Nachrichten 12.08.2022

Herzinsuffizienz und Diabetes: Gemeinsames Positionspapier mit Empfehlungen

Diabetologen und Kardiologen in Deutschland weisen in einem Positionspapier auf das Wechselspiel von Diabetes und Herzinsuffizienz hin. Sie betonen: Beide Erkrankungen werden noch zu selten diagnostiziert.

Untersuchungen haben ergeben, dass bei fast einem Drittel aller Diabetespatientinnen und -patienten eine Herzinsuffizienz vorliegt. Hinzu kommt noch eine hoch geschätzte Dunkelziffer.

Umgekehrt ist die Herzinsuffizienz mit einer schlechten Stoffwechsellage verbunden: In entsprechenden Studien haben 30 bis 40% aller Herzpatientinnen und -patienten bereits einen Prädiabetes oder manifesten Typ-2-Diabetes, erinnert die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) in einer Mitteilung.

Um auf die Häufigkeit und das zuweilen tödliche Zusammenspiel dieser Erkrankungen verstärkt aufmerksam zu machen, haben die DDG und die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK) ein erstes gemeinsames Positionspapier herausgegeben.

Dieses soll Ärztinnen und Ärzte für die Krankheitsbilder sensibilisieren und auf die Notwendigkeit aufmerksam machen, die Betroffenen beider Erkrankungen regelmäßig zu untersuchen und interdisziplinär zu therapieren, teilt die DDG zur Veröffentlichung des Positionspapiers mit.

Fakten zu den Erkrankungen, Tipps für Diagnostik und Therapie

Das Papier fasst die Datenlage zu beiden Erkrankungsbildern kompakt zusammen. Zudem gibt es Empfehlungen, was bei Diagnose und Therapie zu beachten ist.

„Es ist daher davon auszugehen, dass die Diagnose dieser Form der Herzinsuffizienz bei Menschen mit Diabetes viel zu selten gestellt wird und dass es eine hohe Dunkelziffer von bereits Betroffenen gibt“, erklärt die Erstautorin des Positionspapiers PD Dr. Katharina Schütt, Sprecherin der DGK-Arbeitsgruppe „Herz und Diabetes“, in der Mitteilung der DDG. „Wenn der oder die Betroffene symptomatisch ist, kann eine solche Dysfunktion mittels Echokardiografie ermittelt werden.“

Umgekehrt haben Herzinsuffizienzpatientinnen und -patienten ein signifikant erhöhtes Risiko, einen Typ-2-Diabetes zu entwickeln. „Auch hier empfehlen wir dringend regelmäßige Diabetes-Screenings, bei denen der Glukose- und HbA1c-Wert gemessen und gegebenenfalls noch der oGTT ermittelt wird“, so Prof. Dirk Müller-Wieland, Sprecher des fachübergreifenden DDG Ausschusses „Herz, Diabetes & Hormone der DDG, DGE & DGK“.

Das neue Positionspapier richtet sich an Fachärztinnen und -ärzte aus der Diabetologie und Kardiologie und steht Interessierten ab sofort hier zur Verfügung: https://www.ddg.info/politik/stellungnahmen/positionspapier-herzinsuffizienz-und-diabetes

Literatur

Pressemitteilung der DDG: DDG und DGK weisen auf tödliches Wechselspiel und zu seltene Diagnosestellungen der Erkrankungen hin, veröffentlicht am 11. August 2022

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