Nachrichten 29.08.2017

Duale Therapie mit Dabigatran sicherer als klassische Triple-Therapie

Wenn Patienten mit Vorhofflimmern nach perkutaner Koronarintervention mit Dabigatran und einem Plättchenhemmer behandelt werden, ist das Blutungsrisiko deutlich geringer als unter der klassischen Triple-Therapie mit zwei Plättcheninhibitoren und einem Vitamin-K-Antagonisten, so das Ergebnis der RE-DUAL PCI-Studie.

Bei KHK-Patienten mit Vorhofflimmern, die einen Koronarstent implantiert bekommen, kann es bei der Suche nach der besten blutverdünnenden Therapie schwierig werden, die optimale Balance zwischen Thrombose-Prävention und Blutungsrisiko zu finden. Das Vorhofflimmern erfordert eine orale Antikoagulation, die perkutane Koronarintervention (PCI) vorübergehend eine Nachbehandlung mit zwei Thrombozytenhemmern. Bis vor kurzem empfahlen viele Leitlinien tatsächlich eine solche Triple-Therapie. Diese geht jedoch mit hohen Raten schwerer Blutungen einher.

Schon drei Studien zeigen, dass Triple-Therapie nachteilig ist

In den letzten Jahren hatte die viel diskutierte, aber relativ kleine WOEST-Studie angedeutet, dass in dieser Situation auf eine ASS-Gabe verzichtet werden kann (Dewilde WJ et al. Lancet. 2013;381(9872):1107-15). Die größere PIONEER-AF-PCI-Studie (Gibson CM et al. N Engl J Med. 2016;375:2423-34) bestätigte die Beobachtung: Die Blutungsraten konnten bei Gabe von Rivaroxaban (15 mg/Tag) und einem P2Y12-Inhibitor im Vergleich zur Triple-Therapie deutlich reduziert werden.

Die nun vorgestellten Ergebnisse der RE-DUAL PCI-Studie zementieren das Konzept der dualen antithrombotischen Behandlung in dieser Situation. An der Studie hatten 2.725 Patienten mit Vorhofflimmern teilgenommen. Im Anschluss an eine PCI wurden sie in drei Gruppen entweder mit der klassischen Triple-Therapie (zwei Thrombozytenhemmer plus Vitamin-K-Antagonist) oder dual mit Dabigatran (in den Dosierungen 2 x 110 mg/Tag oder 2 x 150 mg/Tag) und einem P2Y12-Inhibitor behandelt. Im Triple-Therapie-Arm wurde die ASS-Gabe in Abhängigkeit vom verwendeten Stent auf einen Monat (bare-metal stent) oder drei Monate (drug-eluting stent) beschränkt.

Dosisabhängige Reduktion der Blutungsraten

Nach einer durchschnittlichen Beobachtungszeit von 14 Monaten zeigte sich, dass Patienten in den Dabigatran-Armen ebenso gut vor thrombembolischen Ereignissen geschützt waren wie Patienten unter der Triple-Therapie. Die Blutungsraten waren aber signifikant niedriger, berichtete Studienleiter Prof. Christopher Cannon, Baim Institute for Clinical Research in Boston, bei der ESC-Jahrestagung 2017 in Barcelona.

Schwere oder klinisch relevante Blutungen erlitten 15,4 % der Patienten im 110-mg-Arm im Vergleich zu 26,9 % im Triple-Therapie-Arm sowie 20,2 % im 150-mg-Arm versus 25,7 % im Arm mit drei Antithrombotika. Die absoluten Risikosenkungen betrugen demnach 11,5 % für die niedrigere und 5,5 % für die höhere Dabigatran-Dosierung. Intrakranielle Blutungen wurden bei 0,3 % (2 x 110 mg), 0,1 % (2 x 150 mg) und 1 % (Triple-Therapie) registriert.

Thromboembolische Komplikationen wurden in allen Gruppen bei etwa 13,5 % der Patienten beobachtet. Bezüglich der Wirksamkeit erwiesen sich die Dabigratran-Behandlungen als nicht unterlegen.

Die beiden Dosierungen des Thrombininhibitors, die denjenigen in der Schlaganfall-Prophylaxe bei Vorhofflimmern entsprechen, bieten somit zwei weitere gute Optionen für die antithrombotische Nachbehandlung von KHK-Patienten mit Vorhofflimmern, die einer Koronarintervention mit Stent-Einlage unterzogen werden.

Literatur

Jahrestagung der European Society of Cardiology ESC, Barcelona 26.–30. August 2017

Cannon CP et al. Dual Antithrombotic Therapy with Dabigatran after PCI in Atrial Fibrillation. N Engl J Med. 2017; https://doi.org/10.1056/NEJMoa1708454

Neueste Kongressmeldungen

Roboter senkt Strahlenbelastung bei PCI-Eingriffen deutlich

Interventionell tätige Kardiologinnen und Kardiologen sind ständig einer erhöhten Strahlenbelastung ausgesetzt. Deutlich verringern lässt sich die Exposition, wenn ein Roboter sie in der Durchführung von PCI-Prozeduren unterstützt.

Neue invasive HFpEF-Therapie besteht ersten Test

Bei HFpEF-Patienten kann eine Dekompensation auch durch eine Volumenverschiebung von extrathorakal nach thorakal ausgelöst werden. Ein Therapieansatz ist deshalb, dem ungünstigen Shift durch Modulation der Splanchnicus-Aktivität entgegenzuwirken. Erste Daten zu diesem Verfahren werden zwar als positiv bewertet, Kritik bleibt aber nicht aus.

Lungenfunktion bei COVID: Impedanz verhält sich anders als bei Herzinsuffizienz

Lungen bei COVID-Patienten können im Röntgen-Thorax aussehen wie Lungen bei Herzinsuffizienz. Die Lungenimpedanzmessung allerdings verhält sich unterschiedlich.

Neueste Kongresse

DGK-Jahrestagung 2022

„Neue Räume für kardiovaskuläre Gesundheit“ – so lautet das diesjährige Motto der 88. Jahrestagung. Alle Infos und Berichte im Kongressdossier.

ACC-Kongress 2022

Der diesjährige Kongress der American College of Cardiology findet wieder in Präsenz in Washington DC und gleichzeitig online statt. In diesem Dossier lesen Sie über die wichtigsten Studien und Themen vom Kongress.

AHA-Kongress 2021

Die wichtigsten Ergebnisse der beim amerikanischen Herzkongress AHA präsentierten  Studie lesen Sie in unserem Dossier. Bleiben Sie auf dem Laufenden.

Highlights

Kardiothek

Alle Videos der Kongressberichte, Interviews und Expertenvorträge zu kardiologischen Themen. 

Corona, COVID-19 & Co.

Aktuelle Meldungen zu SARS-CoV-2 bzw. zu der Lungenkrankheit COVID-19 finden Sie in diesem Dossier.

Aktuelles und Neues aus der Kardiologie

Bodenverschmutzung mit Herzerkrankungen assoziiert

Während Luftverschmutzung sich leichter beobachten und erforschen lässt, gibt es zu den gesundheitlichen Folgen von Bodenkontamination weniger Daten. Eine deutsche Übersichtsarbeit zeigt, wie Schadstoffe im Boden das Herz schädigen können.

So sicher und effektiv sind Sondenextraktionen in Deutschland

Die Entfernung von Schrittmacher- oder ICD-Elektroden kann eine große Herausforderung sein. Auskunft darüber, wie sicher und effektiv Eingriffe zur Sondenextraktion in Deutschland sind, geben Daten des nationalen GALLERY-Registers.

Sternotomie: Optimaler Start der kardiologischen Reha

Bedeutet ein früher Beginn des Rehabilitationstrainings nach einer Sternotomie ein Risiko für die Heilung oder eine schnellere Genesung, die Muskelabbau und Stürze verhindert? Eine kleine, randomisierte Studie liefert neue Daten dazu.

Aus der Kardiothek

Hätten Sie es erkannt?

Echokardiographischer Zufallsbefund. Was fällt auf?

Interventionelle Techniken bei Herzinsuffizienz: Bei wem, was und wann?

Für das Management von Herzinsuffizienz-Patienten stehen inzwischen auch interventionelle Techniken zur Verfügung, etwa ein intratrialer Shunt zur HFpEF-Therapie oder invasive Devices für die Fernüberwachung. Dr. Sebastian Winkler erklärt in diesem Video, wann der Einsatz solcher Techniken sinnvoll sein könnte, und was es dabei zu beachten gilt.

SGLT2-Hemmung bei Herzinsuffizienz: Mechanismen und pleiotrope Effekte

Inzwischen ist bekannt, dass SGLT2-Inhibitoren über die blutzuckersenkende Wirkung hinaus andere günstige Effekte auf das Herz und die Niere entfalten. Prof. Norbert Frey wirft einen kritischen Blick auf die Studienlage und erläutert daran, was über die Mechanismen der SGLT2-Hemmung tatsächlich bekannt ist.

DGK Jahrestagung 2022/© m:con/Ben van Skyhawk
ACC-Kongress 2022 in Atlanta/© SeanPavonePhoto / Getty Images / iStock
AHA-Kongress 2020 virtuell
Kardiothek/© kardiologie.org
Corona/© Naeblys / Getty images / iStock
Kardio-Quiz Juni 2022/© Stephan Achenbach, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen
Vortrag vom BNK/© BNK | Kardiologie.org