Nachrichten 27.05.2022

Rhythmusabklärung per Smart Device: Zusätzlicher Kardiologe hilft

Moderne Handgelenks-Wearables können 1-Kanal-EKGs aufzeichnen. Die Smart Wars-Studie hat die Algorithmen zweier aktueller Geräte mit zwei Kardiologen verglichen. Fazit: Die Handgelenks-EKGs sind gut, aber nicht perfekt.

Viele Kardiologen tun sich noch schwer im Umgang mit den „Laien-EKGs“ fürs Handgelenk. Die neueren Apple Watch Generationen können 1-Kanal-EKGs aufzeichnen, wenn der Betreffende den Finge für 30 Sekunden auf die Krone legt. (Die zweite Elektrode ist auf der Uhrrückseite.) Dasselbe leistet das Kardia Band, ein Armband für Apple Watches, das einen Sensor besitzt, der etwas größer (und damit besser handhabbar) ist als die Krone einer Uhr.

Zwei Smart Devices im direkten Vergleich

Die australische Smart Wars-Studie hat jetzt die Leistungsfähigkeit von Apple Watch 4 und Kardia Band im Einsatzszenario Abklärung paroxysmaler Arrhythmien untersucht. Goldstandard war ein 12-Kanal-EKG. 125 Patienten einer kardiologischen Ambulanz, im Mittel 76 Jahre, nahmen teil. Sie wurden gebeten, mit den zwei Handgelenks-EKGs einen Rhythmusstreifen aufzuzeichnen, danach gab es ein 12-Kanal-EKG. Die die Rhythmusstreifen auswertenden Kardiologen waren verblindet.

Zu den Smart Devices muss man wissen, dass die automatischen Algorithmen nicht interpretierbare EKG-Streifen aussortieren. Es gibt deswegen jeweils zwei Werte für Sensitivität bzw. diagnostische Genauigkeit: einer, der sich nur auf die ausgewerteten Patienten bezieht und einer, der alle Patienten einschließt, quasi die „Intention-to-diagnose“-Population.

In der Gesamtschau zeigt sich, dass die diagnostische Genauigkeit der Algorithmen in Bezug auf Vorhofflimmern im Einklang mit vorausgehenden Studien sehr hoch ist, wenn die nicht interpretierbaren EKG-Streifen unberücksichtigt bleiben. Die Apple Watch landet bei 93%, das Kardia Band bei 94%. 

Performance besser, wenn ein Kardiologe draufschaut

Deutliche Vorteile für das Armband gibt in der „Intention-to-diagnose“-Auswertung, die sich auf die Gesamtpopulation bezieht. Hier beträgt die diagnostische Genauigkeit beim Armband 74%, bei der Uhr nur noch 65%. Der Unterschied kommt im Wesentlichen durch weniger technische Fehlmessungen beim Armband zustande. Wer also seinen Patienten etwas empfehlen möchte und Wert auf Sensitivität legt, der ist mit dem Armband besser beraten.

In allen Fällen kann der Blick des Kardiologen auf den Wearable-Streifen die Performance boostern: Die diagnostische Genauigkeit steigt dann für die Intention-to-Diagnose-Population bei beiden Wearables auf 85% bis 90%. Mensch und Maschine funktionieren am besten im Team.     

Literatur

Ford C et al. JACC: Comparison of 2 Smart Watch Algorithms for Detection of Atrial Fibrillation and the Benefit of Clinician Interpretation: SMART WARS Study; Clinical Electrophysiology, doi: 10.1016/j.jacep.2022.02.013

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