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31.03.2015 | Nachrichten | Onlineartikel

Folsäuresupplementierung

Doch eine gute Idee?

Autor:
Philipp Grätzel

Eine große, randomisierte Primärpräventionsstudie aus China stößt Diskussionen um eine Supplementierung von Nahrungsmitteln mit Folsäure wieder an. Die Studie fand eine deutliche Reduktion der Häufigkeit erster Schlaganfälle.

Die im Journal of the American Medical Association (JAMA) publizierte Studie „China Stroke Prevention Trial” war eine randomisierte Großstudie, an der 20.702 Erwachsene mit Bluthochdruck aber ohne eine Myokardinfarkt- oder Schlaganfallanamnese teilnahmen. Die Teilnehmer erhielten jeweils eine Tablette pro Tag mit entweder 10 mg Enalapril oder 10 mg Enalapril plus 0,8 mg Folsäure. Bei nicht optimal eingestelltem Blutdruck konnten weitere Antihypertensiva hinzukombiniert werden.

Primärer Endpunkt der Studie, in der die Patienten im Median über 4,5 Jahre behandelt wurden, waren erstmals auftretende Schlaganfälle jeglicher Genese. Als sekundäre Endpunkte wurden ischämische und hämorrhagische Schlaganfälle separat ausgewertet, außerdem Gesamtmortalität sowie ein Komposit aus kardiovaskulärem Tod, Myokardinfarkt und Schlaganfall.

Am Ende hatten nach 4,5 Jahren in der Enalapril-Gruppe 3,4% der Patienten einen ersten Schlaganfall erlitten. In der Gruppe mit Folsäuresubstitution waren es 2,7%. Der Unterschied war hoch signifikant (Hazard Ratio 0,79; 95%-CI 0,68–0,93), und die Studie wurde deswegen vorzeitig abgebrochen. Ebenfalls das Signifikanzniveau erreicht wurde beim Endpunkt erster ischämischer Schlaganfall sowie beim Kompositendpunkt, nicht dagegen beim hämorrhagischen Schlaganfall und bei der Gesamtmortalität.

In einem begleitenden Editorial erinnern die Ernährungsmediziner Meir Stampfer und Walter Willett von der Harvard Medical School daran, dass die Folatsupplementierung von Nahrungsmitteln bisher durchaus umstritten ist und in unterschiedlichen Ländern unterschiedlich gehandhabt wird. In den USA werden viele Lebensmittel mit Folat supplementiert. In Europa ist das unüblicher.

Die neue Studie ist für die beiden Experten ein starkes Argument für eine Folatsupplementierung von Nahrungsmitteln, zumal der protektive Effekt in jener Subgruppe der Patienten mit niedriger Folatplasmakonzentration am ausgeprägtesten war. Die Schlaganfallraten lagen in dieser Subgruppe bei 4,6% ohne bzw. 2,8% mit Folatsupplementierung.

Literatur