Nachrichten 06.09.2019

Angina Pectoris bei Postinfarkt-Patienten ist ein schlechtes Zeichen

KHK-Patienten, die nach einem Infarkt weiterhin an Angina Pectoris leiden, haben eine schlechtere Prognose und sollten intensiv behandelt werden, lautet das Fazit aus den 5-Jahres-Daten des CLARIFY-Registers.

An einer stabilen KHK, neuerdings chronisches Koronarsyndrom genannt, leiden in Europa schätzungsweise 22 Millionen Patienten. Profil und Behandlung der Erkrankung haben sich in den letzten 25 Jahren deutlich verändert. Deshalb wollten die Autoren des internationalen CLARIFY-Registers aktuelle Daten über die Langzeitprognose erheben.

Dazu wurden 32.703 klinisch stabile KHK-Patienten in 45 Ländern rekrutiert, die einen Herzinfarkt oder eine kardiale Revaskularisierung in ihrer Vorgeschichte hatten sowie dokumentierte  koronare Ischämien oder angiografisch gesicherte Koronarverengungen (Stenosegrad über 50%). Beim ESC-Kongress 2019 in Paris berichteten die Autoren um Dr. Emmanuel Sorbets vom Hopital Avicenne in Bobigny/Frankreich 5-Jahres-Ergebnisse.

Kardiovaskuläre Mortalität in 5 Jahren bei 5,5%

Von den Studienteilnehmern erlitten 8% in fünf Jahren einen Herzinfarkt oder sie starben aus kardiovaskulären Ursachen (primärer Endpunkt). 5,5% erlitten einen Herztod, 2,8% einen nicht tödlichen Herzinfarkt, 1,9% einen nicht-tödlichen Schlaganfall, 5,4% mussten wegen Herzinsuffizienz ins Krankenhaus.

Eine deutlich schlechtere Prognose hatten Patienten nach Herzinfarkt, wenn sie an Angina pectoris litten: In dieser Gruppe betrug die Rate für den primären Endpunkt 11,8%, im Vergleich zu 8,2% bei Postinfarkt-Patienten ohne Angina-Symptomatik.

Bei KHK-Patienten ohne Infarkt-Anamnese war eine Angina-Symptomatik dagegen ohne prognostische Bedeutung. Mit und ohne Angina kam es bei  6,4% bzw. 6,3% der Patienten zu einem Ereignis des primären Endpunkts.

Folgende weiteren Faktoren erhöhten das Risiko für Infarkte oder Herztod: Krankenhausbehandlung wegen Herzinsuffizienz (HR: 2,13), aktuelles Rauchen (HR: 1,77), Vorhofflimmern (HR; 1,61), Diabetes (HR: 1,4), PAVK (HR: 1,31).

„Wir konnten zum erstem Mal zeigen, dass Angina die Prognose von Postinfarkt-Patienten verschlechtert. Das ist eine einfach zu identifizierende Patientengruppe, wo die präventive Behandlung intensiviert und die Medikation in voller Dosis verschrieben werden sollte“, sagte Sorbets.

Luft nach oben bei der präventiven Medikation

Zwar erhielten die meisten Patienten die einschlägigen präventiven Medikamente. Doch entweder wurden sie zu gering dosiert oder die Patienten nahmen sie nicht zuverlässig ein. 65% der Patienten erreichten das ältere Blutdruckziel <140/90 mmHg, nur 29% den aktuell empfohlenen Zielblutdruck von < 130/80 mmHg. 61% der Patienten wiesen LDL-Werte unter 100 mg/dl auf, aber nur 21% unter 70 mg/dl. Beide Risikoparameter waren nur bei 7,4% der Patienten im Optimal-Bereich.

Literatur

Kongress der European Society of Cardiology  (ESC), 31.08.-04.09.2019, Paris, Hot Line Session 5

Sorbets E, et al.: Long-term outcomes of chronic coronary syndrome worldwide: insights from the international CLARIFY registry. European Heart Journal 2019. doi: 10.1093/eurheart/ehz660