Nachrichten 22.07.2016

Diabetiker profitieren von rein arterieller Verkabelung

In einer australischen Kohortenstudie haben Diabetespatienten mit KHK ein besseres Langzeitüberleben nach Bypass-Operation, wenn nur arterielle Grafts genutzt werden. Unterschiede bei den perioperativen Komplikationen gibt es nicht.

Mehrere randomisierte Studien der letzten Jahre haben gezeigt, dass Diabetespatienten mit koronarer Mehrgefäßerkrankung von einer Bypassoperation tendenziell mehr profitieren als von einer Katheterintervention. Unklar ist, ob auch die Art der Bypassoperation einen Unterschied macht. Herzchirurgen um James Tatoulis von der Universität Melbourne, Australien, haben sich dieser Frage jetzt in einer ziemlich großen Kohortenstudie gewidmet.

Große Kohortenstudie

Sie haben dafür über 34.000 Patienten aus der australischen herzchirurgische Datenbank ausgewertet, die zwischen 2001 und 2012 eine erstmalige, isolierte Bypassoperation erhalten hatten. 34,1% dieser Patienten waren diabetisch, und von diesen erhielten 32,6% eine rein arterielle Bypassversorgung (total arterial revascularization, TAR), der Rest eine konventionelle Operation mit venösen bzw. arteriellen und venösen Grafts.

Konventioneller vs. rein arterieller Bypass

Für den Vergleich beider Vorgehensweisen erfolgte ein Propensity Score-Matching, um zwei möglichst ähnliche Patientengruppen zu erhalten. Übrig blieben dabei 2.017 Diabetespatienten, die eine TAR erhielten und 1.967 gematchte Patienten mit Diabetes, bei denen eine konventionelle Bypassoperation durchgeführt wurde. In der TAR-Gruppe wurden im Mittel 3,1 arterielle Bypässe gesetzt, typischerweise unter Einbeziehung beider Aa. mammariae und einer oder zwei Radialisarterien. In der Kontrollgruppe erhielten die Patienten im Mittel 1,6 arterielle Grafts, der Rest waren Vena saphena-Grafts.

Mit der Zeit geht die Schere auseinander

Die Auswertung zeigte zunächst, dass es bei der peri- und postoperativen Mortalität bis zum dreißigsten postoperativen Tag keinen Unterschied zwischen den Gruppen gab. Die Raten betrugen 1,2% in der TAR-Gruppe und 1,4% in der konventionell operierten Gruppe. Beim Langzeitüberleben war die TAR-Operation dagegen überlegen: Die Sterblichkeit nach im Mittel knapp fünf Jahren betrug 10,2% in der TAR-Gruppe und 12,2% in der Vergleichsgruppe. Dabei ging die Schere über die Jahre auseinander: Nach einem Jahr betrug der absolute Unterschied in der Mortalität 0,8%, nach fünf Jahren 2,4% und nach zehn Jahren 3,9%. Andres formuliert: 25 Patienten müssen mit TAR statt konventioneller Bypassoperation operiert werden, damit nach zehn Jahren einer mehr am Leben ist.

Eingriff ohne zusätzliches Risiko

Die Analyse belege, dass bei Diabetikern die etwas komplexere TAR ohne zusätzliches Risiko für die Patienten durchgeführt werden könne, so die Autoren. Im Mittel dauerten die Eingriffe in der australischen Kohorte bei einer rein arteriellen „Verkabelung“ etwa 30 Minuten länger. Im internationalen Vergleich sind die TAR-Quoten derzeit recht unterschiedlich. In den USA ist dieser Eingriff sehr unüblich, in Australien werden rund 40% aller Bypassoperationen als TAR durchgeführt. Die meisten europäischen Länder liegen irgendwo dazwischen.

Literatur

Tatoulis J et al. Total Arterial Revascularization: A Superior Strategy for Diabetic Patients Who Require Coronary Surgery. Annals of Thoracic Surgery 2016. 14. Juli 2016. Doi: 10.1016/j.athoracsur.2016.05.062