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10.10.2016 | Herz und Diabetes | Nachrichten

Metabolisches Syndrom

Bewegung als Medikament – Sport auf Rezept

Autor:
Dr. Ulrike Fortmüller

Übergewicht erhöht das Risiko für Typ-2-Diabetes und mit Diabetes steigt wiederum das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Mit geeigneter körperlicher Aktivität lässt sich die Fitness wieder steigern. Wenn Sport als Medikament eingesetzt wird, sinkt das Mortalitätsrisiko.

Das Mortalitätsrisiko hängt eher von der Fitness als von der „Fatness“ ab, sagte Dr. Susanne Berrisch-Rahmel, CardioCentrum Düsseldorf, im Rahmen einer Pressekonferenz bei den DGK-Herztagen in Berlin. Denn auch übergewichtige Menschen können, wenn sie fit sind und regelmäßig trainieren ihr kardiovaskuläres Risiko reduzieren. Allerdings fehlt es oft an der Motivation zur sportlichen Betätigung und dann wird das zusätzliche Gewicht selbst zum Risikofaktor, z. B. für ein metabolisches Syndrom.

Bewegung ist empfehlenswert

Weil die vorbeugende Wirkung von regelmäßiger Bewegung für Erkrankungen des Herz-Kreislauf-System einerseits wissenschaftlich gut belegt ist und andererseits Bewegungsmangel weltweit zu den wichtigsten vermeidbaren Todesursachen, gehört, gibt es in den Leitlinien der europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC) entsprechende Empfehlungen zur kardiovaskulären Prävention: 150 Minuten moderates aerobes Training (wie mäßiges Gehen, langsames Radfahren, Staubsaugen oder Rasenmähen) in der Woche, bzw. 5 mal 30 Minuten.

Alternativ darf es auch 75 Minuten oder 5 mal 15 Minuten intensives anaerobes Training (wie Joggen, Schwimmen, Tennis-Einzelspiel oder schnelles Radfahren) sein. Von der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislauferkrankungen (DGK) werden vier- bis fünfmal wöchentlich 30 bis 45 Minuten Bewegung, davon aber mindestens 10 Minuten mit mäßiger Intensität (z. B. dynamische Ausdauersportarten unterhalb der maximalen Herzfrequenz, ergänzt durch Kraftsport) empfohlen.

Langfristig, regelmäßig und individuell

Diese Aktivitätsziele sind allerdings für untrainierte und/oder übergewichtige Menschen sehr anspruchsvoll und kaum erreichbar. Aber auch schon eine geringe Steigerung in Sachen Bewegung kann das Erkrankungsrisiko senken und die Lebensqualität erhöhen, so Berrisch-Rahmel. Manchen Patienten helfen dabei Apps oder Schrittzähler, die z. B. das Bewegungsziel von täglich 10.000 Schritten dokumentieren. Denn „Jeder Schritt zählt“, wie das Motto einer Kampagne der Herzstiftung lautet.

Optimal wäre eine individuelle Trainingsberatung auf Rezept, doch das kommt leider viel zu selten zum Einsatz, weil die „sprechende Medizin“ nicht genügend honoriert wird, meinte Berrisch-Rahmel. Wichtig ist, dass Übergewichtige, auch wenn sie langsam beginnen, langfristig und regelmäßig Sport treiben sowie die richtige Sportart wählen, die Spaß machen und ggf. gelenkschonend sein soll. Vor dem Trainingsbeginn wird außerdem eine fachärztliche Untersuchung empfohlen.

Wenn man Sport als Medikament betrachtet, wird klar, dass mit einer kleineren Dosis gestartet werden kann, die dann langsam auf die optimale Zieldosis hochtitriert wird, erklärte Berrisch-Rahmel. Und da in Deutschland laut WHO-Daten mittlerweile 54,8 Prozent der Erwachsenen übergewichtig sind, könnte eine Mobilisierung per Sportrezept große präventive Effekte haben. 

Literatur

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