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17.11.2016 | Herz und Gefäße | Nachrichten

Entwicklung der letzten 40 Jahren

Weltweit leiden immer mehr Menschen an Bluthochdruck

Autor:
Veronika Schlimpert

Die Prävalenz des Bluthochdrucks hat in den letzten 40 Jahren in den Industrienationen stark abgenommen. Trotzdem leiden weltweit immer mehr Menschen an Bluthochdruck.

Weltweit nimmt die Zahl von Bluthochdruck Betroffener zu. So litten im Jahr 1975 insgesamt 594 Millionen Menschen an einem erhöhten Blutdruck, im Jahr 2015 waren es bereits 1,1 Milliarden. Dabei scheint dieser bedeutsame kardiovaskuläre Risikofaktor nicht mehr nur ein Problem der Industrienationen darzustellen.

Im Gegenteil, in den letzten 40 Jahren nahm die Prävalenz des Bluthochdrucks in Ländern mit niedrigen und mittleren Einkommen in Südasien (z. B. Bangladesch und Nepal) und in der Subsahara gelegenen Regionen Afrikas (z. B. Äthiopien und Malawi) am deutlichsten zu (in Äthiopien von 23,8% bei Männern in 1975 auf 28,8% in 2015).

In einkommensstarken Ländern wie Deutschland, Kanada, Australien oder Schweden wurde hingegen eine deutliche Senkung der Bluthochdruckraten erreicht. So sank die Prävalenz bei den deutschen Männern von 44,9% in 1975 auf 24,3% in 2015, bei den Frauen von 35,2% auf 15,5%.

In Zentral- und Osteuropäischen Nationen wie Slowenien oder Litauen gingen die Raten zwar geringfügig zurück, blieben aber noch auf einem recht hohen Niveau (in Slowenien von 40,3 bzw. 34,1% auf 35,8 bzw. 24,9% für Männer bzw. Frauen).

Umfangreiche Blutdruckstudie

Die aktuellen Zahlen entstammen der bisher umfangreichsten und am längsten dauernden Analyse zur globalen Blutdruckentwicklung. Die „Risk Faktor Collaboration (NCD-Risc)“ – ein Verbund weltweit tätiger Wissenschaftler, die sich der Erforschung nicht-übertragbarer Erkrankungen zugewendet haben – hat dafür Blutdruckdaten aus 1.479 Studien mit insgesamt 19,1 Millionen Erwachsenen aus 200 Ländern und Regionen gepoolt und ausgewertet. 

Demnach ging die altersstandardisierte Prävalenz des Bluthochdrucks (> 140 mmHg systolisch oder > 90 mmHg diastolisch) von 29,5% im Jahr 1975 auf 24,1% in 2015 bei Männern und von 26,1% auf 20,1% bei Frauen zurück – mit dem stärksten Rückgang in einkommensstarken Regionen, gefolgt von Lateinamerika, der Karibik, Zentral- und Osteuropa sowie Nordafrika.

Bevölkerungswachstum und Alterszunahme als Hauptursachen

Dass numerisch trotzdem mehr Menschen an Bluthochdruck leiden, ist hauptsächlich auf das Bevölkerungswachstum und den generellen Altersanstieg zurückzuführen, wie in der entsprechenden Publikation in „The Lancet“ verwiesen wird. Diese Zunahme werde durch die rückläufige altersspezifische Prävalenz teilweise abgeschwächt. Trotz allem leiden in den Industrienationen immer noch 141 Millionen Menschen an Bluthochdruck und in den ärmsten Regionen der Welt nimmt die Zahl der Betroffenen weiter zu.

Nicht mehr nur ein Problem der Industrienationen

Ein erhöhter Blutdruck habe sich somit von einem hauptsächlich die Industrienationen betreffenden Risikofaktor nun auch zu einem Risikofaktor der ärmeren Regionen der Welt entwickelt, machen die NCR-Risc-Mitglieder aufmerksam. 

Ihrer Ansicht nach könnte dies zum einen an der Ernährung der Bevölkerung dieser Länder liegen, mit einer geringen Zufuhr an frischen Früchten und Gemüse und einem hohen Salzkonsum. Zum anderen würden viele Betroffene dort nicht behandelt werden. Daher sollten die Politik und internationale Organisationen vielfältige bevölkerungsweite Maßnahmen in diesen Regionen in die Wege leiten, um diesem Problem Herr werden zu können.

Als Limitation geben die NCR-Risc-Wissenschaftler an, dass in einigen Ländern, speziell in Subsahara-Afrika und der Karibik, nur wenige Daten vorgelegen haben und die Schätzungen hier fast oder gänzlich auf statistischen Modellen basierten. Ebenso einen Einfluss auf die Blutdruck-Trends könnten die jeweiligen für den Zeitraum typischerweise angewendeten Messmethoden gehabt haben.

Literatur

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