Nachrichten 13.08.2018

Typ-1-Diabetes: Früher Erkrankungsbeginn kostet mehr Lebensjahre

Wer als Kind an Typ-1-Diabetes erkrankt hat im Vergleich zur Manifestation im Erwachsenenalter eine deutlich geringere Lebenserwartung, so eine Studie aus Schweden. Ärzte plädieren deshalb dafür, kardioprotektive Medikamente wie Statine  deutlich früher zu erwägen.

Eine frühe Manifestation von Typ-1-Diabetes ist im Vergleich zu einer späten Manifestation mit einem deutlich höheren Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und für frühen Tod verbunden. 

Bis zum zehnten Lebensjahr

In einer schwedischen Beobachtungsstudie wurde bei Erkrankungsbeginn bis zum zehnten Lebensjahr eine im Vergleich zu gesunden Menschen um 16 Jahre reduzierte Lebenserwartung ermittelt; waren die Patienten im Alter von 26 bis 30 Jahre erkrankt, gab es mit 10 Jahren deutlich weniger Verlust (Lancet 2018; 392: 477).

Für die Studie haben Forscher um Dr. Araz Rawshani von der Universität Göteborg Studie Gesundheitsdaten von etwa 27.000 Typ-1-Diabetikern aus dem nationalen schwedischen Register analysiert. Die Teilnehmer waren im Mittel 29 Jahre alt und hatten höchstens 20 Jahre Diabetes gehabt; sie wurden durchschnittlich zehn Jahre nachverfolgt. Die Befunde wurden mit Daten von 135.000 gemachtchten gesunden Kontrollpersonen verglichen.

30-fach erhöhtes Risiko für Herzinfarkte

Ergebnis: In der Beobachtungszeit waren 959 Diabetiker und 1501 Kontrollpersonen gestorben:

Probanden mit früher Diabetes-Manifestation hatten im Vergleich zu altersgleichen gesunden Menschen ein 30-fach erhöhtes Risiko für Herzinfarkte und andere schwere kardiale Ereignisse (jährlich 0,31 vs 0,02 Fälle pro 100 000). Die jährliche Sterberate an allen Ursachen war im Vergleich vervierfacht (0,61 vs 0,17/100 000).

Bei spätem Erkrankungsbeginn ergab sich im Vergleich zu altersgleichen gesunden Menschen ein sechsfach erhöhtes Risiko für Herzinfarkte und andere schwere kardiale Ereignisse (0,87 vs 0,25/100 000). Die jährliche Sterberate war im Vergleich zur Normalbevölkerung verdreifacht (1,9 vs 0,6).

Bei der Therapie beachten

Die Forscher geben zu bedenken, dass das absolute Risiko für Tod oder kardiale Ereignisse mit den Lebensjahren zunimmt, was sich auch in den höheren Werten bei den spät Erkrankten sowie deren Vergleichspersonen niederschlägt. Bei den früh Erkrankten ist jedoch die relative Überschuss-Mortalität im Vergleich zu ihren gesunden Kontrollpersonen um ein Vielfaches höher. Dies müsse in Therapieempfehlungen berücksichtigt werden.

Statine und ACE-Hemmer schon ab 30 bis 40

„Bei Typ-1-Diabetiker mit frühem Erkrankungsbeginn sollten schon im Alter von 30 bis 40 Jahren kardioprotektive Medikamente wie Statine oder ACE-Hemmer erwogen werden“, betont Co-Autor Prof. Naveed Sattar von der Universität Glasgow in einer Mitteilung des Fachblatts „Lancet“. 

Bisher würden nur 10 bis 20% der Typ-1-Diabetiker im Alter von 40 Jahren mit Statinen behandelt. Auch seien Raucherentwöhnung sowie eine konsequente antidiabetische Therapie sinnvolle Maßnahmen, um das Leben Betroffener zu verlängern. 

Erfreulich sei, dass technische Fortschritte junge Menschen bei ihrer Stoffwechseleinstellung besser unterstützen können.

Literatur

Araz Rawshani et al.: Excess mortality and cardiovascular disease in young adults with type 1 diabetes in relation to age at onset: a nationwide, register-based cohort study. Lancet 2018; 392: 477–86

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