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22.07.2016 | Nachrichten

Soziale Isolation als Risikofaktor

Einsamkeit geht stark aufs Herz

Autor:
Philipp Grätzel von Grätz

Bindungslosigkeit hat Folgen: Fehlt das soziale Umfeld, dann steigt das Risiko einer koronaren Herzerkrankung oder eines Schlaganfalls jeweils um knapp ein Drittel.

Soziale Isolation kann das kardiovaskuläre Risiko steigern, das ist bekannt. Wie stark dieser Effekt ist, dazu gab es bisher nur einzelne, oft kleinere Studien. Public Health-Experten der Universität York, England, haben jetzt eine auf elf KHK-Studien und neun Schlaganfallstudien basierende Metaanalyse vorgelegt. In all diesen Studien wurden „Einsamkeit“ bzw. „soziale Isolation“ explizit erhoben, mit allerdings ganz unterschiedlichen Methoden.

KHK- und Schlaganfallrisiko erhöht

Die Auswertung zeigt, dass sowohl das KHK-Risiko als auch das Schlaganfallrisiko bei einsamen bzw. sozial isolierten Menschen erhöht ist. In den elf KHK-Studien gab es insgesamt knapp 3.800 Endpunktereignisse. Bei Einsamkeit/sozialer Isolation war das KHK-Risiko demnach um signifikante 29% erhöht (RR 1,29; 95% KI 1,04-1,59). In den neun Schlaganfallstudien gab es knapp 2.600 Ereignisse, und das Risiko einsamer bzw. sozial isolierter Menschen war um 32% erhöht (RR 1,32; 95% KI 1,04-1,68).

Die Analyse wichtiger Subgruppen zeigte in beiden Fällen einen konstanten Effekt, was das Ergebnis stützt. Allerdings betonen die Wissenschaftler, dass die Datengrundlage für wirklich robuste Aussagen nicht umfangreich genug war und dass auch die Datenqualität teilweise zu wünschen übrig gelassen habe. Insgesamt liege die Bedeutung von Einsamkeit und sozialer Isolation als Risikofaktor für kardiovaskuläre Ereignisse in etwa derselben Größenordnung wie bei anderen psychosozialen Faktoren, für die ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko beschrieben ist, namentlich Angststörungen und starke berufliche Belastung.

Mögliche Mechanismen

Mehrere Mechanismen werden diskutiert, die dazu beitragen könnten, dass Einsamkeit und soziale Isolation das kardiovaskuläre Risiko erhöhen. Ein Weg führt über ausgeprägteres Risikoverhalten: Einsame Menschen rauchen mehr und treiben weniger Sport. Auf psychoneuroimmunologischem Weg führen Einsamkeit und soziale Isolation zudem zu nachweisbaren physiologischen Veränderungen, darunter eine Beeinträchtigung des Immunsystems und ein Anstieg des Blutdrucks.

Literatur

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