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26.04.2019 | DGK-Jahrestagung 2019 | Nachrichten

Neues Forschungszentrum

DGK will kardiologische Versorgungsforschung voranbringen

Autor:
Philipp Grätzel

Das neue DGK-Zentrum für Kardiologische Versorgungsforschung nimmt Fahrt auf. Mit GULLIVE-R geht dieser Tage das erste große, eigene Projekt an den Start. Weitere sind in der Begutachtung.

Versorgungsforschung erfolgt in Deutschland bisher überwiegend retrospektiv auf Basis der Abrechnungsdaten. Zusätzlich gibt es punktuell prospektive Register, die aber immer nur einen sehr ausgewählten Fokus haben und oft nicht die gesamte Breite der Versorgung abdecken. Aus diesem Grund haben wichtige kardiologische Gesellschaften, Verbände und Einrichtungen beschlossen, unter dem Dach der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) eine neue Forschungsinitiative zu starten.

Prospektive Studien statt retrospektiver Blick

Mit dem „DGK-Zentrum für kardiovaskuläre Versorgungsforschung“ soll die kardiovaskuläre Versorgungsforschung in Deutschland einen neuen Pfeiler bekommen. Beteiligt sind neben der DGK die Arbeitsgemeinschaft Leitende kardiologische Krankenhausärzte (ALKK), der Bundesverband Niedergelassener Kardiologen (BNK), der Bund Deutscher Internisten (BDI) mit der Sektion Kardiologie und die Stiftung Institut für Herzinfarktforschung (IHF).

„Wir wollen wegkommen von den rein retrospektiven Analysen und mit kardiologischem Sachverstand prospektive Versorgungsforschungsstudien durchführen. Dafür schaffen wir ein unabhängiges und flexibles Instrument für Forschungsprojekte, die auf einen breiten Datenfundus aus der ambulanten und stationären Versorgung zurückgreifen können“, erläuterte DGK-Sekretär Prof. Dr. Karl Werdan, Halle/Saale. Ziel seien finanzierbare Projekte ohne lange Antragswege und Antragszeiten. Auf Dauer – und sofern es gelingt, eine nachhaltige Finanzierung auf die Beine zu stellen – sollen auch ein Beirat geschaffen und Patientenorganisationen eingebunden werden.

GULLIVE-R-Studie: Wo hakt es bei Sekundärprävention nach Infarkt?

Das erste Studienprojekt des neuen Zentrums ist die GULLIVE-R-Studie, für die jetzt das Ethikratsvotum vorliegt und die in den nächsten Wochen anlaufen soll. Es handelt sich um eine prospektive Versorgungsforschungsstudie zur Sekundärprävention nach einem Myokardinfarkt. An 250 Studienzentren aller Versorgungsstufen aus ganz Deutschland sollen 3000 Patienten rekrutiert werden. Die Endergebnisse sollen zu den DGK Herztagen 2020 vorliegen.

Prinzipiell sind die prognostisch wirksamen, sekundärpräventiven Maßnahmen nach Herzinfarkt gut bekannt: Nikotinkarenz, körperliche Bewegung, Diät, Blutdruckeinstellung sowie LDL-Senkung, RAAS-Hemmung und antithrombotische Therapie. Die Frage, die die GULLIVE-R-Studie klären soll, lautet: Wie gut werden diese Maßnahmen vor allem im Langzeitverlauf tatsächlich umgesetzt? „Wir wissen, dass das Risiko erneuter kardiovaskulärer Ereignisse nach einem Infarkt nicht nur zwölf Monate lang, sondern darüber hinaus in unverändertem Umfang erhöht ist“, betonte Studienleiter Prof. Dr. Uwe Zeymer vom IHF in Ludwigshafen. Trotzdem sei über die langfristige Compliance bei der Sekundärprävention wenig bekannt.

Die (über eine neutrale Förderung von AstraZeneca finanzierte) GULLIVE-R-Studie wird deswegen Patienten einschließen, bei denen der Herzinfarkt schon etwas zurückliegt, sodass Daten über den Zeitraum von 9 bis 18 Monaten nach dem Infarkt erhoben werden können. Neben der Frage, wie eng die Umsetzung der Sekundärprävention den Leitlinienempfehlungen folgt, soll es in GULLIVE-R auch und vor allem um die Ursachenforschung gehen: Gibt es regionale Unterschiede? Wenn ja, was sind die Faktoren, die eine bessere oder schlechtere Langzeitcompliance bedingen? Um hier mehr Klarheit zu schaffen, werden im Rahmen der Studie sowohl Ärzte als auch Patienten umfassend befragt.

Weitere Projekte sollen folgen

GULLIVE-R soll natürlich nicht das einzige Projekt des neuen Zentrums bleiben. Schon jetzt engagiere man sich beispielsweise in zwei Innovationsfondsprojekten sowie einem Register, das Versorgung mit Antikoagulation bei Vorhofflimmern zum Thema hat, betonte Werdan. Aktuell liegen den Verantwortlichen zudem sieben weitere Projektanträge vor, über die noch diskutiert wird.

Literatur

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