Onlineartikel 08.05.2015

Hausbesuche von Ärzten per App ordern?

In den USA machen Smartphone-Apps Furore, mit denen sich Ärzte direkt ins Wohnzimmer ordern lassen. In Deutschland gibt es den KV-Notdienst zwar noch nicht per App. Aber was nicht ist, kann ja noch werden.

In Zeiten des Web 2.0 werden Dienstleistungen aller Art über mobile Plattformen angeboten. Der Taxi-Service Uber, der private Autobesitzer zu Gelegenheitschauffeuren werden lässt, beschäftigt in Deutschland mittlerweile die Gerichte. Weniger umstritten sind Plattformen, über die haushaltsnahe Dienstleistungen angeboten werden. Auch Handwerker lassen sich recht gut per App ordern.

Ein Arzt für 99 Dollar

Nachdem die medizinische Versorgung letztlich auch eine Dienstleistung ist, stellt sich die Frage, ob nicht auch Ärzte auf diesem Weg „bestellt“ werden könnten. In den USA wurde die Antwort bereits gegeben: Es gibt dort diverse Smartphone-Apps, über die sich – ganz ähnlich wie bei Uber – ein Arzt anfordern lässt. Der in New York agierende Service „Pager“ bietet eine dieser Apps an. Einer der Gründer war interessanterweise auch an der Gründung von Uber beteiligt.

Ein anderer Anbieter trägt den Namen „Heal“. Wer sich registriert und seine Kreditkartendaten hinterlegt, kann damit in Los Angeles und San Francisco Ärzte bestellen, die zu einem Preis von 99 US-Dollar in je nach Stadtteil maximal 20 bis 60 Minuten vor Ort sind. Demnächst soll das Angebot einem Bericht der New York Times zufolge auf 15 weitere Städte ausgedehnt werden. Ein weiterer Anbieter, der mit Google kooperiert, ist „Doctor on Demand“, ebenfalls in San Francisco angesiedelt.

Bei Herzinfarkt besser den Notarzt rufen

Naturgemäß sind solche fliegenden Doktoren nicht für alle Zwecke geeignet: In erster Linie geht es um hausärztliche Dienste. Bei einem Herzinfarkt dürfte der Notarzt auch in Kalifornien weiterhin die bessere Wahl sein.

Gut ausgestattet sind die App-Mediziner allerdings schon: Bei „Heal“ verfügen sie über diverse technische Gadgets, die unter anderem die Aufzeichnung eines EKG und eine HD-Video-Otoskopie erlauben. Dass damit bei Bedarf auch telemedizinische Expertise eingeholt werden kann, liegt auf der Hand: Das Unternehmen kooperiert mit mehreren Krankenhäusern.

Nicht überall in den USA stoßen die „Uber-Doktoren“ auf Begeisterung. In einigen Bundesstaaten gibt es Restriktionen für Telemedizin, sodass die von den Apps teils angebotenen Videokonsultationen nicht durchgängig verfügbar sind.

Auch in Deutschland ein praktikables Konzept?

In Deutschland verbieten die Berufsordnungen der Ärztekammern rein virtuelle Konsultationen, auch wenn in gewissen Konstellationen, namentlich bei telefonischen Beratungen durch den KV Notdienst, seit Jahrzehnten ein Auge zugedrückt wird. Per App bestellte Hausbesuche wären dagegen mit den Berufsordnungen im Prinzip vereinbar. Eine App für den KV-Notdienst beispielsweise ist durchaus denkbar.

In praxi scheitern dürften kommerzielle Uber-Doc-Angebote derzeit aber an der Vergütungsthematik. In den USA können die App-Konsultationen über private Krankenversicherungen abgerechnet werden. Und auch die staatlichen Versicherungen arbeiten oft mit Selbstbeteiligungen, sodass die App-Angebote für die Patienten finanziell in vielen Fällen keine Draufzahlgeschäfte sind.

In Deutschland ist das im GKV-Markt bekanntlich anders, wie jüngst unter anderem das in Berlin ansässige Unternehmen Klara (vormals goderma) erfahren musste, das einen App-basierten teledermatologischen Konsultationsdienst anbietet. Das Angebot lohnte sich in Deutschland nicht, weil die Bezahlbereitschaft nicht hoch genug ist. Mittlerweile agiert Klara sehr erfolgreich mit Schwerpunkt in den USA.