Nachrichten 27.11.2019

Reanimation ohne ST-Hebung im EKG: Frühe Koronarangiografie ohne Vorteil

Bei nach Herzstillstand reanimierten Patienten ohne ST-Streckenhebung im EKG ist eine sofortige Herzkatheteruntersuchung im Vergleich zu einer späteren invasiven Abklärung klinisch ohne Vorteil, bestätigen neue Ergebnisse der COACT-Studie.

COACT ist die erste randomisierte Studie, in der es um den möglichen Nutzen einer sofortigen Koronarangiografie bei Patienten ging, die nach einem außerhalb einer Klinik aufgetretenen Herzstillstand  reanimiert werden konnten und keine ST-Streckenhebung im EKG aufwiesen.

Abgeschwächte Empfehlung auf unsicherer Basis

Nach ST-Hebungsmyokardinfarkt (STEMI) mit Herzstillstand wird eine sofortige Herzkatheteruntersuchung und – wenn nötig – perkutane Koronarintervention (PCI) in den Leitlinien nachdrücklich empfohlen (Klasse-1-Empfehlung). Die gleiche Empfehlung wird auch mit Blick auf reanimierte Patienten ohne ST-Streckenhebung ausgesprochen, aufgrund der nicht eindeutigen und nur auf Beobachtungsstudien gründenden Datenlage allerdings in abgeschwächter Form.

Vor diesem Hintergrund haben niederländische Kardiologen um Prof. Dr. Jorrit Lemkes vom Amsterdam University Medical Centre schon vor einiger Zeit die randomisierte kontrollierte COACT-Studie initiiert. Studienhypothese war, dass eine sofortige Koronarangiografie nach Klinikaufnahme von reanimierten Patienten ohne ST-Streckenhebung im EKG die Überlebenschancen erhöhen würde.

Überlebensrate auch nach einem Jahr nicht verbessert

Diese Hypothese erwies sich als falsch: Nach im Frühjahr 2019 beim ACC-Kongress präsentierten COACT-Ergebnissen waren die Überlebensraten nach 90 Tagen (primärer Studienendpunkt) mit 64,7% (sofortige Koronarangiografie) und 67,2% (verzögerte Koronarangiografie) in beiden Gruppen nicht signifikant unterschiedlich.

Beim AHA-Kongress 2019 in Philadelphia hat Studienleiter Lemkes Mitte November die 1-Jahres-Ergebnisse der COACT-Studie vorgestellt. Wenig überraschend liegen sie auf gleicher Linie wie die 90-Tage-Ergebnisse: Auch nach einem Jahr war zwischen den Gruppen mit sofortiger versus verzögerter Koronarangiografie kein relevanter Unterschied bezüglich der Überlebensrate nachweisbar (61,4% vs. 64,0%).  Auch im Hinblick auf die Häufigkeit  von Myokardinfarkten (0,8% vs. 0,4%), revaskularisierenden Eingriffen (3,8% vs. 3,9%), Klinikeinweisungen wegen Herzinsuffizienz (0,8% vs. 0,4%) oder ICD-Schocks unterschieden sich beide Gruppen nicht.

In der COACT-Studie waren in 19 niederländischen Zentren 552 Patienten mit Herzstillstand außerhalb des Krankenhauses, die keine Anzeichen für einen STEMI hatten und nach Reanimation hämodynamisch stabil waren, entweder sofort oder erst zu einem späteren Zeitpunkt per Herzkatheter untersucht worden. Im Mittel verging in der ersten Gruppe weniger als eine Stunde zwischen Randomisierung und invasiver Untersuchung, in der Vergleichsgruppe waren es 120 Stunden. Letztendlich  waren 97,0% versus 64,7% aller Teilnehmer in beiden Gruppen einer Koronarangiografie unterzogen worden. Die 1-Jahres-Analyse basiert auf Daten von 522 Studienteilnehmern.

Literatur

Lemkes J.: One-year outcomes of coronary angiography after cardiac arrest without ST segment elevation: results of the COACT trial. Vorgestellt beim Kongress der American Heart Association (AHA) 2019, 16. – 18. November 2019, Philadelphia

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