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29.08.2017 | ESC 2017 | Nachrichten

ESC 2017: Japanische Registerstudie

„Asian Dust“: Luftverschmutzung erhöht bei Nierenkranken das Infarktrisiko

Autor:
Dr. Ulrike Fortmüller

Die regionale japanische Registerstudie KACE hat den Zusammenhang zwischen schadstoffhaltiger Luft und dem Auftreten akuter Myokardinfarkte untersucht, um einen Risikoscore für gefährdete Menschen zu entwickeln.

Wenn der Westwind vom asiatischen Festland eine Staubwolke in die japanische Präfektur Kumamoto, im Zentrum der drittgrößten südwestlichen japanischen Insel Kyūshū bläst, dann registrieren die umliegenden Krankenhäuser am nächsten Tag einen Anstieg akuter Myokardinfarkte (AMI).

Die ungesunden partikelhaltigen Luftmassen entstehen über den mineralreichen Böden der nördlichen Wüsten Chinas und Ostasiens und legen seit Jahrhunderten immer wieder einen gelben Teppich über große Teile Koreas und Japans, meist zwischen März und Mai. Auf ihrem Weg gen Osten reichert sich dieser „Asian dust“ außerdem mit Sandkörnchen und Bodenpartikeln, immer häufiger aber auch mit chemischen Schadstoffen und Bakterien an, was in den Zielregionen zu einer Verschlimmerung bestehender kardiovaskulärer und Atemwegserkrankungen führen kann.

Folgen hat das dann meist für ältere Menschen mit Vorerkrankungen. Um Betroffene künftig für vorbeugende Maßnahmen identifizieren zu können, hat Dr. Suano Kojima mit Kollegen von der Kumamotu-Universität einen neuen Risikoscore entwickelt. Dafür wurden in der KACE-Studie (Kumamoto Acute Coronary Events) die Daten aus 21 Kliniken in der Präfektur Kumamoto von über 3.700 Patienten ausgewertet, die zwischen 2010 und 2015 einen akuten Herzinfarkt (2.212 ST-Hebungsinfarkte und 1.501 nicht-ST-Hebungsinfarkte, bzw. STEMI/NSTEMI) erlitten hatten. In dieser Zeit war die Gegend 41-mal vom „Asian dust“ heimgesucht worden. Parallel wurden für den gleichen Zeitraum meteorologische Kovariaten wie Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Luftverschmutzung und Influenzawellen analysiert und adjustiert.

24 Stunden nach der Luftbelastung steigt die Infarktrate

Anhand der gesammelten Informationen zeigte sich, dass akute Herzinfarkte einen Tag nach Asian-dust-Wetterlagen mit 45 % höherer Wahrscheinlichkeit auftraten als an anderen Tagen. Als weitere Risikofaktoren, die solche kardialen Ereignisse am Tag 1 nach Staubluftexposition begünstigten, wurden Alter über 75 Jahre, Diabetes mellitus, Bluthochdruck, männliches Geschlecht, Dylipidämie, Raucherstatus und chronische Nierenerkrankungen (CKD) identifiziert.

Der neue Punkte-Score (HAMDeNS Score) für das Herzinfarkt-Risiko wurde mithilfe von Variablen entwickelt, die Subgruppen der Studienteilnehmer mit einer signifikanten Assoziation von Infarktinzidenz und belasteter Luft definierten. Dabei stellte sich heraus, dass das Herzinfarktrisiko unter Luftverschmutzung für CKD-Patienten am stärksten anstieg (p < 0,01). Bezüglich des Raucherstatus überraschte, dass das Infarktrisikoisiko bei Personen, die nie geraucht hatten, gegenüber denen, die aktuell rauchten oder in der Vergangenheit geraucht hatten, höher war.

Kojima empfiehlt Menschen, mit einem erhöhten Risikoscore, an Asian-Dust-belasteten Tagen besser nicht aus dem Haus zu gehen oder Atemmasken zu benutzen und innerhalb von Gebäuden Staubsauger mit Feinpartikelfiltern und Luftreiniger zu benutzen.

Ob diese Empfehlungen womöglich auch nützlich sind für KHK-Risikopatienten in Feinstaub-geplagten deutschen Städten, wäre eine Überprüfung wert.

Literatur

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