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11.02.2015 | Nachrichten | Onlineartikel

Koronares Risiko

Ex-Raucher: Mehr Atherosklerose, aber nicht mehr Ereignisse?

Autor:
Philipp Grätzel

Ex-Raucher haben in der CCTA weniger hübsche Koronararterien als Menschen, die gar nicht geraucht haben. Sie haben aber keine erhöhte kardiovaskuläre Ereignisrate.

Das wollen Wissenschaftler im Rahmen eines großen internationalen Multicenterregisters zur koronaren CT-Angiographie (CCTA) herausgefunden haben. Aus dem deutschsprachigen Raum waren die Universitäten Erlangen, Zürich und Innsbruck sowie das Deutsche Herzzentrum München beteiligt.

Konkret handelte es sich um das Register CONFIRM (Coronary CT Angiography Evaluation for Clinical Outcomes: An International Multicenter Registry), das mehr als 27.000 Patienten beinhaltet. Für die aktuelle Analyse wurden 9.456 Personen mit initial unbekanntem Koronarstatus ausgewählt, bei denen Informationen zum Raucherstatus vorlagen.

Klarer Zusammenhang: Wer raucht(e), hat schlechtere Koronarien

Koronarstatus und kardiovaskuläre Ereignisrate nach der CCTA wurden mit dem Zigarettenkonsum in Beziehung gesetzt. 5685 Personen hatten noch nie geraucht. 1.588 waren aktive Raucher und 2.183 wurden als Ex-Raucher eingestuft. Dafür mussten sie mindestens drei Monate vor der CCTA mit dem Rauchen aufgehört haben.

Für die statistische Analyse wurden zwei Methoden angewandt. In einem ersten Schritt erfolgte eine konventionelle Risikofaktoradjustierung. Im zweiten Schritt wurden jeweils 1.000 Probanden aus jeder der drei Gruppen im Verhältnis 1:1:1 gematcht.

Erwartungsgemäß gab es deutliche Unterschiede zwischen den Koronararterien von Rauchern bzw. Ex-Rauchern und Menschen, die nie geraucht haben. Raucher und Ex-Raucher hatten mehr Plaques als Nichtraucher. Im Vergleich zwischen aktiven Rauchern und Ex-Rauchern schnitten die Ex-Raucher in diesem Punkt sogar schlechter ab.

Gemessen wurde die Plaquemenge in der CCTA mit dem SI-Score, der etwas darüber aussagt, wie viele Segmente der Koronarien von der Atherosklerose betroffen sind. Auch der Anteil von Patienten mit obstruktiver 1-, 2- und 3-Gefäß-KHK war in den beiden Rauchergruppen jeweils signifikant höher als bei Menschen, die nicht geraucht haben.

Beobachtungszeitraum nicht lang genug?

Die starke Atheroskleroselast ging aber nur bei aktuellen Rauchern, nicht dagegen bei Ex-Rauchern, mit einem signifikant erhöhten Risiko für schwere kardiovaskuläre Ereignisse (MACE) einher. Dies gilt zumindest für den Beobachtungszeitraum von 2,8 Jahren, den die Studie überblickt.

In der konventionell auf Risikofaktoren adjustierten Analyse war das MACE-Risiko bei aktuellen Rauchern im Vergleich zu Personen, die nicht geraucht haben, fast doppelt so hoch (Hazard Ratio 1,9; p<0,001). Bei Ex-Rauchern war das MACE-Risiko dagegen nur leicht und nicht signifikant erhöht (Hazard Ratio 1,2; p=0,35). In der Auswertung der gematchten Populationen waren die Ergebnisse ganz ähnlich.

Wie sind diese Ergebnisse zu interpretieren? Die Autoren weisen darauf hin, dass bekannt sei, dass das kardiovaskuläre Risiko nach einer erfolgreichen Rauchentwöhnung relativ rasch absinkt. Gründe könnten eine Verbesserung von endothelialer Dysfunktion und Plättchenaggregation sein. Die Frage ist, was längerfristig passiert. So ist aus Kohortenstudien bekannt, dass die Senkung der Mortalität durch eine Rauchentwöhnung umso größer ist, je früher entwöhnt wird. Möglicherweise war also der Beobachtungszeitraum in der aktuellen Studie einfach nicht lang genug. 

Literatur

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