Onlineartikel 15.06.2016

Empagliflozin senkt auch Nephropathie-Risiko

Die Studie EMPA-REG-OUTCOME, die primär eine Reduktion der kardiovaskulären Mortalität durch das Antidiabetikum Empagliflozin gezeigt hat, macht weiter von sich reden. Einer neuen Analyse zufolge wurde auch das Risiko für renale mikrovaskuläre Ereignisse deutlich verringert.

Die EMPA-REG OUTCOME-Studie gilt schon jetzt als Meilenstein in der klinischen Diabetes-Forschung. Denn erstmals konnte überzeugend belegt werden, dass mit dem SGLT2-Hemmer Empagliflozin ein Antidiabetikum bei Risikopatienten mit Typ-2-Diabetes die Inzidenz kardiovaskulärer Ereignisse signifikant verringert.

Entscheidender Effekt war dabei eine Reduktion der kardiovaskulären Mortalität, deren Rate von 5,9 Prozent unter Placebo auf 3,7 Prozent unter Empagliflozin (10 mg oder 25 mg einmal täglich) gesenkt wurde (relative Risikoreduktion: 38 Prozent). Auf die Inzidenz von Herzinfarkten oder Schlaganfällen hatte die Therapie keinen signifikanten Einfluss. An der Studie waren 7020 Patienten mit Typ-2-Diabetes beteiligt, die fast alle auch eine kardiovaskuläre Erkrankung als Indikator für ein erhöhtes Risiko aufwiesen.

Nephropathie im Fokus der neuen Analyse

Neben den makrovaskulären Ereignissen (kardiovaskulär verursachter Tod, Herzinfarkt und Schlaganfall), die den primären kombinierten Studienendpunkt bildeten, waren für die Untersucher auch mikrovaskuläre Ereignisse von Interesse. Welchen Einfluss Empagliflozin speziell auf die diabetische Nephropathie und die Inzidenz von renalen Ereignissen als sekundäre Endpunkte hatte, war Gegenstand einer separaten explorativen Analyse. Deren simultan im „New England Journal of Medicine“ publizierte Ergebnisse hat der Würzburger Nephrologe Prof. Christoph Wanner beim Kongress der American Diabetes Association (ADA) in New Orleans vorgestellt.

Rund ein Viertel aller Studienteilnehmer wies eine renale Funktionseinschränkung auf: Bei 17,8% lag die geschätzte Glomeruläre Filtrationsrate (eGRF) im Bereich zwischen 45 und 59 ml/min, bei 7,7% im Bereich zwischen 30 und 44 ml/min; bei 28,7% bestand zu Beginn eine Mikroalbuminurie, bei 11.0% bereits eine Makroalbuminurie.

In erster Linie wollten die Untersucher klären, ob Empagliflozin das erstmalige Auftreten oder die Verschlechterung einer Nephropathie (primärer renaler Endpunkt) günstig beeinflusst. Komponenten dieses renalen Endpunkts waren die Entwicklung einer Makroalbuminurie, eine Verdopplung der Serumkreatinin-Konzentration, der Beginn einer Nierenersatztherapie und renal verursachter Tod.

Nephropathie-Risiko um 39% reduziert

Während in der Empagliflozin bei 12,7% Prozent aller Patienten eine neu aufgetretene Nephropathie und – falls schon bestehend – deren weitere Verschlechterung festgestellt wurde, war dies in der Placebogruppe bei 18,8% der Fall. Der Unterschied  entspricht einer signifikanten relativen Risikoreduktion für den renalen Endpunkt um 39% durch Empagliflozin (p < 0,001).

Die Ergebnisse im Einzelnen: Das Risiko für eine Progression zur Makroalbuminurie wurde durch Empagliflozin relativ um 38% verringert (Inzidenz: 11,2% vs. 16,2%), das Risiko für eine Verdopplung des Serumkreatinins um 44% (1,5% vs. 2,6%). Das  Risiko für die Einleitung einer Nierenersatztherapie war nur etwa halb so hoch wie unter Placebo (0,3% vs. 0,6%, Risikoreduktion: 55%). Die Unterschiede waren jeweils statistisch signifikant.

Kein Unterschied bei der Albuminurie-Inzidenz

Renal bedingte Todesfälle waren selten, es wurden drei Ereignisse in der Empagliflozin-Gruppe und kein Todesfall in der Placebo-Gruppe registriert. Auch die Raten für neu aufgetretene Albuminurie unterschieden sich nicht signifikant (51,5% vs. 51.2%).

Anhand serieller eGRF-Messungen konnte gezeigt werden, dass Empagliflozin die Nierenfunktion – nach einem kurzfristigen initialen eGRF-Abfall – über längere Zeit stabilisierte, während unter Placebo eine stetige Abnahme zu verzeichnen war.

Additive Effekte auf Basis einer guten Standardtherapie

Die günstigen renalen Effekte waren im Übrigen sowohl bei Patienten mit als auch ohne manifeste Nierenfunktionsstörungen nachweisbar. Sie wurden bei Risikopatienten mit gut eingestelltem Blutdruck erzielt, die bereits zu einem hohem Anteil eine standardmäßige Behandlung mit Blockern des Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems (RAAS) erhalten hatten.

Körpergewicht und Blutdruckwerte von Patienten in der Empagliflozin-Gruppe waren im Schnitt etwas niedriger als in der Placebo-Gruppe. Die Studienautoren gehen allerdings davon aus, dass die diesbezüglichen Unterschiede zu gering sind, um schon eine hinreichende Erklärung für die günstigen renalen Effekt von Empagliflozin liefern zu können. Sie halten auch einen direkten protektiven Effekt für sehr wahrscheinlich.
 

Literatur

Präsentation am 14. Juni 2016 beim Kongress der American Diabetes Association (ADA) 2016, 10.-14. Juni 2016, New Orleans
Wanner C. et al.: Empagliflozin and Progression of Kidney Disease in Type 2 Diabetes, N Engl J Med 2016, online 14. Juni 2016.