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31.08.2017 | ESC-Kongress 2017 | Nachrichten

ESC 2017: Erkenntnisse aus der PURE-Studie

Gemüse und Früchte verlängern das Leben – bieten aber keinen Herzschutz

Autoren:
Dr. Norbert Smetak, PD Dr. Stefan Perings

Viel Gemüse, Obst und Hülsenfrüchte wirken offenbar lebensverlängernd. Das Herz schützt eine solche ballaststoffreiche Ernährung aber nicht, wie die große Ernährungsstudie PURE gezeigt hat.

Die aktuellen Leitlinien empfehlen, mindestens fünfmal täglich Früchte, Gemüse oder Hülsenfrüchte zu sich zu nehmen. Diese Empfehlung basiert allerdings auf Studienergebnissen, die nur wenige Daten aus Südamerika, den mittleren Osten, Afrika und Südostasien umfassen.

Daher wurden in der PURE-Studie (Prospective Urban Rural Epidemiology) 135.335 Menschen aus 18 Ländern der Welt (Südasien, China, Südostasien, Afrika, Nordamerika/Europa, Mittlerer Osten und Südamerika) zu ihren Ernährungsgewohnheiten mithilfe von länderspezifischen Fragebogen befragt und durchschnittlich 7,4 Jahre lang weiter verfolgt.

Die Ergebnisse wurde von Dr. Andrew Mente aus Kanada auf einer ESC-Hotline-Session vorgestellt.

Maximum bei drei bis vier Portionen

Die durchschnittliche Zufuhr an Früchten, Gemüse und Hülsenfrüchte betrug 3,9 Einheiten pro Tag. Die Gesamtmortalität wurde ab einer Zufuhr von drei bis vier Einheiten pro Tag signifikant reduziert im Vergleich zu einer Portionsgröße von weniger als einer Einheit pro Tag (adjustierte Hazard Ratio: 0,78 [0,69–0,88]). Bei mehr als vier Portionen war keine weitere Reduktion der Mortalität zu sehen. Erstaunlicherweise blieb das Risiko für schwerwiegende kardiovaskuläre Erkrankungen davon unbeeinflusst.

Wenn man nur die Früchte-Zufuhr betrachtet, ergab sich eine Reduktion der kardiovaskulären, nicht kardiovaskulären- und der Gesamtmortalität. Gemüse hatte nur in der rohen Form einen deutlichen Einfluss auf die Gesamtmortalität, bei gekochtem Gemüse fiel dieser nur sehr gering aus.

Sicher gibt es bei dieser Studie einige Limitationen zu beachten. So handelt es sich um eine per Fragebogen einmalig erhobene Evaluation bzgl. der Ernährungsgewohnheiten, die damit eine hohe Irrtumswahrscheinlichkeit birgt. In den verschiedenen Regionen wurden unterschiedliche Ereignisraten beobachtet. Zur Zubereitungsart oder bevorzugten Nahrungsbestandteilen gab es keine Angaben.

Fazit: Lebensverlängernd, aber kein Herzschutz

Als Fazit lässt sich somit sagen, dass in der PURE-Studie entgegen bisheriger Ergebnisse die Zufuhr von Früchten, Gemüse und Hülsenfrüchten zwar eine Reduktion der Gesamtmortalität mit sich brachte. Offenbar scheinen dafür aber drei bis vier Portionen auszureichen. Das Risiko für schwere kardiovaskuläre Ereignisse ließ sich durch eine solche Ernährungsweise überraschenderweise nicht senken. Gemüse sollte demnach besser in roher Form konsumiert werden.

Literatur

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