Nachrichten 31.08.2017

Gemüse und Früchte verlängern das Leben – bieten aber keinen Herzschutz

Viel Gemüse, Obst und Hülsenfrüchte wirken offenbar lebensverlängernd. Das Herz schützt eine solche ballaststoffreiche Ernährung aber nicht, wie die große Ernährungsstudie PURE gezeigt hat.

Die aktuellen Leitlinien empfehlen, mindestens fünfmal täglich Früchte, Gemüse oder Hülsenfrüchte zu sich zu nehmen. Diese Empfehlung basiert allerdings auf Studienergebnissen, die nur wenige Daten aus Südamerika, den mittleren Osten, Afrika und Südostasien umfassen.

Daher wurden in der PURE-Studie (Prospective Urban Rural Epidemiology) 135.335 Menschen aus 18 Ländern der Welt (Südasien, China, Südostasien, Afrika, Nordamerika/Europa, Mittlerer Osten und Südamerika) zu ihren Ernährungsgewohnheiten mithilfe von länderspezifischen Fragebogen befragt und durchschnittlich 7,4 Jahre lang weiter verfolgt.

Die Ergebnisse wurde von Dr. Andrew Mente aus Kanada auf einer ESC-Hotline-Session vorgestellt.

Maximum bei drei bis vier Portionen

Die durchschnittliche Zufuhr an Früchten, Gemüse und Hülsenfrüchte betrug 3,9 Einheiten pro Tag. Die Gesamtmortalität wurde ab einer Zufuhr von drei bis vier Einheiten pro Tag signifikant reduziert im Vergleich zu einer Portionsgröße von weniger als einer Einheit pro Tag (adjustierte Hazard Ratio: 0,78 [0,69–0,88]). Bei mehr als vier Portionen war keine weitere Reduktion der Mortalität zu sehen. Erstaunlicherweise blieb das Risiko für schwerwiegende kardiovaskuläre Erkrankungen davon unbeeinflusst.

Wenn man nur die Früchte-Zufuhr betrachtet, ergab sich eine Reduktion der kardiovaskulären, nicht kardiovaskulären- und der Gesamtmortalität. Gemüse hatte nur in der rohen Form einen deutlichen Einfluss auf die Gesamtmortalität, bei gekochtem Gemüse fiel dieser nur sehr gering aus.

Sicher gibt es bei dieser Studie einige Limitationen zu beachten. So handelt es sich um eine per Fragebogen einmalig erhobene Evaluation bzgl. der Ernährungsgewohnheiten, die damit eine hohe Irrtumswahrscheinlichkeit birgt. In den verschiedenen Regionen wurden unterschiedliche Ereignisraten beobachtet. Zur Zubereitungsart oder bevorzugten Nahrungsbestandteilen gab es keine Angaben.

Fazit: Lebensverlängernd, aber kein Herzschutz

Als Fazit lässt sich somit sagen, dass in der PURE-Studie entgegen bisheriger Ergebnisse die Zufuhr von Früchten, Gemüse und Hülsenfrüchten zwar eine Reduktion der Gesamtmortalität mit sich brachte. Offenbar scheinen dafür aber drei bis vier Portionen auszureichen. Das Risiko für schwere kardiovaskuläre Ereignisse ließ sich durch eine solche Ernährungsweise überraschenderweise nicht senken. Gemüse sollte demnach besser in roher Form konsumiert werden.

Literatur

Hot Line: Late-Breaking Registry Results 1 Fruit, vegetable, and legume intake and cardiovascular disease and deaths: The Prospective Urban Rural Epidemiology (PURE) study of 135,000 people in 18 countries”, ESC-Kongress, 29.8.2017 in Barcelona

Neueste Kongressmeldungen

Schützt Kaffee vor Arrhythmien?

Ein moderater täglicher Kaffeekonsum hat einer britischen Studie zufolge keine nachteiligen Auswirkungen auf die Entwicklung von Herzrhythmusstörungen. Im Gegenteil, er scheint sogar eine leicht protektive Wirkung zu haben.

Weniger Komplikationen mit kabellosem Herzschrittmacher

Eine kabelloser Herzschrittmacher hat in puncto Sicherheit in einer großen Vergleichsstudie gut abgeschnitten: Die damit einhergehende Rate an  Komplikationen war nach sechs Monaten um mehr als 60% niedriger als nach Implantation transvenöser Schrittmachersysteme.

ESUS-Patienten: Antikoagulation auf Basis der Vorhoffibrose?

Weiter Rätselraten um unklare embolische Schlaganfälle: Eine Vorhoffibrose scheint das Risiko erneuter Schlaganfälle zu erhöhen. Könnte das therapierelevant sein?

Neueste Kongresse

HRS-Kongress 2020 Science

Zwar musste auch die diesjährige Jahrestagung der Heart Rhythm Society in San Diego aufgrund der Corona-Pandemie kurzfristig abgesagt werden, aber für Ersatz wurde gesorgt: mit HRS 2020 Science – einer dreiteiligen Online- und On-Demand-Fortbildungsreihe. 

ACC-Kongress 2020

Das Coronavirus hat auch die ACC-Jahrestagung 2020 radikal verändert: Statt als Teilnehmer vor Ort in Chicago haben Kardiologen nun die Möglichkeit, den Kongress live als „virtuelles Erlebnis“ (virtual experience) digital zu verfolgen.

International Stroke Conference 2020

Die International Stroke Conference ist das weltweit führende Treffen, das sich der Wissenschaft und Behandlung von zerebrovaskulären Erkrankungen widmet. Ausgewählte Highlights finden Sie in diesem Dossier. 

Highlights

Aktuelles zum Coronavirus

Die Ausbreitung des Coronavirus hat einschneidende Folgen auch für die Herzmedizin. Aktuelle Meldungen zu SARS-CoV-2 bzw. zu der Lungenkrankheit Covid-19 finden Sie in diesem Dossier.

HRS-Kongress 2020 Science

Zwar musste auch die diesjährige Jahrestagung der Heart Rhythm Society in San Diego aufgrund der Corona-Pandemie kurzfristig abgesagt werden, aber für Ersatz wurde gesorgt: mit HRS 2020 Science – einer dreiteiligen Online- und On-Demand-Fortbildungsreihe. 

Das könnte Sie auch interessieren

Die häufigsten Echo-Befunde bei COVID-19-Patienten

Erstmals haben Kardiologen COVID-19-Patienten systematisch mittels Echokardiografie untersucht. Dabei stellte sich ein kardialer Befund als besonders häufig und prognoserelevant heraus.

Familiäre Hypercholesterinämie: Weltweite Prävalenz höher als gedacht

In einer Metaanalyse mit mehr als 11 Millionen Teilnehmern errechneten dänische Forscher die weltweite Prävalenz von familiärer Hypercholesterinämie. Besonders bei Patienten mit koronarer Herzkrankheit war sie deutlich erhöht.

Komplette Revaskularisation bei STEMI senkt kardiovaskuläre Mortalität

Im Fall eines Herzinfarktes nicht nur das infarktbezogene Zielgefäß, sondern gleich alle relevanten Koronarstenosen zu behandeln („komplette Revaskularisation“), trägt zur Senkung der kardiovaskulären Mortalität bei. Das bestätigt die bis dato größte Metaanalyse.

Aus der Kardiothek

Hätten Sie es erkannt?

Transthorakale Echokardiographie eines 55jährigen Patienten mit Leistungsknick und atypischen Thoraxschmerzen. Was ist zu sehen?

BNK-Webinar "Neue Optionen unter COVID-19 - Videosprechstunde und anderes…"

Die Coronakrise treibt die Digitalisierung der Kardiologie voran: Videosprechstunde, Telemedizin, Apps. Ganz einfach ist die Umsetzung in die Praxis jedoch nicht. Dr. Norbert Smetak, Kirchheim unter Teck, erläutert, welche technischen, rechtlichen und finanziellen Aspekte zu beachten sind.

BNK-Webinar "COVID-19 - tödliche Verläufe durch mikroangiopathische Schäden?"

Woran versterben COVID-19-Patienten? Prof. Alexandar Tzankov aus Basel erläutert anhand von Autopsieberichten, welche Schädigungen des SARS-CoV-2-Virus zum Tode führen. Einige dieser Befunde überraschen.

Bildnachweise
ESC Kongress 2017 Expertenblickpunkt
Digitaler HRS-Kongress 2020/© [M] jamesteohart / Getty Images / iStock
Digitaler ACC-Kongress 2020/© Sergey Nivens / stock.adobe.com [M]
International Stroke Conference 2020, Los Angeles/© Beboy / Fotolia
Corona/© Naeblys / Getty images / iStock
Transthorakale Echokardiografie/© Monique Tröbs, Mohamed Marwan, Universitätsklinikum Erlangen
BNK-Webinar/© BNK | Kardiologie.org