Onlineartikel 10.03.2015

Diabetesrisiko: Statine erneut im Visier

Einmal mehr stellt eine populationsbasierte Kohortenstudie einen deutlichen Zusammenhang zwischen der Einnahme von Statinen und der Diabetesinzidenz her. Auch zu möglichen Mechanismen wurden Daten erhoben.

Eine leicht erhöhte Diabetesinzidenz bei Dauereinnahme von Statinen wurde mittlerweile in einer ganzen Reihe von Patientenkohorten beschrieben. Eine im Jahr 2010 publizierte Metaanalyse randomisierter Statin-Studien konstatierte ein um 9% erhöhtes Risiko.

Einzelstudien haben ein um bis zu 22% erhöhtes Risiko beschrieben, wobei das Risiko dosisabhängig zu sein scheint und möglicherweise nicht bei allen Statinen gleich ausgeprägt ist. So war die Einnahme von Pravastatin in der WOSCOPS-Studie mit einer um 30% geringeren Diabetesinzidenz assoziiert.

Diabetesrisiko bisher unterschätzt?

Im Rahmen einer neuen, populationsbasierten Kohorte, der Metabolic Syndrome in Men (METSIM)-Kohorte aus Finnland, haben sich Wissenschaftler den Zusammenhang zwischen Statinen und Typ-2-Diabetes noch einmal etwas genauer angesehen. 8.749 Studienteilnehmer der METSIM-Studie zwischen 50 und 64 Jahren hatten zu Studienbeginn keinen Diabetes und wurden deswegen für die jetzt in Diabetologia publizierte Analyse herangezogen. 2.142 davon nahmen Statine in Dauertherapie. Zu knapp zwei Dritteln war das Simvastatin. Knapp ein Fünftel nahm Atorvastatin, einige wenige Rosuvastatin, Fluvastatin, Lovastatin und Pravastatin.

Von den 8.749 zu Beginn nicht-diabetischen Männern entwickelten über einen Zeitraum von sechs Jahren 625 einen Typ-2-Diabetes. Dabei war die Wahrscheinlichkeit bei Einnahme von Statinen in der nicht adjustierten Analyse doppelt so hoch. Wurde für Alter, BMI, Hüftumfang, Sport, Rauchstatus, Alkoholkonsum, Betablocker- und Diuretikabehandlung sowie Familienanamnese adjustiert, blieb immer noch ein um 46% erhöhtes Risiko bestehen. Das war statistisch signifikant (HR 1,46 [95%-CI 1,22–1,74]).

In der Detailanalyse hielt der signifikante Zusammenhang sowohl für Simvastatin als auch für Atorvastatin, wobei jeweils eine Dosisabhängigkeit demonstriert werden konnte. Die anderen Statine erhöhten – bei allerdings nur geringen Patientenzahlen – das Diabetesrisiko nicht.

Höhere Insulinresistenz, niedrigere Sekretion

Genauer als in anderen Studien haben die Finnen im Rahmen der METSIM-Kohorte die Diabetesmechanismen analysiert. Sie können zeigen, dass die Statintherapie mit einer je nach Messzeitpunkt um ein Fünftel bis ein Viertel und damit hoch signifikant verringerten Insulinsensitivität einhergeht.

Ebenfalls das Signifikanzniveau erreichte eine Verringerung der Insulinsekretion um im Mittel 12%. Auch diese beiden Korrelationen hielten sowohl für Simvastatin als auch für Atorvastatin, und erneut gab es eine Dosisabhängigkeit.

Die Autoren sehen ihre Ergebnisse als weiteren Hinweis dafür, dass Statine das Diabetesrisiko erhöhen. Möglicherweise sei das Risiko bisher unterschätzt worden, unter anderem weil in vielen älteren Untersuchungen die Diabetesdiagnose nur anamnestisch gestellt wurde. Aussagen über Frauen und nicht kaukasische Menschen erlaubt die METSIM-Kohorte allerdings nicht. 

Literatur

Cederberg H et al. Increased risk of diabetes with statin treatment is associated with impaired insulin sensitivity and insulin secretion: a 6 year follow-up study of the METSIM cohort. Diabetologia. 2015, 4. März. doi: 10.1007/s00125-015-3528-5