Nachrichten 27.08.2018

Supplementierung von Omega-3-Fettsäuren – es nützt einfach nichts!

Omega-3-Fettsäuren in Form von Fischölkapseln werden millionenfach eingenommen. Menschen erhoffen sich davon eine vorbeugende Wirkung gegen Herzerkrankungen. Doch das ist ein Irrglaube, wie sich nun in einer großen randomisierten Studie  erneut gezeigt hat.

Das Geschäft mit Nahrungsergänzungsmitteln boomt. Omega-Fettsäuren-haltige Fischöl-Kapseln beispielsweise gibt es fast überall zu kaufen, ob im Supermarkt oder in einer der großen Drogeriemarktketten. Viele Menschen sind von der gesundheitlichen Wirkung dieses Nahrungsergänzungsmittels überzeugt – zu Recht?

„Es gibt keine einzige Rechtfertigung für die Einnahme von Omega-3-Fettsäuren“, lautet das vernichtende Urteil von Dr. Louise Bowman, die die Ergebnisse der bisher größten randomisierten Studie zur kardiovaskulären Wirkung von Omega-3-Fettsäuren auf dem ESC-Kongress in München präsentiert hat.

Die ASCEND-Studie könnte nun endgültig das Ende der Omega-3-Fettsäuren-Supplementierung einleiten. Bereits in einer erst kürzlich publizierten Metaanalyse hat sich die Supplementierung von solchen mehrfach ungesättigten Fettsäuren als vollkommen nutzlos erwiesen.

Über 15.000 Patienten randomisiert

In der ASCEND-Studie haben 15.480 Patienten mit Diabetes randomisiert entweder Fischöl-Kapseln (1 g) oder olivenölhaltige Kapseln (1 g) als Placebo erhalten. Die 1 g-Kapsel enthielt 460 mg Eicosapentaensäure (EPA) und 380 mg Docosahexaensäure (DHA). Die Studie wurde  in einem 2×2 faktoriellem Design konzipiert und hat neben dieser Fragestellung auch die Wirkung von ASS in der kardiovaskulären Primärprävention untersucht (Mehr dazu: ASS bleibt in der Primärprävention umstritten).

Nach im Mittel 7,4 Jahren hatte die Einnahme von Omega-3-Fettsäuren-Kapseln keinerlei Wirkung gezeigt, das Risiko für Herzinfarkte, Schlaganfälle, TIA oder für kardiovaskulär verursachte Todesfälle war dasselbe wie in der Placebo-Gruppe (8,9% vs. 9,2% Hazard Ratio: 0,97).

Nun könnte man argumentieren, dass die Supplementierung vielleicht anderweitige Effekte abseits des kardiovaskulären Risikos entfaltet hat. „Wir haben versucht, irgendeine Wirkung zu finden, aber nichts gefunden“, sagt Bowman dazu. So wurde das Krebsrisiko nicht gesenkt, ebenso wenig wie die Häufigkeit von respiratorischen Komplikationen usw.. Auch der Versuch, Subgruppen zu finden, die profitieren könnten, scheiterte.

„Einnahme macht keinen Sinn“

Die Epidemiologin fordert, „die Leitlinienempfehlungen zu überdenken.“ Aktuell werden in den amerikanischen Leitlinien eine Supplementierung mit Omega-3-Fettsäuren  in der kardiovaskulären Sekundärprävention noch empfohlen. Die Studien belegten aber sehr übereinstimmend, dass diese Supplementierung keinen Sinn mache, so Bowman.

Sie betont aber, dass eine „Fischöl-Kapsel kein Fisch ist.“ Man sollte deshalb jetzt nicht Fisch als einen Bestandteil einer gesunden Ernährung verbannen.

Auf die Frage, ob die Dosis womöglich zu gering gewesen sei, antwortete Bowman: Alle Studien, die bisher einen vielversprechenden Effekt gezeigt hatten, wurden mit dieser Dosis vorgenommen. Sie verwies auf weitere laufende Studien (z. B. REDUCE-IT), die die Wirkung einer Supplementierung höherer Omega-3-Fettsäure-Dosen untersuchen. 

Literatur

L Bowman: ASCEND - A randomized trial of omega-3 fatty acids (fish oil) versus placebo for primary cardiovascular prevention in 15,480 people with Diabetes, Hotline Session 2 beim ESC-Kongress, vom 25 bis 29. August 2018 in München

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