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12.09.2016 | Herz und Gefäße | Nachrichten

Neue Studie zur Lipidsenkung

Statin plus Ezetimib: Was bringt die stärkere LDL-Senkung?

Autor:
Veronika Schlimpert

Die Hinzugabe von Ezetimib zu einem Statin hat in einer japanischen Studie die Rate kardiovaskulärer Ereignisse nicht signifikant stärker gesenkt als das Statin allein. Ob dieses Ergebnis als Beleg für den fehlenden Zusatznutzen der Kombination gelten kann, ist allerdings fraglich. 

Für Patienten mit akutem Koronarsyndrom (ACS) und Dyslipidämie besteht die Möglichkeit, mit der Gabe eines Cholesterin-Aufnahme-Hemmers zusätzlich zu einem Statin eine weitere Senkung des LDL-Cholesterins zu erreichen. Dieses Konzept hat sich in der IMPROVE-IT-Studie bereits als erfolgreich herausgestellt: Mit der Kombinationstherapie aus einem Statin und Ezetimib kam es zu signifikant weniger kardiovaskulären Ereignissen als mit der alleinigen Statin-Behandlung. 

HJI-PROPER: Signifikanz verfehlt 

Auf dem diesjährigen ESC-Kongress wurde nun eine japanische Studie mit dem Namen HIJ-PROPER (Heart Institute of Japan – Proper Level of Lipid Lowering with Pitavastatin and Ezetimibe in Acute Coronary Syndrome) vorgestellt, die im Prinzip denselben Vergleich machte ¬ – allerdings mit einem neutralem Ergebnis. 

Nach einer durchschnittlichen Nachbeobachtungszeit von 3,9 Jahren trat der primäre Endpunkt – eine Kombination aus Gesamtmortalität, nicht-tödlichem Herzinfarkt und Schlaganfall, unstabile Angina sowie Revaskularisation – in der Gruppe mit intensiver LDL-C-Senkung zwar seltener auf als bei den Patienten mit alleiniger Statin-Therapie (32,8% vs. 36,9%, Hazard Ratio= 0,89). Doch dieses Resultat war nicht signifikant (p=0,152). 

Zu wenig Teilnehmer, zu wenig Zeit

Nach Ansicht von Experten sollte man dieses Ergebnis aber nicht überbewerten. Denn mit 1.734 Patienten hat die HIJ-PROPER-Studie gerade mal ein Zehntel der Teilnehmerzahl der IMPROVE-IT-Studie, nachbeobachtet wurde gerade mal die Hälfte der Zeit. Schaut man sich die Kurven für den primären Endpunkt in IMPROVE-IT an, wird der Unterschied zwischen beiden Behandlungsregimen auch erst nach etwa drei bis vier Jahren deutlich. 

Der Knackpunkt von HIJ-PROPER ist somit die fehlende statistische Power. So sind nach Ansicht von Brian Ference von der Wayne State University School of Medicine in Detroit „die Ergebnisse von HIJ-PROPER sogar im Einklang mit denen der IMPROVE-IT-Studie.“ Eine Reduktion des primären Endpunktes von 11% sei bei einem Unterschied der LDL-Konzentration von 20 mg/dL zwischen den Gruppen zu erwarten gewesen, so Ference. Die Risikosenkung ist damit sogar größer als die, die in IMPROVE-IT erreicht worden war. 

In der HIJ-PROPER-Studie erhielten 869 ACS-Patienten eine Kombination aus Pitavastatin und Ezetimib mit dem Ziel ein LDL-C von unter 70 mg/L zu erreichen; 865 Teilnehmer bekamen Pitavastatin allein; ihr LDL-C sollte zwischen 90 und 100 mg/dl betragen. Letztlich sank das LDL-C der Patienten mit Kombinationstherapie im Schnitt um ¬51,7%, mit der Monotherapie um 37,6%. 

Subgruppe profitiert womöglich mehr

Ein statistisch positives Resultat konnten die Studienautoren um Nobusisa Hagiwara von der Women`s Medical University in Tokio dann aber doch vorweisen. In einer Subgruppenanalyse hatten jene Teilnehmer, die zu Beginn einen erhöhten Wert des Cholesterol-Absorption-Markers Sitosterol aufwiesen(≥2,2 µg/mL), mit der Kombinationstherapie ein um 29% geringeres Risiko für den primären Endpunkt als mit der Monotherapie (27,8% vs. 37,5%, p=0,010). 

Womöglich sei die Bestimmung dieses Biomarkers wichtig, um in Zukunft diejenigen Patienten zu identifizieren, die von Ezetimib profitieren, kommentierte Hagiwara das Ergebnis in einer Hot Line-Sitzung beim ESC in Rom. Momentan ist die Messung von Sitosterol in der Praxis allerdings nicht üblich, sie kann nur in speziellen Fällen angeordnet werden. 

Nach den neuen ESC/EAS-Leitlinien zum Management der Dyslipidämie, die kurz vor dem ESC-Kongress im European Heart Journal publiziert wurden, sollte bei Hochrisikopatienten ein LDL-C-Zielwert von unter 70 mg/dL angestrebt werden. Die Plausibilität dieser Empfehlung ist nach den Ergebnissen der HIJ PROPER-Studie wohl nicht infrage zu stellen.  

Literatur

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