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10.12.2014 | Nachrichten | Onlineartikel

Deutung von Befunden

EKG bei Sportlern: Was ist normal und was nicht?

Autor:
Philipp Grätzel

Normalbefunde im EKG bei Sportlern sollte jeder Arzt kennen. Doch viele können die EKG-Befunde von Menschen, die intensiv Sport betreiben, nicht richtig deuten. Das gilt auch für Kardiologen und Sportmediziner.

Hätten Sie es gewusst? Professor Matthias Antz, leitender Elektrophysiologe am Klinikum Oldenburg, präsentierte beim 6. Euro VT/VF Meeting in Berlin eine Reihe von EKG-Befunden, die bei Athleten als normal angesehen werden können.

Orientierung an Seattle-Kriterien

Er orientierte sich dabei an den im Jahr 2012 definierten Seattle-Kriterien, die normale und abnormale EKG-Befunde bei Sportlern sehr detailliert beschreiben.

Die Seattle-Kriterien gelten für Sportler, die mehr als vier Stunden pro Woche intensiv Sport betreiben. Die Betonung liegt dabei auf intensiv. Es geht also nicht um Freizeitjogger im Park, sondern um Sport an der Grenze der Leistungsfähigkeit.

Keine weitere Diagnostik erforderlich ist bei derartigen Athleten demnach unter anderem bei folgenden EKG-Befunden:

  • Bradykardie bis 30 Schläge pro Minute (Häufigkeit bis zu 8% aller hoch trainierten Athleten)
  • Ektope Vorhofrhythmen
  • AV-Block I. Grades oder II. Grades Typ Wenckebach, die sich im Belastungs-EKG normalisieren (bis zu 8% aller Athleten)
  • Inkompletter Rechtsschenkelblock (bis zu 40% aller Athleten). Der inkomplette RBBB wird bei Sportler durch eine Leitungsverzögerung im rechten Ventrikel verursacht und nicht durch eine verzögerter Überleitung im His-/Purkinje-System
  • EKG-Zeichen der linksventrikulären Hypertrophie: S(V1) + R(V5) < 3,5 mV ohne Vergrößerung des linken Vorhofs, ohne Left Axis Deviation, ohne pathologische Q-Wellen, ohne ST-Senkungen und ohne T-Wellen-Inversion (bis zu 45% der männlichen und 10% der weiblichen Athleten)
  • Zeichen der frühen Repolarisation, insbesondere konvexe („kuppelartige“) T-Wellen mit Elevation des J-Punkts. Bei Athleten aus Afrika oder der Karibik haben auch damit einhergehende T-Negativierungen in V1 bis V4 keinen Krankheitswert.

„Diese Normalbefunde im EKG bei Sportlern sollte jeder Arzt kennen“, so Antz. Derzeit sei das allerdings noch nicht der Fall.

Studie offenbart Lücken

In einer US-Studie wurden Ärzte, die in den Seattle-Kriterien geschult werden sollten, vor der Schulung anhand von 40 ausgewählten EKG-Befunden getestet.

Die Kardiologen lagen im Mittel bei 85 Prozent der EKGs richtig, die Sportmediziner bei 78 Prozent. Nach der Schulung stiegen die Quoten auf 96 Prozent bzw. 91 Prozent. (Drezner JA; Br J Sports Med 2013; 47:122-4). 

Literatur

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