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12.11.2018 | Diagnostik in der Kardiologie | Nachrichten

MRT, PET, SPECT und Co

Experten fordern: Bildgebung sollte räumlich zusammenliegen

Autor:
Philipp Grätzel

Der Stellenwert der nicht-invasiven Diagnostik in der Kardiologie steigt und steigt. Doch wie lässt sich sicherstellen, dass alle Patienten von den neuen Möglichkeiten profitieren? Die Europäische Gesellschaft für kardiovaskuläre Bildgebung sieht die Zukunft in multimodalen Diagnosezentren. 

Es vergeht zurzeit kaum eine Woche, in der nicht eine neue Studie zur kardiovaskulären Bildgebung veröffentlicht wird. Neben der Kardio-MRT war es zuletzt vor allem die kardiale CT, die für viele Publikationen gesorgt hat. Doch auch die PET-(CT) macht vor dem Herzen nicht halt, und natürlich sind auch die Möglichkeiten von Echokardiografie und SPECT noch nicht ausgereizt.

In Ländern, in denen die genannten bildgebenden Modalitäten alle zur Verfügung stehen, gilt bisher meist, dass die Art der Bildgebung nicht nur von der Indikation, sondern auch von der lokalen Verfügbarkeit abhängig gemacht wird. Insbesondere bei der Ischämiediagnostik wird das oft so gehandhabt.

Was, wenn die Bildgebung nicht verfügbar ist

Aber ist das wirklich optimal, oder nicht eher eine Übergangslösung? Die Task Force on Multimodality Imaging (TFMMI) der Europäischen Gesellschaft für kardiovaskuläre Bildgebung (EACVI) hat jetzt ein Positionspapier vorgelegt, in dem sie für einen multimodalen Ansatz plädiert.

Die Task Force wurde im August 2017 gebildet und besteht aus 17 Experten zu den unterschiedlichen kardialen Bildgebungsmodalitäten aus Europa und Israel. Aus Deutschland waren Prof. Stephan Achenbach, Erlangen, und Prof. Udo Sechtem, Stuttgart, mit dabei. Die TFMMI betont, dass eine räumliche Co-Lokation der Geräte das Idealszenario sei, das zumindest dann angestrebt werden sollte, wenn Einrichtungen neu geplant werden. Wo eine räumliche Zusammenführung nicht möglich ist, sollte dafür gesorgt werden, dass sich die beteiligten Spezialisten eng austauschen und auch Zugriff auf Bildschirmarbeitsplätze haben, die alle Bilddaten der unterschiedlichen Modalitäten parallel zur Verfügung stellen.

Basiskenntnisse für junge Kardiologen ausbauen

Die TFMMI geht davon aus, dass sich die kardiologische Bildgebung zumindest für die absehbare Zeit weiterhin auf die Fachrichtungen Kardiologie, Radiologie und Nuklearmedizin verteilt. Spezialisten für einzelne Modalitäten sollten allerdings zumindest Basiskenntnisse auch der anderen Modalitäten besitzen bis zu einem Level, das sie in der Lage sind, Standarduntersuchungen zu interpretieren oder sogar selbst durchzuführen. Entsprechende Fortbildungsoptionen sollten angeboten werden.

Dies gelte auch und insbesondere für junge Ärzte, speziell junge Kardiologen, die eine Karriere im Bereich kardiale Bildgebung anstreben. Diese sollten in jedem Fall in einem multimodalen Umfeld lernen, so die TFFMI. Die Fähigkeit, Echokardiografien durchzuführen und zu interpretieren sollte möglichst früh in dieser Ausbildung erworben werden. Und es sollte angestrebt werden, in mindestens zwei Modalitäten die komplette Weiterbildung zu durchlaufen, also Kenntnisse auf Expertenniveau zu erwerben.

Nutzen muss noch geprüft werden

Letztendliches Ziel der Transformation hin zu einer multimodalen Bildgebung in der Kardiologie sind eine Verbesserung der Patientenversorgung und auch eine bessere Kosteneffektivität durch optimale Auswahl der Modalitäten. Die TFFMI-Experten weisen allerdings darauf hin, dass die abschließende Evidenz für die Vorteile eines multimodalen Ansatzes bisher noch nicht erbracht wurde. Daher sei es erforderlich, neben den auch weiterhin nötigen Studien zu einzelnen Modalitäten vermehrt multimodale Diagnosekonzepte in klinischen Studien zu evaluieren.

Literatur

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