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19.03.2018 | EHRA-Kongress 2018 | Nachrichten

Neues von der MunichBREW-Studie

Herzforschung beim Oktoberfest: Alkohol bringt den Herzrhythmus auf Trab

Autor:
Peter Overbeck

Je mehr Alkohol durch die Kehle rinnt, desto schneller schlägt das Herz.  Eine entsprechende Assoziation zwischen akutem Alkoholkonsum und Herzrhythmus ist von Münchener Forschern jetzt durch umfangreiche Messungen bei Oktoberfest-Besuchern bestätigt worden. 

Kann der Konsum alkoholischer Getränke unmittelbare Auswirkungen auf das Herz haben? Ein wiederholt  anekdotisch  beschriebenes  und  als „Holiday Heart"-Syndrom  bekanntes Phänomen scheint dafür zu sprechen: Nach exzessivem  Alkoholgenuss am Wochenende kommt es vor, dass der Konsument danach wegen beängstigendem Herzstolpern mit Verdacht auf Vorhofflimmern in der Notaufnahme einer Klinik landet. 

Mehr als 3000 Oktoberfest-Besucher untersucht 

Forscher des Klinikums der Universität München (LMU) und des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislaufforschung e.V. (DZHK) wollten den akuten Auswirkungen der Alkoholzufuhr  auf den Herzrhythmus deshalb in der MunichBREW-Studie genauer auf den Grund gehen.  In einer ersten, bereits  2017 im „European Heart Journal“ publizierten Analyse, die sich auf EKG-Aufzeichnungen von mehr als 3000 Besuchern des Münchner Oktoberfests  stützt, konnte die Gruppe um PD Dr. Stefan Brunner und PD Dr. Moritz Sinner bereits zeigen, dass mit höherem Alkoholspiegel das Risiko für bestimmte Herzrhythmusstörungen – in erster Linie Sinustachykardien – deutlich ansteigt.  

Danach lag der  unter den untersuchten Festbesuchern ermittelte Anteil an Personen mit Sinustachykardie (> 100 Schläge pro Minute) bei immerhin 25,9%. Dieser Anteil war deutlich höher als in einer zum Vergleich herangezogenen Kohorte aus der Allgemeinbevölkerung  (KORA S4 Studie, Kooperative Gesundheitsforschung im Raum Augsburg). 

Je mehr Alkohol, desto schneller der Herzschlag 

Jetzt haben die Münchner Forscher beim von der European Society of Cardiology (ESC) organisierten Kongress EHRA 2018 in Barcelona eine neue Analyse der MunichBREW-Studie vorgelegt. Diesmal haben die Untersucher die EKG-Aufzeichnungen von 3012 Teilnehmern  genauer unter die Lupe genommen. Im Einzelnen sollten dabei die Assoziationen zwischen der  gemessenen Atemalkoholkonzentration und  bestimmten EKG-Parametern für kardiale  Erregung (Herzfrequenz), Leitung (PR-Intervall, QRS-Komplex), und für Repolarisation (QT-Intervall), untersucht werden. 

Erneut zeigte sich, dass höhere  Alkoholkonzentrationen, die wohl primär auf den Konsum von Bier zurückzuführen waren,  mit  einer höheren Herzfrequenz einhergingen. Diese Assoziation war linear und ohne erkennbare Schwelle.  Dagegen stand der Alkoholgehalt im Atem in keiner Beziehung  zu den EKG-Parametern  der kardialen Erregungsleitung und der Repolarisation. 

Noch lasse sich aus diesen Ergebnissen nicht folgern, dass eine durch Alkohol induzierte Herzfrequenzerhöhung gesundheitsschädlich sei,  betont  Studienautor Dr Moritz Sinner in einer ESC-Pressemitteilung zur Studienpräsentation. Allerdings sei nicht auszuschließen, dass  Alkohol bei Personen, die aufgrund von Herzerkrankungen bereits eine erhöhte Herzfrequenz aufweisen, ein Trigger für Arrhythmien inklusive Vorhofflimmern sein könne. Dies nachzuweisen war in der  MunichBREW-Studie kaum möglich, da die Teilnehmer relativ jung (Durchschnittsalter:  35 Jahre) und gesund waren.

Imbalance des autonomen Nervensystems?

Das Team um Brunner und Sinner hat im Jahr 2015 an allen Festtagen insgesamt 3028 Besucher des  Münchener Oktoberfestes untersucht.  Bei allen Probanden wurden mithilfe eines  tragbaren Smartphone-basierten Systems  ein EKG  aufgezeichnet, zudem wurde der Alkoholspiegel mit einem Atemalkoholmessgerät ermittelt. Das Studienprotokoll erlaubte  für die Analyse zulässige Alkoholspiegel bis maximal 3,0 Promille (0-3,0 g/kg). Im Durchschnitt lag die gemessene  Alkoholmenge im untersuchten Kollektiv bei 0,85 g/kg.

Die Studienautoren vermuten, dass der gezeigte Zusammenhang  zwischen akuter Alkoholexposition und Veränderungen des Herzrhythmus auf einem alkoholbedingten  Ungleichgewicht in der autonomen Nervenversorgung des Herzens beruhen könnte.

Literatur

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