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16.04.2019 | Herz und Niere | Nachrichten

Erfolg mit Canagliflozin

CREDENCE-Studie publiziert: SGLT2-Hemmer beweist nephro- und kardioprotektive Wirkung

Autor:
Peter Overbeck

Der SGLT2-Hemmer Canagliflozin ist bei Patienten mit Typ-2-Diabetes und Nephropathie aufgrund seiner nephro- und kardioprotektiven Wirkung von klinischem Nutzen, hat die Phase-III-Studie CREDENCE unter Beweis gestellt. Ihre Ergebnisse sind jetzt im Detail publiziert worden.

Die randomisierte placebokontrollierte CREDENCE-Studie (Canagliflozin and Renal Events in Diabetes With Established Nephropathy Clinical Evaluation) sollte bekanntlich primär den Nachweis erbringen, dass der SGLT2-Hemmers Canagliflozin bei Patienten mit Typ-2-Diabetes die Progression einer manifesten Nierenschädigung günstig beeinflussen kann. Dies gelang früher als erwartet: Nach einer positiven Zwischenanalyse ist die Studie Mitte 2018 vorzeitig gestoppt worden. Jetzt sind die Ergebnisse im „New England Journal of Medicine“ publiziert worden.

Risikoreduktion um 30% beim primären Endpunkt

In die Studie waren insgesamt  4.401 Erwachsene mit Typ-2-Diabetes, einer geschätzten glomerulären  Filtrationsrate (eGRF) von  ≥ 30 und <90 ml/min/1,73 m2 und dokumentierter  Albuminurie (Albumin/Kreatinin-Quotient im Urin >300 bis ≤5.000 mg/g) aufgenommen worden. Additiv zur Standardtherapie, die einen ACE-Hemmer oder AT1-Rezeptorantagonisten enthalten musste, waren sie in verblindeter Form entweder mit dem SGLT2-Hemmer Canagliflozin (100 mg/Tag) oder Placebo behandelt worden. Die mediane Follow-up-Dauer betrug 2,62 Jahre.

Primärer Endpunkt der Studie war eine Kombination der Ereignisse terminales Nierenversagen (Dialyse, Nierentransplantation oder anhaltenden GFR <15 ml/min/1,73 m2), Verdopplung des Serumkreatinins und renal oder kardiovaskulär bedingte Todesfälle. Das relative Risiko, von einem dieser Ereignisse betroffen zu sein, war am Ende in der Canagliflozin-Gruppe signifikant um 30% niedriger als in der Placebo-Gruppe (Inzidenz: 43,2 vs. 61,2 pro 1.000 Patientenjahre; p=0,00001).

Der klinische Vorteil von  Canagliflozin spiegelte sich auch in den Komponenten des primären Endpunktes wider: So wurde das Risiko für terminales Nierenversagen relativ um 32% (20,4 vs. 29,4 pro 1.000 Patientenjahre; p=0,002) und das Risiko für eine Verdopplung des Serumkreatinin-Wertes relativ um 40% (20,7 vs. 33,8 pro 1.000 Patientenjahre; p < 0,001) verringert. Bezüglich eines nierenspezifischen kombinierten Endpunktes (terminales Nierenversagen, Verdopplung des Serumkreatinins, renal verursachter Tod) ergab sich eine relative Risikoreduktion um 34% (27,0 vs. 40,4 pro 1.000 Patientenjahre; p < 0,001)

Fast 40% weniger Hospitalisierungen wegen Herzinsuffizienz

Die Canagliflozin-Therapie ging auch mit einer Reduktion von kardiovaskulären Ereignissen einher. So wurde das relative Risiko für den klassischen kardiovaskulären Triple-Endpunkt (kardiovaskulär verursachter Tod, Myokardinfarkt, Schlaganfall) um 20% verringert (38,7 vs. 48,7 pro 1.000 Patientenjahre; p=0,01). Auf die kardiovaskuläre Mortalität hatte diese Therapie keinen signifikanten Effekt (19,0 vs. 24,4 pro 1.000 Patientenjahre; p=0,05).

Mit Blick auf Klinikeinweisungen wegen Herzinsuffizienz profitierten mit dem SGLT2-Hemmer behandelte Patienten hingegen von einer signifikanten Risikoreduktion um 39% (15,7 vs. 25,3 pro 1.000 Patientenjahre; p < 0,001). Bezüglich des Risikos für Amputationen oder Frakturen bestanden keine relevanten Unterschiede zwischen Canagliflozin- und Placebo-Gruppe.

Auf Basis dieser Ergebnisse haben die Studienautoren auch Berechnungen bezüglich des absoluten Nutzens einer Canagliflozin-Behandlung bei Patienten mit Typ-2-Diabetes und bereits bestehender Nephropathie angestellt. Werden 1.000 Patienten 2,5 Jahre lang  mit diesem SGLT2-Hemmer behandelt, können demnach 47 dem primären Endpunkt zuzurechnende Ereignisse  verhindert werden (Number Needed to Treat: 22). Zudem würde sich die Zahl der Klinikaufnahmen wegen Herzinsuffizienz um 22 (NNT: 46) und die Zahl kardiovaskulärer Ereignisse (Triple-Endpunkt) um 25 (NNT: 40) verringern.

Literatur

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