hilft, Herzinfarkt-Patienten langfristig zu einer Lebensstiländerung zu motivieren und dadurch die Risikofaktoren besser in den Griff zu bekommen.

Intensive Betreuung für Herzinfarkt-Patienten

In der IPP-Studie erhielten 300 Patienten mit stattgehabtem Myokardinfarkt mit oder ohne ST-Streckenhebung (STEMI und NSTEMI) einen Monat nach Krankenhausentlassung bzw. nach einer dreiwöchigen Rehabilitation entweder eine Standardbetreuung inklusive hausärztlichem Disease-Management-Programm (n=143) oder ein intensives Präventionsprogramm  (n=138). Inbegriffen in die intensive Betreuung waren monatliche Patientenschulungen, telefonische Beratungen, telemedizinische Komponenten und klinische Kontrollen. Das Programm wurde von speziell geschulten Präventionsassistenten durchgeführt, die im Bedarfsfall einen Arzt zu Rate ziehen konnten.

Letztlich sei das Ziel einer solchen intensiven Betreuung von Infarktpatienten, die Entwicklung einer Herzinsuffizienz zu verhindern, so Hambrecht.

Der Erfolg wurde anhand eines 15-Punkte-Präventions-Scores beurteilt, der sich aus den Risikofaktoren Raucherstatus, LDL-Cholesterinwerte, körperliche Aktivität, Blutdruck, Body-Mass-Index und HbA1c-Werte zusammensetzte. 

Während der Score in beiden Gruppen zu Beginn fast gleich war (10,3 vs. 10,2 / IPP-Gruppe vs. Standardversorgungsgruppe), zeigte sich nach zwölf Monaten eine deutlich bessere Einstellung der Risikofaktoren in der Präventionsgruppe. In der Standardgruppe ließen die anfänglich erzielten Verbesserungen dagegen rapide ab (11,4 vs. 9,3; p < 0,01).

Insbesondere Patienten mit geringem sozioökonomischem Status (verglichen wurden die Gruppen nach erreichtem Abschluss an einer Hauptschule, einer Realschule oder am Gymnasium) profitieren von den intensiven Präventionsmaßnahmen. Ihre Risikofaktoren ließen sich im gegenüber dem Ausgangslevel am stärksten verbessern. Hambrecht hält es daher für sinnvoll, „den Fokus bei Präventionsmaßnahmen besonders auf Stadtteile mit niedrigen sozioökonomischen Status zu legen.“

Literatur

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