Nachrichten 06.07.2016

Orale Antikoagulation: NOAK mit Sicherheitsvorteil

Eine landesweite dänische Kohortenstudie bestätigt anhand von Real-World-Daten den Sicherheitsvorteil der neuen oralen Antikoagulanzien (NOAK) gegenüber Vitamin-K-Antagonisten (VKA) bei neu eingestellten Patienten mit Vorhofflimmern.

Dänemark gehört zu den Ländern, in denen nationale Datenbanken medizinischen Wissenschaftlern eine sehr effektive und vor allem streng populationsbasierte Auswertung realer Versorgungsdaten erlauben. Kardiologen und Biostatistiker der Universität Aalborg haben diese Datenbankinfrastruktur jetzt genutzt, um sich die Effektivität und Sicherheit der drei NOAK Dabigatran, Rivaroxaban und Apixaban bei der Indikation Vorhofflimmern genauer anzusehen.

Sie führten dazu Daten des nationalen dänischen Bevölkerungsregisters, der nationalen Verschreibungsdatenbank und des nationalen Patientenregisters zusammen, um zu analysieren, ob es in Abhängigkeit davon, ob die Patienten mit einem VKA oder einem NOAK antikoaguliert werden, Unterschiede bei der Inzidenz ischämischer Ereignisse beziehungsweise von Blutungsereignissen gibt. Insgesamt konnten Daten von 61.678 Patienten mit nicht valvulärem Vorhofflimmern ausgewertet wurden, die therapienaiv, also zuvor noch nicht antikoaguliert waren. 57 % der Patienten waren auf einen VKA eingestellt worden, 21 % auf Dabigatran, 12 % auf Rivaroxaban und 10 % auf Apixaban.

In der Wirksamkeit vergleichbar

Die Analyse zeigt, dass sich die Ergebnisse der Zulassungsstudien der drei NOAK in großen Teilen in der realen Versorgung reproduzieren. In der Gesamtschau waren die NOAK bei der Prophylaxe ischämischer Schlaganfälle vergleichbar wie effektiv wie VKA. Wurden ischämische Schlaganfälle und systemische Embolien gemeinsam ausgewertet, gab es einzig bei Rivaroxaban mit einer 12-Monats-Inzidenz von 3,0 % einen signifikanten Vorteil gegenüber VKA (3,3 %; HR 0,83, 95%-KI 0,69–0,99). Die Ereignisraten bei Apixaban und Dabigatran unterschieden sich nicht signifikant von jener bei VKA-Therapie.

Vorteile in puncto Sicherheit

Bei den Sicherheitsendpunkten waren demgegenüber Apixaban und Dabigatran gegenüber VKA im Vorteil, während es zwischen Rivaroxaban und VKA keine signifikanten Unterschiede gab. Konkret traten Blutungen jeglicher Art – definiert als intrakranielle Blutungen, Major-Blutungen und gastrointestinale Blutungen – bei jährlich 3,3 % der Apixaban-Patienten und 2,4 % der Dabigatran-Patienten auf, jeweils signifikant weniger als bei VKA (5,0 %). Die jährliche Blutungsrate bei Rivaroxaban war mit 5,3 % der bei VKA vergleichbar.

Intrakranielle Blutungen waren bei allen drei NOAK seltener als bei VKA-Therapie. Für den harten Endpunkt Tod, in den sowohl Blutungsereignisse als auch tödliche Schlaganfälle und andere Todesereignisse Eingang finden, gab es für Dabigatran und Apixaban mit jährlichen Raten von 2,7 bzw. 5,2 % signifikante Vorteile gegenüber VKA (8,5 %), nicht dagegen für Rivaroxaban mit einer jährlichen Rate von 7,7 %.

Literatur

Bjerregaard Larsen T et al. Comparative effectivenes and safety of non-vitamin K antagonist oral anticoagulants and warfarin in patients with atrial fibrillation: propensity weighted nationwide cohort study. BMJ 2016;353:i3189

Highlights

DGK-Kongress to go

DGK.Online 2020 – der Online-Kongress der DGK: Damit Sie auch in Zeiten eingeschränkter Versammlungs- und Reiseaktivitäten immer auf dem aktuellen Stand sind. Sehen Sie Vorträge zu aktuellen Themen von führenden Experten - wann und wo immer Sie wollen.  

Corona, Covid-19 & Co.

Die Ausbreitung des Coronavirus hat einschneidende Folgen auch für die Herzmedizin. Aktuelle Meldungen zu SARS-CoV-2 bzw. zu der Lungenkrankheit Covid-19 finden Sie in diesem Dossier.

Aktuelles und Neues aus der Kardiologie

Wie gefährlich sind Smartphones für Implantat-Träger?

Noch immer gibt es Bedenken, dass Mobiltelefone die Funktion von Herzschrittmachern und ICDs stören könnten. Deutsche Kardiologen haben nun untersucht, ob die Sorge bei den heutigen Smartphones gerechtfertigt ist.

Seltsame EKG-Veränderung bei COVID-19-Patientin – Ärzte rätseln über Ursache

Eine 53-jährige Frau, die sich mit SARS-CoV-2 infiziert hat, entwickelt auffällige EKG-Veränderungen. Die Ärzte suchen nach einer Erklärung für diesen überraschenden Befund.

HFrecEF – ein neuer Subtyp der Herzinsuffizienz?

US-Experten rücken in einem „Konsensus-Dokument“ eine spezifische Patientengruppe mit Herzinsuffizienz in den Fokus, bei der noch große Wissenslücken bestehen. Es handelt sich um Patienten, bei denen sich die zuvor erniedrigte Auswurffraktion in der Folge wieder erhöht hat.

Aus der Kardiothek

Was sehen Sie im Kardio-MRT?

Kardio-MRT (Late Gadolinium Enhancement) mit Darstellung eines Kurzachsenschnitts im mittventrikulären Bereich. Was ist zu sehen?

BNK-Webinar "Von den Toten lernen für das Leben"

Alle verstorbenen COVID-19-Patienten werden in Hamburg obduziert und häufig auch im CT  betrachtet. Rechtsmediziner Prof. Klaus Püschel gewährt einen Einblick in seine Arbeit und erläutert die Todesursachen der Patienten – mit speziellem Fokus auf das Herz.

Kardiologische Implikationen und Komplikationen von COVID-19

Sind Herzpatienten besonders gefährdet und welchen Einfluss haben ACE-Hemmer und Angiotensin-II-Rezeptor-Blocker? Dies und mehr beantwortet Prof. Martin Möckel, Internist, Kardiologe und Notfallmediziner von der Berliner Charité.

Bildnachweise
DGK.Online 2020/© DGK
Corona/© Naeblys / Getty images / iStock
Kardio-MRT (Late Gadolinium Enhancement)/© Stephan Achenbach, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen
BNK-Webinar/© BNK | Kardiologie.org
Webinar Prof. Martin Möckel/© Springer Medizin Verlag GmbH