Onlineartikel 01.09.2015

EMA-Studie: NSAR sind unter Alltagsbedingungen sehr sicher

Die in der Primärversorgung angesiedelte SCOT-Studie zeigt, dass eine NSAR-Therapie bei Patienten ohne kardiovaskuläre Erkrankungen mit sehr geringen Komplikationsraten einhergeht. Unterschiede zwischen selektiven und nicht selektiven Präparaten gibt es praktisch keine.

Die SCOT-Studie geht zurück auf eine Initiative der europäischen Arzneimittelbehörde EMA. Hintergrund war die Diskussion um die selektiven nicht steroidalen Antirheumatika oder COX-2-Hemmer, die vor Jahren dazu geführt hatte, dass unter anderem Rofecoxib wegen einer Erhöhung des kardiovaskulären Risikos vom Markt genommen wurde.

Ziel der prospektiv-randomisierten SCOT-Studie, die von Prof. Tom MacDonald von der Universität Dundee bei der Jahrestagung der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie in London vorgestellt wurde, war eine vergleichende Bewertung des primär kardiovaskulären und sekundär auch gastrointestinalen Risikos von NSAR im Vergleich zu Celecoxib bei Patienten mit Arthrose oder rheumatoider Arthritis ohne kardiovaskuläre Grunderkrankung.

Pragmatische Studie

SCOT war eine pragmatische Studie, für die in 707 hausärztlichen Praxen in Schottland, den Niederlanden und Dänemark insgesamt 7.297 Patienten, die bereits NSAR einnahmen, nach Randomisierung entweder eine Behandlung mit Celecoxib oder einem beliebigen nicht selektiven NSAR erhielten.

Der mittlere Follow-up-Zeitraum lag bei 3,2 Jahren. Es handelte sich überwiegend um multimorbide Patienten mit einem Durchschnittsalter von zu Studienbeginn 69 Jahren. Im NSAR-Arm nahmen knapp 40% der Patienten Diclofenac und gut 30% Ibuprofen ein.

Keine Unterschiede zwischen den Vergleichsgruppen

Hauptergebnis der Studie sei, dass es unter den in dieser Studie simulierten Alltagsbedingungen praktisch überhaupt keinen Unterschied zwischen den nicht selektiven NSAR und Celecoxib gegeben habe, so MacDonald. Beim primären kombinierten Endpunkt (kardiovaskulärer Tod oder Klinikeinweisung wegen Myokardinfarkt oder Schlaganfall) waren die Kurven der Ereignisraten im Zeitverlauf in der Intention-to-treat-Anaylse fast deckungsgleich. Es traten jeweils 1,1 Ereignisse pro 100 Patientenjahre auf. Auch bei der Gesamtmortalität gab es keine Unterschiede.

Bei der Auswertung der unterschiedlichen NSAR schnitt Diclofenac in Bezug auf den primären Endpunkt etwas schlechter ab als Ibuprofen, aber auch das war nicht annähernd statistisch signifikant. Und Krankenhauseinweisungen oder Todesfälle wegen ulkusbezogener oberer gastrointestinaler Blutungen (sekundärer Endpunkt) waren in beiden Studienarmen so selten, dass eine vernünftige statistische Auswertung gar nicht möglich war.

„Akzeptables Risikoprofil“

Unterschiede gab es lediglich, wenn vom Arzt diagnostizierte, schwere gastrointestinale Ereignisse gezählt wurden. Hier hatte Celecoxib einen signifikanten Vorteil, allerdings waren es insgesamt nur 38 (Celecoxib) bzw. 66 (andere NSAR) Ereignisse, also erneut sehr wenige.

Die Rate der Patienten, die die Studienmedikation abbrachen, war in der Celecoxib-Gruppe höher. Das könne darauf hindeuten, dass Celecoxib von den Patienten als etwas weniger wirksam empfunden werde, so MacDonald. „Insgesamt haben selektive und nicht selektive NSAR ein akzeptables Sicherheitsprofil. Bei Patienten, denen die Präparate helfen, ist das Risiko-Nutzen-Verhältnis eindeutig positiv“, so MacDonald.

Literatur

MacDonald T. The Standard care versus Celecoxib Outcome Trial (SCOT); a randomized, trial comparing the cardiovascular safety of celecoxib versus traditional non-steroidal anti-inflammatory drugs. Abstract 3156; Hot Line Session III; 31. August 2015